Dunkelrote Zahlen ohne Wintergäste aus Deutschland

Markt / 27.11.2020 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorschläge aus Italien und Deutschland für das Zusperren von Skigebieten in Zeiten von Corona sorgen für eine heftige Debatte. <span class="copyright">VN</span>
Vorschläge aus Italien und Deutschland für das Zusperren von Skigebieten in Zeiten von Corona sorgen für eine heftige Debatte. VN

Ausbleiben deutscher Touristen zur Weihnachtszeit würde den Tourismus im Land hart treffen.

Bregenz, Lech, Schruns Was auch hierzulande vielfach befürchtet wurde, könnte bald zur Realität werden. Seit die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ebenso wie Italien wegen Corona für ein Zusperren der Skigebiete in Europa plädieren, gehen auch im Land immer mehr Touristiker von einem Ausbleiben der Wintertouristen aus Deutschland aus. Die nüchternen Zahlen vorweg: In einer regulären Saison mit rund fünf Millionen Übernachtungen in Vorarlberg werden Weihnachts- und Neujahrswochen mit rund 1,25 Millionen Nächtigungen oder einem Anteil von knapp 25 Prozent ausgewiesen. Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel spielen also in der Tourismuswirtschaft auch hierzulande eine wichtige Rolle.

Schützinger: “Schaden wäre enorm“

Den Gesamtumsatz in einer Wintersaison beziffert Landestourismuschef Christian Schützinger mit rund 1,5 Milliarden Euro. Der Umsatz zur Weihnachtszeit liege damit bei rund 370 Millionen Euro. „Der Anteil deutscher Gäste beträgt rund 60 Prozent, wenn wir mit einem Totalausfall der deutschen Touristen für diesen Zeitraum rechnen müssen, dann stehen damit über 200 Millionen Euro auf dem Spiel“, schätzt Schützinger, der in seiner Berechnung die Tagesskifahrer grob mitgeschätzt hat. „Natürlich dauert die Wintersaison bis Anfang Mai, aber auch bei einem optimalen weiteren Saisonverlauf könnten solche Einbußen nicht kompensiert werden. Der Schaden wäre also enorm“, meint Schützinger. Wie wird das Szenario unter Touristikern und Hoteliers gesehen? Zumal der Anteil deutscher Urlauber beispielsweise am Arlberg bei 40 und im Montafon gar bei 60 Prozent liegt. „Wir können an dieser Situation nichts ändern und müssen das Ganze so nehmen, wie es kommt. Merkel und Söder werden nicht auf uns hören“, bedauert Hannes Skardarasy vom Zürserhof im Gespräch mit den VN.

Für Gerhard Lucian vom Burghotel in Oberlech steht fest: „Es handelt sich um ein Politikum, die Österreicher sollen unter Druck gesetzt werden. Skifahrer sollen Schuld an der Pandemiesituation tragen.“ Was Lucian, der bis zu 130 Mitarbeiter in seinen Betrieben angestellt hat, ganz besonders ärgert: „Für Hoteliers, die Qualitätstourismus bieten wollen, ist es pures Gift, wenn sie nicht wissen, wie es weitergeht.“

Montafoner wollen „durchtauchen“

Im Montafon hat man sich bereits mit dem drohenden Szenario abgefunden. „Wir rechnen bereits damit, dass deutsche Gäste in der bevorstehenden Saison leider vielfach ausbleiben werden“, sagt Manuel Bitschnau als Geschäftsführer von Montafon Tourismus. Den Montafoner Hoteliers sowie Betreibern von Beherbergungsbetrieben und Seilbahnern in der Talschaft ist laut Bitschnau  sehr wohl bewusst: „Es wird bestimmt ein schwerer Dämpfer für uns alle werden.“ Dennoch habe man sich unter dem Motto „Durchtauchen“ unisono dazu entschlossen, in die Saison zu starten. Voraussetzung dafür bilden allerdings die Rahmenbedingungen rund um Corona. Darüber hinaus hofft man auf baldige Reiselockerungen.

„Bei einem Totalausfall zur Weihnachtszeit stehen 200 Millionen Euro auf dem Spiel.“

Christian Schützinger, Landestourismuschef

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