Leserbrief: Landwirtschaftlicher Selbstmord

Zum Artikel „Da brauche ich keine fünf Sachverständigen vom Naturschutz“. Als Landwirtschaftsfachmann braucht Moosbrugger keine fünf Sachverständigen für Naturschutz, sondern nur sich selbst, da hat er eigentlich recht. Denn er kennt natürlich die berühmte Krefelder Langzeitstudie und weiß, dass in den letzten 30 Jahren der Bestand unserer Insekten um 75 Prozent zurückgegangen ist! (Jede Windschutzscheibe ist für einen älteren Autofahrer ein einfacher Beleg für dieses sonst unbemerkte Verschwinden.) Das bedeutet, dass in ca. zehn Jahren nichts mehr da ist, wenn man nicht schnellstens gegensteuert. Da ca. 85 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion von Insektenbestäubung abhängen, darf man Moosbruggers Lobbying für die weitere „unbürokratische“ Zerstörung von insektenfreundlichen Naturräumen, wie sie das neue Naturschutzgesetz vorsieht, nicht nur als zukunftsvergessen, sondern fast schon als landwirtschaftlichen Selbstmord bezeichnen. Die Bauern sollten eigentlich gegen das neue Gesetz und für dringende Maßnahmen zur Erhaltung der Restbestände der Bestäuber protestieren, von denen ihre Existenz abhängt.
Elsensohn Willi, Frastanz