Leserbrief: Frisches Geld – und freie Fahrt?

Leserbriefe / 03.09.2026 • 15:30 Uhr
Leserbrief: Frisches Geld – und freie Fahrt?

Der Sommer 2026 war der bislang heißeste der österreichischen Messgeschichte. Die Pegelstände von Flüssen und Seen sowie der Zustand von Böden und Bäumen sind besorgniserregend, Hitze und Dürre aber noch nicht vorbei. Dennoch soll Vorarlbergs Naturschutzrecht dereguliert werden: Uferzonen verkleinert, Schutzschwellen angehoben, Bewilligungspflichten reduziert, bei gleichzeitiger Begünstigung der Land- und Forstwirtschaft. Obendrein schreit die Landwirtschaftsvertretung nun nach “frischem Geld” für Renaturierung. Natürlich können zusätzliche ökologische Leistungen abgegolten werden – ebenso wie Dürrehilfen mitfinanziert werden. Absurd wird es aber, wenn einerseits Schutzbestimmungen gelockert und Eingriffe erleichtert werden, während andererseits öffentliches Geld fließen soll, um Natur wiederherzustellen. Lebensraumschutz ist keine luxuriöse Zusatzleistung, die man gegen Aufpreis bestellt. Er ist die Lebensversicherung einer Landwirtschaft, die auch in 20 Jahren noch ernten will. Zudem gehört diese Landschaft nicht nur uns. Ufer, Moore, Wiesen und Wälder sind Lebens- und Rückzugsräume für unzählige Wildtiere. Was als „Entbürokratisierung“ verkauft wird, bedeutet für Wildtiere Lebensraumverlust – mit gravierenden Folgen für ihr Überleben. Sie haben weder Wirtschaftskammer noch Landesrat, die „frisches Geld“ für sie fordern. Umso mehr braucht es ein starkes Naturschutzrecht und Organisationen, die ihre Interessen mittelbar vertreten. Denn Wildtiere schreiben keine Stellungnahmen, und die Natur stellt keine Förderanträge – sondern stellt ihre Leistungen für Mensch und Tier irgendwann einfach ein.

Ulrike Schmid, PhD, Götzis