Fast jeder Krebspatient beschäftigt sich mit Suizid

Autor Franz Kabelka aus Feldkirch liest am 5. März in der Vorarlberger Landesbibliothek.
Feldkirch Krimi-Autor Franz Kabelka (71) legt mit “Absolute Bettruhe. Protokoll eines ungebetenen Besuchs” eine autofiktionale Neuerscheinung vor. Im Zentrum der Veranstaltung, die am Donnerstag, 5. März, um 19.30 Uhr in der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz stattfindet, steht der Dialog zwischen dem Autor und Psychiater Albert Lingg. Es moderiert Thomas Feurstein.
Bei Ihnen wurde während der Pandemie Krebs diagnostiziert. Inwieweit haben Sie diese Diagnose in Ihrem Roman zum Thema gemacht?
Kabelka: Dass ich meinen Krankheitsverlauf von Anfang an schreibend begleitet habe, hat meine Wirklichkeit als Krebspatient mit beeinflusst. Die schriftliche Reflexion darüber, was mit dir gerade geschieht, mildert den Stress, der angesichts einer solch dramatischen Diagnose entsteht. Wie immer beim literarischen Schreiben ergab sich bald eine Eigendynamik, was die fiktionalen Anteile betrifft. Beispielsweise habe ich etliche Limericks in meine Geschichte eingebaut, auch Anekdoten aus der Urologie kommen nicht zu kurz. Die Reise an den Lago Maggiore mit einem Freund fand nur in meinem Kopf statt, und die geschilderten Familienverhältnisse Georgs unterscheiden sich maßgeblich von meinen eigenen.
Ihr Protagonist spielt verschiedene Suizidszenarien durch. Wo verläuft die Grenze zwischen literarischer Freiheit und moralischer Verantwortung?
Kabelka: Einerseits beschäftigen solche Gedanken wohl fast jeden Krebspatienten. Andererseits hatte sich kurz bevor ich meine Diagnose erhielt, ein guter Freund von mir wegen einer Krebserkrankung das Leben genommen. Dazu kam, dass in Österreich der assistierte Suizid – wenn auch unter strengen Bedingungen – gerade legalisiert worden war, was die bisherige Tabuisierung des „Selbstmords“ einigermaßen veränderte. Ich wüsste nicht, welche „moralische Verantwortung“ einen Autor daran hindern sollte, sich über diese finale Thematik ernsthafte Gedanken zu machen. Schon gar nicht finde ich es moralisch verwerflich; immerhin geht es hierbei immer um das eigene Leben und Sterben.

Der Roman hinterfragt, was Freundschaften in Extremsituationen aushalten. Haben Sie sich durch die Krankheit verändert und haben sich die Beziehungen zu Freunden verändert?
Kabelka: Auch ich habe diese Zuspitzung in meinem Umfeld schmerzhaft erlebt. Bis hinauf in die urologische Station des LKH spielten Meinungsunterschiede zum Thema Impfung oder das Tragen der Maske eine Rolle. Vielleicht gerade deshalb, weil mir durch meine schwere Krankheit die Relativität scheinbar unverrückbarer Dogmen bewusst wurde, habe ich versucht, verlorene Freundschaften wieder zurückzugewinnen. Was mir, erfreulicherweise, in ein paar Fällen auch gelungen ist.
Werden Sie künftig wieder zum Krimigenre zurückkehren – oder war das ein Abschied für immer?
Kabelka: Im Prolog geht der Kriminalschriftsteller Georg mit seinem angestammten Genre ordentlich ins Gericht. Er beteuert, damit abgeschlossen zu haben, weil das ständige Produzieren von künstlicher Spannung ihm nichts mehr bedeute. Trotz allem kokettiere ich aber auch in dieser Geschichte noch mit dem Krimigenre. Also lautet die ehrliche Antwort: Sag niemals nie.
Was dürfen sich die Besuchenden von der Präsentation am 5. März erwarten?
Kabelka: Albert Linggs und meine Ansichten insbesondere zum Thema assistierter Suizid unterscheiden sich doch einigermaßen, was die Sache hoffentlich umso spannender macht. Ich freue mich schon darauf, mit einem ausgewiesenen Seelenfachmann diskutieren zu können. Vielleicht wird dabei ja auch geklärt werden, wie das Buch zu seinem seltsamen Titel kam. CRO