Vom Webstuhl zur Klemme

Heimat / 11.02.2026 • 13:41 Uhr
Die Lorünser Leichtmetallwerke um 1960. Foto: Wirtschaftsarchiv Vorarlberg
Die Lorünser Leichtmetallwerke um 1960. wirtschaftsarchiv vorarlberg

Wie aus einer gescheiterten Textilfabrik in Schlins ein moderner Metallbetrieb wurde.

Schlins Wer heute durch Frommengärsch in der Schlinser Au fährt, sieht Hallen, Lagerflächen und Werkstore. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts begann hier ein Stück Industriegeschichte, das mehrmals fast endete – und schließlich neu erfunden wurde. 1852 lief der Bleich-, Färberei- und Druckereibetrieb von Elmer, Schlittler und Zweifel in Satteins so gut, dass die Gesellschafter erweitern wollten. Sie suchten Wasser, Platz und Antriebskraft – und fanden all das am Gießenbach. Auf einem lang gestreckten Grundstück mit Mühle, Säge und Wasserrechten entstand eine Spinnerei und Weberei für 130 Arbeitskräfte und 200 Webstühle. 1854 ging die Fabrik in Betrieb.

Lorünser Austria 2013. Foto: Böhringer
Lorünser Austria 2013. Foto: Böhringer

Industrie im dörflichen Maßstab

Im niedrigen, zweigeschossigen Langbau ratterten unten die Spindeln, darüber klapperten die Webstühle. Bald wurde ostseitig erweitert. Vor allem Frauen aus dem Dorf arbeiteten hier, viele kannten sich seit Kindertagen. Die Fabrik blieb klein genug, um ohne ausländische Arbeitskräfte auszukommen. Doch die Textilkonjunktur schwankte. Nach dem Tod des letzten Besitzers geriet der Betrieb 1901 in Konkurs. Gläubiger führten ihn weiter, später übernahm das Hohenemser Unternehmen I.G. Reis die Anlagen und verlagerte Webstühle nach Schlins. Der Erste Weltkrieg brachte Rohstoffmangel, Stillstand, Unsicherheit. In der Zwischenkriegszeit wurde die Fabrik mehrfach verpachtet, unter anderem an einen Thüringer Textilunternehmer. 1930 fiel endgültig der Vorhang.

Neubeginn 1947

Im Zweiten Weltkrieg nutzte Huber, ein Götzner Wäscheerzeuger, die Gebäude für Rüstungsaufträge, Maschinen wurden verschrottet. Dann kam 1947 der Neuanfang. Ingenieur Walter Lorünser aus Bludenz kaufte das Areal: Statt Garn und Stoff entstanden plötzlich Leichtmetallartikel für Haushalt und Bau. Gießerei und Verzinkerei kamen hinzu. Aus der Textilfabrik wurde ein Metallbetrieb. Mit der Spezialisierung auf Armaturen für die Elektrotechnik traf das Familienunternehmen den Nerv der Zeit. Jahrzehntelang war Lorünser ein verlässlicher Arbeitgeber im Walgau. In den 1980er-Jahren übernahm die Firmengruppe Knill-Mosdorfer in Weiz den Betrieb, Lorünser Austria entstand. Heute entwickelt das international tätige Unternehmen Klemmen und Armaturen für Umspannwerke – Hightech statt Handwebstuhl.