Leserbrief: Transparenz ist mehr als ein FAQ

Die Kulturabteilung des Landes bezeichnet ihre neuen FAQs als Schritt zu mehr Transparenz. Doch Transparenz entsteht nicht allein dadurch, dass bekannte Informationen neu geordnet oder Antragsteller auf Formulare, Leitfäden und andere IGs verwiesen werden. Die entscheidende Frage lautet: Kann ein Fördersystem transparent sein, wenn seine Entscheidungsregeln, Gewichtungen und Zuständigkeiten selbst nicht transparent sind? Darin liegt eine wichtige Verschiebung. Wer sagt „Wir sind transparent“, setzt zunächst voraus, was eigentlich überprüft werden müsste. Danach wird darüber diskutiert, welche Informationen veröffentlicht wurden – statt darüber, ob nachvollziehbar ist, wie Entscheidungen tatsächlich entstehen. Transparenz ist keine Selbstauskunft. Sie ist eine überprüfbare Eigenschaft eines Entscheidungsprozesses. Gerade diese Frage wird demnächst auch Gegenstand meiner filmischen Premiere: Das Protokoll, das es nicht geben sollte. Das 21-minütige animierte Filmdokument rekonstruiert eine reale Situation und ist bereits der zweite Teil einer fortlaufenden Veranstaltungsreihe, in der Film, Erstaufführung und Live-Gespräch jeweils auf neue Weise miteinander verbunden werden. Vielleicht beantwortet das Publikum danach eine einfache Frage anders als zuvor: Woran erkennt man eigentlich Transparenz? Der Filmabend richtet sich besonders an Kunst- und Kulturschaffende, die selbst mit Förderverfahren konfrontiert sind oder sich künftig um öffentliche Förderungen bemühen möchten.
Christian I. Peintner, Bregenz