“Es herrscht lähmende Trauer.” Hanno Loewy über das Hamas-Massaker vor drei Jahren

Der ehemalige Leiter des Jüdischen Museums, selbst Jude, ist desillusioniert, was die Zukunft im Nahen Osten betrifft.
Hohenems “Nein”, seufzt Hanno Loewy (65), “eigentlich bräuchte ich den Jahrestag des 7. Oktober 2023 gar nicht, um mir dieses schreckliche Ereignis zu vergegenwärtigen. Das passiert bei mir jeden Tag. Allein schon durch die Beschäftigung mit den aktuellen Ereignissen in der Region.” Loewy bezieht viele Informationen zu den politischen und kriegerischen Ereignissen in und um Israel über die liberale Tageszeitung Ha’retz.

1200 Menschen massakriert
Am 7. Oktober 2023 richteten Terroristen der Hamas im Grenzgebiet zum Gaza-Streifen ein Blutbad an, töteten über 1200 Menschen und entführten zahlreiche andere. Israel antwortete mit einer massiven Militäraktion, die bis heute zirka 70.000 Menschen das Leben kostete.
“Spätestens am 7. Oktober 2023 war klar: Israel ist kein sicherer Hof, dieser Traum vieler Israeli platzte. Auch der Traum von absoluter Macht, den die Gegenreaktion demonstrieren sollte, brach in sich zusammen. Am Ende steht die Isolation Israels.” Loewy kennt Angehörige von Opfern des Massakers ebenso wie Verwandte und Bekannte von Getöteten und Verwundeten in Gaza. “Ich habe wenig Hoffnung, dass sich am jetzigen Zustand viel ändert. Egal, wer die nächste Regierung stellt. Weil 20 Prozent der Bevölkerung in Israel Araber sind, und mit denen will keine der anderen Parteien eine Regierung bilden.”

Tödliche Schüsse durch die Türe
Tatsächlich war das Massaker vom 7. Oktober an Brutalität und Grausamkeit kaum zu überbieten. Den Vorarlberger Nachrichten schilderte die damals 23-jährige Diel ihre schrecklichen Erlebnisse. Als sie sich mit ihrem Partner Oran im Schutzraum ihres Hauses im Kibbuz Nirim verschanzte. Als die Hamas-Mörder durch die verschlossene Tür schossen und Oran schwer verletzten. Weil keine Hilfe kommen konnte, verblutete Oran in Diels Armen.
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“Exzessiver Gewalt von Hamas-Terroristen folgte exzessive Gewalt seitens Israels. All diese Ereignisse haben eine tiefe Depression hinterlassen. Eine Art lähmender Trauer”, bilanziert Loewy. Gleichzeitig spricht er aber auch von einer permanenten Erhitzung. “Davon kann eine weniger radikale Regierung vielleicht eine kleine Pause erreichen, aber dann wird sich das Pendel wieder in eine andere Richtung bewegen”, ist der aus Deutschland stammende ehemalige Direktor des Jüdischen Museums von Hohenems überzeugt.
Loewy sieht zwar einzelne Gruppen in der israelischen Gesellschaft, die sich für Aussöhnung und Frieden einsetzen, doch hätten diese insgesamt zu wenig Gewicht.

“Einzigartige Barbarei”
Keinerlei Perspektive für Frieden in der Region sieht auch Historiker und VN-Kolumnist Harald Walser (73). “Die wenigen Chancen, die es schon zuvor nur gegeben hatte, sind seit dem 7. Oktober 2023 endgültig vorbei. Es war dies eine einzigartige Barbarei, auf die dann eine völlig überzogene Reaktion von Israel folgte. Die radikalen Siedler bekamen Oberwasser. Die Situation ist einfach nur katastrophal.”