Diskussion um Pacht endet mit schweren Verletzungen

Seit drei Jahren beschäftigt der Fall zivil- und strafrechtlich die Justiz.
Feldkirch Der 34-jährige Angeklagte erweist sich in der Verhandlung als äußerst anstrengend und mühsam. Richter Alexander Wehinger muss die Fragen an ihn einzeln stellen, dann entscheidet er jeweils, ob er antworten will oder nicht. So geht es eine halbe Stunde lang um fast nichts außer Personalien und Formalitäten. Eigentlich ist auch der Bruder des 34-Jährigen wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, doch der erscheint erst gar nicht, ebenso wenig wie die als Zeugin geladene Mutter. Die Familie vor Gericht zu bekommen, scheint äußerst schwierig. Auch, weil es deutsche Staatsbürger sind und Zustellungen immer wieder im Nichts verlaufen sind. Der Mann diskutiert um Protokollierungen und andere Kleinigkeiten, Wehinger zeigt sich geduldig.
“Bitch”
Im Oktober 2022 kam es in einer 2300-Seelen-Gemeinde im Walgau zu einer Streitigkeit. Inhaltlich ging es um irgendwelche Fragen im Zusammenhang mit einer Verpachtung. Auf der einen Seite der 34-jährige Angeklagte, sein ebenfalls angeklagter Bruder und deren Mutter. Auf der anderen Seite ein 56-jähriger Landwirt mit seiner 44-jährigen Lebensgefährtin sowie dem damals 81-jährigen Vater des Oberländers. “Man nannte mich ‚Bitch‘ woraufhin ich dem Gegenüber einen Klaps mit dem Handrücken auf die Schulter gab und sagte, dass er mich gefälligst nicht so nennen soll”, erzählt die Bäuerin und Hausfrau im Zeugenstand. Daraufhin habe der Mann sie so heftig gestoßen, dass sie zwei bis drei Schritte nach hinten taumelte, bevor sie unsanft am Boden landete.
Zweimal operiert
Die Rettung brachte die Frau ins Spital, ihr Kopf wurde geröntgt, außer einer Riesenbeule war dort zum Glück nicht mehr passiert. Doch das linke Handgelenk war gebrochen, musste zweimal operiert, Schrauben und Platten mussten eingesetzt werden. Doch damit nicht genug. Der Bruder des Angeklagten soll den 81-Jährigen ebenfalls gestoßen haben. Der Mann fiel auf sein künstliches Hüftgelenk und hatte lange Schmerzen. Somit wird dem Brüderpaar jeweils schwere Körperverletzung vorgeworfen. Der Angeklagte sagt entweder nichts oder bestreitet. “Die Frau war betrunken”, sieht er die Schuld bei der Bäuerin selbst. Die räumt zwar ein, zwei Radler getrunken zu haben, von betrunken sei aber keine Rede, so die Frau. Wegen weiterer notwendiger Zeugeneinvernahmen musste der Prozess vertagt werden.