Leserbrief: Die Macht der Worte

Leserbriefe / 21.09.2026 • 14:15 Uhr
Leserbrief: Die Macht der Worte

Fußball-WM-Spiel 2026 Deutschland-Curacao: Nach dem Spiel beteten zwei deutsche Fußballer mit der gegnerischen Mannschaft. Ein Aufschrei ging durch die deutsche Medienlandschaft. Warum ist Beten am Fußballplatz skandalträchtiger als manches Foul? Vielleicht auch: Einer der beiden ist ein “Evangelikaler”, dem sofort eine problematische politische Agenda unterstellt wird. Angehörige evangelikaler Freikirchen oder konservative Christen sind per se verdächtig. Dazu kommt die “Kontaktschuld”, d. h., eine Person oder Organisation ist durch die bloße Verbindung zu einer als negativ, radikal oder verwerflich eingestuften Gruppe ebenfalls schuldig und moralisch unter Generalverdacht. Die Kontaktintensität ist belanglos. Bibeltreuen Kreisen wird eine Tendenz zu “rechten” politischen Ansichten unterstellt und gelten als menschenverachtend und demokratiegefährdend. Die “Kontaktschuld”-Keule erspart einen inhaltlichen Diskurs. Dazu kommt die “Rechte Ecke”. Konservative theologische Überzeugungen, die fast 2000 Jahre alle christlichen Kirchen teilten, werden politisch “geframed”. Bibeltreue Christen finden sich ohne sachlichen Grund im Lager der “religiösen Rechten” und eines “christlichen Nationalismus”. Statt einzugestehen, dass die teils kirchlichen Ankläger sich selbst vom Zentrum des ökumenischen christlichen Glaubens verabschiedet haben, wird die “rechte Keule” geschwungen. Wenn Christen mit anderen Menschen über ihren Glauben sprechen, am Glaubensbekenntnis und der Autorität der Bibel festhalten, ist das rechts? Diese Christen sind damit Teil der überwiegenden Mehrheit der globalen christlichen Welt.

Dr. Wolfgang Hämmerle, Lustenau