Gold-Ariane stürzt Möggers in Freudentaumel

. . . doch der Olympiasieg erwischte das 570-Seelen-Dorf am Pfänderrücken am falschen Fuß.
Möggers Grenzenloser Jubel mit Zeitverzögerung – Ariane Rädler und Katharina Huber hatten vor ein paar Minuten sensationell die Goldmedaille gewonnen und man hätte erwarten können, dass sich die rund 570 Mitbürgerinnen und Mitbürger in ihrer Heimatgemeinde Möggers zusammentun, um dieses historische Ereignis zu feiern. Nichts von alledem – als die VN vor dem Rädler-Haus parkte, war die Parzelle Weienried wie ausgestorben und Arianes Vater Reinhold bat den ersten Gratulanten in die gute Stube, wo am Bildschirm noch die Nachbetrachtung des Team-Kombi-Bewerbs lief. Papa Rädler hatte den Olympiasieg noch gar nicht richtig realisiert – “damit konnte doch niemand wirklich rechnen…”, schüttelte er fast ungläubig immer wieder den Kopf.

Man trifft sich im Gemeindeamt
Mit dieser Einschätzung war er nicht allein – auch die Nachbarsfamilie Frick hatte eine längere “Reaktionszeit”, ehe sie zum Gratulieren kam. Doch dann wurde es lebendig, Arianes Onkel Peter Eberle kam mit einer Sektflasche. “Ich war im Auto unterwegs, als ich vom Olympiasieg erfuhr, da habe ich natürlich sofort umgedreht…” Auch Bürgermeister Lukas Greussing hatte “überhaupt nichts vorbereitet. Nach der Abfahrt musste ich sogar einen Termin verschieben und habe Skiclub-Vorstand Claudio Reiner angerufen, damit wir den Slalom gemeinsam anschauen konnten. Und nach der Sensation haben wir vor Freude geweint”, meinte er immer noch bewegt, als er zum Gratulieren kam. Dann aber organisierte er eine spontane Feier: “Wir treffen uns im Gemeindeamt”, ließ er alle wissen, die ihn anriefen, und dann ging die Post ab.

Sie hat es redlich verdient
Allen voran die an roten Fan-Klub-Mützen erkennbaren Fans der Olympiasiegerinnen trafen am “Festplatz” ein – wer noch keine solche Kopfbedeckung hatte, konnte sich ausfassen und in den “Schlachtruf” einstimmen: “Ariaaane-ehh-Ariaaane-ehh…” Gold-Ariane hatte Möggers völlig unverhofft in einen Freudentaumel versetzt und bei aller Freude erinnerte man sich auch an dunkle Zeiten – an knapp verpasste Spitzenplätze, an Rückschläge und schlimme Verletzungen, die sie manchmal sogar an ein Karriereende denken ließen. Nur kurz, denn am Ende entschied sie sich – zum Glück – dann doch fürs Weitermachen.


Auch im Sommer 2015, an den ich mich besonders gut erinnern kann: Mit bandagiertem Knie und mit Krücken marschierte sie beim Festumzug als Festdame mit – fröhlich und voll Zuversicht, “das wird schon wieder…”, ließ sie auf neugierige Fragen wissen. Und Onkel Peter brachte die vielen Erinnerungen auf den Punkt: “Irgendwann im Leben kommt alles zurück – heute ist es zurückgekommen!”


Ausklang im Liftstüble
Nach der Feier im Gemeindeamt ging es ins Liftstüble beim Luggi-Leitner-Lift, wo Ariane ihre ersten Skierfahrungen machte. Lift und Stüble sind fast in Rufweite von Arianes Elternhaus. Kein Wunder, dass Klein-Ariane dorthin wollte. “Sie war gerade mal zwei Jahre alt geworden – im Jänner 1997. Am Ende der Saison stand sie dann im März erstmals auf Ski. Monika Jäger, die damals das Liftstüble übernahm, schüttelt lachend den Kopf: “Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass wir heute ihren Olympiasieg feiern… unglaublich!”



Sag allen vielen, vielen Dank
Bevor die fröhliche Schar ins Liftstüble weiterzog, kamen noch zwei Anrufe aus Cortina. Ein berührendes Gespräch von Ariane mit ihrem Vater und wenig später ein Anruf bei ihrem langjährigen Manager Dietmar Ruck: “Sag bitte allen, die an mich geglaubt haben, die mich begleitet und unterstützt und fest die Daumen gedrückt haben, vielen, vielen Dank.” STP




