Leserbrief: Dekarbonisierung – aber in welche Richtung?

Leserbriefe / 28.09.2026 • 12:30 Uhr
Leserbrief: Dekarbonisierung – aber in welche Richtung?

Die ursprüngliche Motivation der “Energieautonomie Frastanz” war nachvollziehbar: Erdgas ersetzen, Versorgungssicherheit erhöhen und CO₂ reduzieren. Umso mehr sollten wir betrachten, wie sich das Projekt entwickelt hat. Nach den mir vorliegenden UVP-Unterlagen steigen die direkten CO₂-Emissionen am Standort von derzeit rund 3 auf rund 9 Tonnen pro Stunde. Ein Teil davon wird bilanziell als biogen bewertet – physisch wird das CO₂ dennoch emittiert. Auch energetisch stellen sich Fragen. Ursprünglich sollte vor allem die gasbasierte Dampferzeugung ersetzt werden. Heute ist eine KWK-Anlage mit 140 GWh Wärme- und 60 GWh Stromerzeugung jährlich vorgesehen. Gleichzeitig kann der Kühlturm laut Projektunterlagen rund 15 MW Wärmeleistung an die Umgebung abführen. Verändert hat sich auch der Brennstoffmix: Während frühere Planungen einen wesentlich höheren Biomasseanteil vorsahen, basiert das aktuelle Konzept stärker auf Ersatzbrennstoffen und gewerblichen Reststoffen. Deshalb meine Frage: Wenn wir dieses Projekt heute neu planen würden – wäre Verbrennung noch immer die beste Antwort auf Dekarbonisierung? MVR, Hochtemperatur-Wärmepumpen, Wärmerückgewinnung, elektrische Dampferzeugung und Wärmespeicher haben sich erheblich weiterentwickelt. Bei einer Investition für Jahrzehnte sollten diese Möglichkeiten zumindest transparent und ergebnisoffen verglichen werden.

Alexander Schallert, Nüziders