Der Glaube trägt, auch bei Olympischen Spielen

Sport / 13.02.2026 • 12:30 Uhr
Der Glaube trägt, auch bei Olympischen Spielen

Hintergründiges von Toni Innauer den ÖSV-Adlern vor den Springen auf der Großchanze.

“Ich bleibe so lange Trainer, bis einer von euch Olympiasieger ist.” Karl Schnabl erfüllte vor genau 50 Jahren in Innsbruck als Erster diese magische Prophezeiung von Baldur Preiml.
Auch später war er es, der mir immer wieder vermittelte, dass meine Sterne trotz vieler herber Rückschläge und einer Verletzungsserie gerade bei Olympia sehr gut stünden. 1980 in Lake Placid und mit vereinten Kräften hat sich der Glaube an gute Sprünge im entscheidenden olympischen Moment erfüllt.

Bei Ernst Vettori wiederholte sich 1992 diese Konstellation in anderer Rollenbesetzung. Die tiefsitzende Angst vor missglückten zweiten Sprüngen bei Großereignissen wurde von uns beiden in monatelanger akribischer Vorbereitung dingfest gemacht. Ernst war in Form, hatte mit 28 auf V-Stil umgestellt und ein starkes mentales Konzept im Reisegepäck nach Albertville. Als sein Trainer war ich mir keinesfalls sicher, dass er gewinnen würde, aber ich glaubte fest an seine starken Sprünge, wenn es zählt.

Thomas Morgenstern 2006 in Turin: Nach dem ersten Sprung Zweiter, landete er bitter enttäuscht an neunter Stelle. Ich behaupte, dass er mit der heutigen Wind-Gate-Regel den Wettkampf gewonnen hätte. Die Windverhältnisse hatten die Ergebnisse völlig auf den Kopf gestellt. Kurzfristig war bei uns allen, besonders beim Cheftrainer Alex Pointner, “der Stecker gezogen”, eine Nullnummer schien drohend in der ungnädigen Luft zu liegen. Und rundherum war einigen anzumerken, dass sie das wenig stören würde.
Der Turnaround zu zwei Goldenen und einer Silbernen gelang nur, weil sich Trainer und Crew wieder sammelten, ihr Glaube an die Sportler und die bereits geleistete gute Arbeit spürbar wurde und auf die Athleten übersprang.

In Wirtschaft und Politik grassiert eine fürchterliche Angst vor dem “Lame-Duck-Phänomen”. Sobald das Ablaufdatum einer Führungskraft vorzeitig bekannt wird, soll sie schlagartig ihre Fähigkeit zu begeistern einbüßen. Werner Schuster und Stefan Horngacher haben als deutsche Nationaltrainer vor einem Großereignis ihren Rücktritt mit Saisonende bekannt gegeben. Und beide haben das ungeschriebene Gesetz widerlegt.

Die deutschen Springer holten 2019 bei der WM in Seefeld/Innsbruck unter Schuster drei Goldmedaillen, Philipp Raimund gerade eben in Predazzo mit Horngacher seine erste. Immer ist es in hohem Maße der Glaube der Trainer an die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit ihrer besonderen Schützlinge, der Letzteren den Zugriff auf ihr Potenzial entscheidend verbessert und das Warten erträglicher macht.
Ende gut, alles gut …

Noch ist das Edelmetall nicht verteilt auf der Großschanze, noch lebt der Glaube und die traditionelle Chance des österreichischen Skisprungteams!

Anton „Toni“ Innauer ist Skisprung-Olympiasieger, war Skisprungtrainer und ÖSV-Sportdirektor. Heute als Buchautor und Vortragender tätig.