Lehmbaupionier macht mit Baustoff Furore

Feldkircher “Lions” besuchen “Lehm Ton Erde” kurz vor Bezug des dreistöckigen Bürotraktes.
Schlins “Wahnsinnig interessant – ich kann nur sagen: Wow!” bedankte sich Christian König als Präsident des Lions Klubs Feldkirch Montfort bei Lehmbaupionier Martin Rauch am Ende der Führung durch die im Vorjahr fertiggestellte Werkshalle und den ebenfalls vorwiegend in Stampflehm und Holz ausgeführten Bürotrakt. Letzteren bezieht ein Teil der Mitarbeiter in knapp zwei Wochen, eine Reihe von Details dienen nicht nur der Raumqualität, sondern auch als Beispiel dafür, was sich mit innovativer Lehmbautechnik alles machen lässt.

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Zu Beginn der Führung erinnerte der Hausherr die Besucher:Innen daran, dass Lehm seit Menschengedenken in vielen Teilen der Welt eingesetzt wurde. Seit der Industrialisierung vor zweihundert Jahren verdrängten aber Ziegel, Stahl oder Beton den nachhaltigen Baustoff nach der Devise “Neues ist immer besser”. Nicht unbedingt wahr, denn mehr als 45 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes kommt von der Baustoffindustrie, mit steigender Tendenz. Von daher gebe es etwa beim “viel zu billigen” Beton keine Kostenwahrheit.

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Vor mehr als vierzig Jahren hat es Martin Rauch im Gymnasium nicht gefallen, also hat er die Schule mit 16 Jahren abgebrochen und ist wie so manche seiner Kollegen in die Fabrik gegangen. Bei “Erne” wurde der Wunsch nach Modellieren und Zeichnen in ihm wach, in der dafür infrage kommenden Schule im Burgenland bestand er die Aufnahmeprüfung, nachdem gerade ein Schüler hinausgeworfen und ein Platz frei geworden war. Nach vier Jahren wechselte Rauch an die Universität für angewandte Kunst, wo er als erster zur Diplomprüfung mit einem nicht gebrannten, 4,5 Tonnen schweren Lehmelement antrat.

Die Idee dahinter: Zum Aufbewahren von Wasser oder Wein muss ein Gefäß gebrannt sein, für Lebensmittel wiederum ist es besser, wenn das Material Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Dieses Prinzip bewährt sich in vielen von Rauch und seinen Mitarbeitenden realisierten Museen, Gewerbe-, Wohn- und anderen Bauten wie Sakralgebäuden oder Weinkellern.

Bis 1992 agierte er als Einzelunternehmer und Künstler ohne Gewerbeschein, für die Realisierung des 108 Meter langen und sieben Meter hohen “Kunst am Bau”-Projekts beim LKH Feldkirch musste er “zwei, drei Mitarbeiter einstellen”. Die geschwungene Stampflehmwand brachte ihm so einige Folgeaufträge, ebenso die von keinem anderen Unternehmen realisierbare, 110 Meter lange, dreißig Meter breite und zwölf Meter hohe Fabrikhalle des Bonbon-, Pastillen- und Teeherstellers “Ricola” in Basel. In letzter Zeit hat sich die Kundenliste um Erfolgsunternehmen wie Apple und Red Bull erweitert, auch die Harvard-Universität wurde schon beliefert.

Für die Umsetzung der “Ricola”-Produktionshalle ergänzte er eine 1954 in Deutschland zur Beschickung von Ziegellinien gebaute Maschine mit Unterstützung der Frastanzer Maschinenbaufirma Reisch für seine Zwecke. Ziemlich neu im Unternehmen ist eine zusammen mit dem Schweizer Holzbauunternehmen Blumer Lehmann entwickelte und gebaute Maschine von Holzelementen und Lehm. Durch die damit geschaffenen Möglichkeiten sind schon viele Aufträge hereingekommen.

“Man muss sich manchmal aus dem Fenster lehnen, ohne dabei hinauszufallen”, erklärte Martin Rauch seine Vorstellung vom “kalkulierten Risiko”. Ohne dieses gebe es keine Innovation. Kalkuliert ist auch die Erosion, durch die die Oberfläche der jahrhundertehaltenden Lehmstampfwände durch Umwelteinflüsse rau wird. “Die Veränderbarkeit von Lehm ist ein psychologisches Thema”, weiß der Lehmbaupionier, der sie mit dem Grauwerden von Holzfassaden vergleicht. AME















