Leserbrief: Wer vertritt Kunstschaffende in Vorarlberg?

Die Kulturstrategie des Landes nennt die IG Kultur Vorarlberg als Interessenvertretung für Kulturschaffende. Auf Nachfrage zeigt sich jedoch: Für Einzelkünstler ist sie nicht zuständig. Das Land sieht offenbar keinen Anlass, die Formulierung klarzustellen – sinngemäß lautet die Antwort: “Dann eben die beiden Vereine!” Doch wo bleibt dann der hörbare Protest dieser Interessenvertretungen – etwa zur “Zwangsversicherung”, zur KSVF-Rückforderungswelle oder zur Aussetzung der Förderung für Kunst am Bau? Kann es sein, dass jene, die auf öffentliche Förderungen angewiesen sind, lieber schweigen? Bei der Premiere meines Films “Das Protokoll” am 1. Oktober erklärte Kulturabteilungsleiterin Claudia Voit ausdrücklich, die IG Bildende Kunst sei für mich zuständig, und sie habe mich wiederholt darauf hingewiesen. Die IG Bildende Kunst vertritt Künstler österreichweit, verweist bei regionalen Fragen jedoch wieder an Organisationen vor Ort, denn es fehlen ihr die personellen Ressourcen, um Einzelfälle zu betreuen. Doch was bedeutet Interessenvertretung, wenn gerade dort, wo Kunstschaffende bei Behörden konkrete Unterstützung benötigen, die Kapazitäten fehlen? Demnächst auf meiner Homepage: eine Nachbetrachtung der spannenden Diskussion mit Frau Voit am Premierenabend. Weitere Vorführungen meiner beiden Filme sind geplant, um die Diskussion über den Stellenwert heimischer Kunstschaffender weiterzuführen. Denn welche Unterstützung können Künstlerinnen und Künstler erwarten, wenn ihre Interessenvertretung bloße Theorie ist?
Christian I. Peintner, Bregenz