Olga Soter: Von Sulz bis ins australische Outback

Olga Soter, geboren im April 1928 in Sulz, ist nach einem bewegten Leben 2025 in Australien verstorben. Ein Teil ihrer Asche kehrte nun zurück.
Von Anita Bonetti
Sulz Olga Soter, geb. Frick, war die Älteste von neun Geschwistern. Als sehr gute Schülerin empfahl der Lehrer den Eltern, sie Lehrerin werden zu lassen. Das war allerdings finanziell nicht möglich. Olga besuchte daher die Handelsschule in Feldkirch. Ihre Jugendzeit fiel in die Kriegszeit, auch Bombenangriffe musste sie miterleben. Olga war eine sehr selbstbewusste, lebensfrohe und mutige junge Frau, die wusste, was sie wollte: in die Welt hinaus.

Die “Bickeles”, wie ihre Familie genannt wurde, beherbergten nach dem Krieg junge Männer, die fürs Deutsche Reich arbeiten mussten. Einer davon war Frank Soter. Olga und er wurden ein Paar, heirateten 1946 und wurden Eltern von Anna, 1947 von Katharina und 1949 von Elisabeth. Olgas Sehnsucht nach der weiten Welt kam Frank entgegen. Denn er wollte aufgrund seiner rumänischen Wurzeln und der Ungewissheit der politischen Lage, die der Kalte Krieg mit sich brachte, nicht in Europa bleiben.
Die junge Familie entschied sich 1951, auszuwandern. Der Weg führte über Hamburg nach Australien, mit Herausforderungen wie der Quarantäne in Hamburg, der dreimonatigen Schiffsfahrt und der Ankunft in Perth. Frank musste nach der Ankunft sofort weiter ins abgelegene Wittenoom, um dort unter Tage in einer Asbestmine zu arbeiten. Einen Job zu haben, war für den Aufenthalt in Australien unumgänglich.

Olga blieb mit den Kindern allein zurück in einem Einwanderungscamp, in einem völlig fremden Land mit einer ihr unbekannten Sprache. Sie war auf sich allein gestellt, ohne zu wissen, wo genau Frank war. Was ihr blieb, das war, Briefe zu schreiben, ihm und ihrer Familie zu Hause. Später meinte sie immer wieder, die Briefe ihrer Mutter hätten ihr gutgetan. Das haltgebende Fundament, welches Olga von ihren Eltern mitbekommen hatte, trug sie. Olga ließ sich nicht entmutigen und blieb sich treu, wenn es darum ging, Menschen mit Respekt zu begegnen. Das, so meinte sie später immer wieder, habe sie von zu Hause fürs Leben mitbekommen.
Nach drei langen Monaten ging es per abenteuerlichem Flug von Perth nach Wittenoom. Die Familie war wieder vereint und erwarb ein kleines zweckmäßiges Haus. 1956 kam Helena und 1967 John zur Welt. Aus dem kleinen Bergbaudorf entwickelte sich nach und nach eine blühende kleine Stadt mit gut funktionierendem Sozialleben. Dazu trugen Olga und Frank maßgeblich bei.

Nachdem 1966 die Mine geschlossen wurde, machte sich Frank als Limoproduzent selbstständig. Er war sehr einfallsreich, wenn es um das Überleben seiner Familie ging. Olga betrieb neben der Wetterstation die Post und die Bank der kleinen Stadt. Die Familie war hoch angesehen. Frank engagierte sich auf politischer Ebene und eignete sich detailliertes Wissen über die Gesetze vor Ort an, um die kleine Stadt nach außen zu vertreten.
Nach und nach begann die Regierung, die Infrastruktur zu schließen, um langfristig die Stadt zur Geisterstadt werden zu lassen. Als das Krankenhaus geschlossen wurde und Frank altersbedingt ärztliche Hilfe benötigte, entschied die Familie 1995, nach 47 Jahren Wittenoom zu verlassen. Sie zogen nach Dunsborough und erwarben ein Haus.

1999 verstarb Frank, und für Olga begann ein neuer Lebensabschnitt. Sie besuchte ihre alte Heimat so oft, wie es ihr möglich war, bis es altersbedingt nicht mehr ging. Im August 2025 verstarb “Bickeles Olga”. Ihr Wunsch, dass ein Teil ihrer Asche ins Grab ihrer Familie in Vorarlberg kommt, während “Uf da Berga isch mi Leaba” gesungen wird, hat sich nun vor Kurzem erfüllt.

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