Sie schützte Vorarlbergs Biber – jetzt geht Agnes Steininger

Lob von allen Seiten. Aber letztlich konnte Agnes Steininger nicht das verhindern, was sie verhindern wollte.
Hard, Bregenz 13 Jahre lang führte sie den Kampf: leidenschaftlich, unermüdlich, aufopferungsvoll. Wer in Vorarlberg Biber sagte, musste im gleichen Atemzug auch Agnes Steininger (49) sagen. Die Biologin war Beobachterin, Befürworterin und Beschützerin der pelzigen Nager, die vor 20 Jahren in Vorarlberg wieder Fuß fassten und deren Population heute wieder auf 400 Exemplare gestiegen ist. Doch deren Präsenz und Aktivitäten wurden für viele Vorarlberger zum Ärgernis. Gefällte Bäume, gestaute Bäche, umgestaltete Gärten, Schäden im Ackerbau: Immer lauter wurden die Rufe nach harten Maßnahmen. Mit der nun geplanten Verordnung sollen solche bis zur Entnahme einzelner Individuen bald möglich sein.

“Es ist dramatisch”
Das scheint Steininger, die beim Naturschutzverein Rheindelta angestellt war und als Biberbeauftragte des Landes wirkte, zu viel geworden zu sein. Sie kündigte ihren Job. Walter Niederer (55), Geschäftsführer des Vereines, bedauert Steiningers Abschied zutiefst: “Das ist dramatisch. Sie war unglaublich fleißig und kompetent, hat perfekt in unser kleines Team gepasst. Ohne sie können wir das Bibermanagement im ganzen Land nicht mehr weiterführen.”

Steininger habe ihre Aufgabe sehr ernst genommen und über das eingeforderte Maß hinaus gearbeitet. Tatsächlich traf man sie auch außerhalb gewöhnlicher Dienstzeiten mit Pickel und Schaufel an Orten an, wo Biber Schäden angerichtet hatten. Stets versuchte sie, die Nager weitestgehend zu schützen, ohne andererseits jenen das Verständnis vorzuenthalten, welche durch die Aktivitäten von Bibern zu Schaden kamen.
Gantner lobt Steininger
Auch Umweltlandesrat Christian Gantner (45) bedauert den Abgang der Biber-Expertin. “Ohne sie wären wir schon viel früher wegen der Biber in Schwierigkeiten gekommen. Sie hat wirklich tolle Arbeit geleistet.” Er sei froh, dass Steininger wenigstens noch Schulungen für Vertreter von Anlagenverantwortlichen mache, um sie entsprechend für das Bibermanagement auszubilden. “Es gibt für sie keine Nachfolgerin. Die Verantwortung für das Bibermanagement muss nun auf mehrere Schultern verteilt werden”, betont Gantner.

Maximal 23 Entnahmen
Gantner hofft, dass die Bibermanagementverordnung bald in Kraft tritt. Die Begutachtungsfrist ist abgelaufen. “Es kamen 23 Stellungnahmen, die zu gleichen Teilen unterstützend und ablehnend waren. Ich gehe davon aus, dass wir den vorliegenden Entwurf nicht stark verändern müssen und die Verordnung im Oktober in Kraft tritt”, erklärt der Landwirtschafts- und Umweltlandesrat.

Stichwort Bibermanagementverordnung. Sie sieht vor, dass nach erfolgloser Ausschöpfung aller Präventivmaßnahmen Tötungen von Bibern möglich sind. Maximal dürfen pro Jagdjahr 23 Individuen entnommen werden. Es gibt eine vorgegebene Kontingentierung auf die vier Bezirke. Ein zusätzliches Reservekontingent von maximal neun Tieren ist in besonderen Gefahrenlagen vorgesehen. In Natura 2000-Gebieten dürfen keine Biber erlegt werden.
Agnes Steininger war für die VN nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.