Vom Kreuzband-Schock zum Olympia-Start

Sport / 18.02.2026 • 17:25 Uhr
Vom Kreuzband-Schock zum Olympia-Start
Ein Magen-Darm-Infekt plagte Sonja Gigler in der Vorwoche, nun ist die Olympiastarterin wieder voll fit. gepa

Skicrosserin Sonja Gigler fühlt sich bestens vorbereitet für das bislang größte Rennen ihres Lebens.

Livigno Schön langsam dürfte sich der Pulsschlag bei Sonja Gigler angesichts des näher rückenden Olympiastarts am Freitag (10 Uhr) leicht erhöhen. Dabei konnte sich die 24-jährige Vorarlbergerin bereits Anfang Februar beim Training mit den Gegebenheiten in Livigno vertraut machen. Ihr erster Eindruck vom Kurs, nachdem auch gestern wieder Trainingsfahrten auf dem Programm gestanden sind?

Vom Kreuzband-Schock zum Olympia-Start
Sonja Gigler während des Trainingslaufes am Mittwoch. gepa

“Ein spannender Kurs, bei dem unten einiges möglich ist. Das ist mir anfangs gar nicht so bewusst gewesen, aber beim Snowboardcross hat es sich gezeigt, dass die Startsequenz gar nicht so entscheidend sein muss.” Als Leichtgewicht wird sie in der langen Schlusspassage jedoch viel arbeiten müssen.
Gigler ist bereit, ist ihr Antreten bei den Winterspielen schon ein ganz persönlicher Sieg. Zwei Jahre hat sie durch Verletzungen verloren, allen Rückschlägen getrotzt und sich zurückgekämpft. Stolz macht sie vor allem die Tatsache, dass sie ihr Olympiaticket nicht über einen Quotenplatz, sondern mit Rang zwei beim Weltcup in Veysonnaz im Jänner dieses Jahres direkt gebucht hat. Nach all den Entbehrungen und Zweifeln erfüllte sie sich damit den Traum von Olympia. Ein Traum, der nach dem zweiten Kreuzbandriss vor gut zwei Jahren schon fast zerplatzt schien.

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“Da waren die Gedanken an Olympia ganz weit weg”, verrät die Harderin, die für den SC Arlberg startet. Waren doch neben dem Kreuzband auch der Meniskus und der Knorpel im rechten Knie betroffen. “Ich musste lernen, mir Zeit zu geben”, erzählt sie und dankt diesbezüglich nicht nur ihrem Arzt Dr. Christian Fink (“Er hat perfekte Arbeit geleistet”), sondern vor allem ihrer Familie und ihrem Freund. “Sie haben mir die Zeit vertrieben, als für mich die Zeit gefühlt stehen geblieben ist.” So war es denn auch ihr dritter Podiumsplatz im Weltcup – nach einem zweiten Rang 2023 auf der Reiteralm und einem dritten Rang 2022 in Innichen –, der sie die vergangenen Monate reflektieren ließ. “Gefühlt bin ich diese Saison nicht viele Heats gefahren. Eigentlich bin ich durch die Verletzungen bislang sehr wenig Skicross gefahren.”

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Während des Sommer-Trainingslagers in Hallein. gepa

Umso mehr genießt sie den Moment und beschreibt ihr Gefühl folgendermaßen: “Für mich ist es eine große Ehre, bei Olympischen Winterspielen dabei zu sein. Aber natürlich bin ich hierhergekommen mit dem Willen, eine Medaille zu gewinnen.” Dabei hatte Gigler, die aus dem Alpinbereich kommt, laut eigener Aussage lange Zeit keine Vorstellung von Skicross. “Ganz ehrlich, ich habe mit Skicross und Ski-Freestyle wenig anfangen können. Wir waren im Alpin wie in einer Bubble.” Als schließlich die angepeilten Erfolge ausgeblieben sind, tat sich für die damals 19-Jährige die Möglichkeit eines Sichtungstrainings für Skicross auf der Reiteralm auf. “Wir waren damals eine Truppe, der mit Nicolas (Anm. d. Red.: Lussnig) und Claudio (Andreatta) weitere Vorarlberger angehörten, und haben uns angemeldet.” Gigler und Co. fühlten sich dabei von Beginn an wohl – und heute sagt sie: “Skicross ist eine extrem coole Sportart.”

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Bild vom Dezember in Val Thorens. gepa

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Noch im November 2021 startete sie bei einem Europacuprennen, lächelte zwei Monate später im Europacup vom obersten Podestplatz und gewann Gold bei der Junioren-WM in Veysonnaz. Selbstredend folgte noch im März 2022 ihr Weltcupdebüt auf der Reiteralm, wo sie als Sechste aufzeigte. Gut ein Jahr später wurde ihre steil aufsteigende Karriere durch einen ersten Kreuzbandriss jäh gestoppt. All das ist Vergangenheit, für Gigler zählt nun das Hier und Jetzt und somit der Start bei den Winterspielen.