Hier hat nur die Mutter Gottes warm – Hohe Stromkosten zwingen die Kirche zum sparen

Alles, was in dieser Kirche heizt, sind zwei Andachtskerzen und die Sonne vor der Mutter Gottes. Die Betenden bleiben daheim.
Darum geht’s:
- Energiekosten führen zu begrenzter Kirchenheizung im Winter.
- Gemeinschaft wird durch engeres Zusammenrücken der Gläubigen gestärkt.
- Besucher schätzen dennoch Privatsphäre während des Gottesdienstes.
Dornbirn Wenn es in der Kirche kalt wird, rücken die Gläubigen in Dornbirn näher zusammen. Was auf den ersten Blick wie eine reine Sparmaßnahme wirkt, hat in der Pfarre Schoren von Dominik Toplek eine überraschende Nebenwirkung: mehr Gemeinschaft.

“Wir haben irgendwann gemerkt, dass es sich finanziell einfach nicht mehr ausgeht, den ganzen Winter über alle Bänke zu heizen”, erzählt Pfarrer Dominik Toplek. Als die Energiekosten nach der Corona-Zeit spürbar anzogen, stand die Pfarre vor einer schwierigen Entscheidung. Die Kirche wird mit Strom beheizt, unter den Bänken sind Heizregister eingebaut. Jeder zusätzliche Platz kostet.

Die Lösung: Nur noch rund die Hälfte der Sitzplätze wird im Winter beheizt. Hinweisschilder bitten die Gottesdienstbesucher, auf den warmen Plätzen zusammenzurücken. “Wir wollten die Kosten deutlich reduzieren – und haben gehofft, dass es funktioniert”, sagt Toplek. Von mehreren Tausend Euro Stromkosten pro Jahr ist die Rede. Das ist eine spürbare Belastung für das Pfarrbudget.
Für manche Besucher ist es viel zu kalt
Dass die Verantwortlichen die Notbremse ziehen, damit die Kosten nicht explodieren, ist klar, doch was sagen die Messebesucher dazu? “Mir ist das viel zu kalt”, betont Manuela Wicher aus Dornbirn.

Zusammen mit ihrer Familie besucht Manuela Wicher regelmäßig den Gottesdienst in Schoren. Die aktuelle Situation mit dem Aufruf, “zusammenzurutschen”, empfindet sie als schwierig: Es sei oft sehr eng, besonders beim gut besuchten Familiengottesdienst. Zudem sei es in der Kirche trotz Heizung kalt, die Wärme komme unten nicht richtig an.

Auf die Frage, ob ihr der Glaube Wärme gebe, meint sie schmunzelnd, dass sie sich dennoch immer warm anziehen müsse. Trotzdem besucht sie den Familiengottesdienst sehr gerne. Besonders schätzt sie das anschließende Beisammensein im warmen Pfarrheim, wo gemeinsam gegessen wird.
Pfarrer Toplek spürt mehr Gemeinschaft
“Es ist ein ganz anderes Feiern, wenn man einander näher ist”, sagt Toplek. Wo früher Lücken zwischen den Besucherinnen und Besuchern klafften, entsteht nun ein dichteres Miteinander. Man spürt die Gemeinschaft buchstäblich. Gerade für Menschen, die unter der Woche viel allein sind, wird der Sonntagsgottesdienst so zu einem sozialen Anker. “Manche sind froh, wenn jemand neben ihnen sitzt”, so der Pfarrer.
Natürlich gebe es auch das Bedürfnis nach Ruhe und Abstand. Kirche sei immer auch ein Ort des Innehaltens, des persönlichen Gebets. “Man will zur Ruhe kommen und nicht unbedingt jemanden zu nahe haben”, räumt Toplek ein. Doch das eine schließe das andere nicht aus. Gemeinschaft und Rückzug hätten beide ihren Platz.
Auch wenn die Strompreise eines Tages wieder sinken sollten – das Modell des gezielten Heizens soll bleiben. “Es hat sich bewährt”, sagt Toplek. Im Sommer verteilt sich die Gemeinde wieder freier im Raum. Im Winter aber gilt: Wärme entsteht nicht nur durch Heizregister unter den Bänken.
Kirchenbesuch zwischen Nähe und Abstand
Melissa Opietstnik aus Dornbirn besucht regelmäßig die Kirche – allerdings nicht vor Ort, sondern im Hatlerdorf. Den Kirchenbesuch schätzt sie grundsätzlich, dennoch ist ihr eines besonders wichtig: ausreichend Privatsphäre.

Die Idee, in der Kirche enger zusammenzurücken, damit es im Raum wärmer bleibt, nimmt sie mit Humor. Das fühle sich fast “wie eine Singlebörse” an, sagt sie – und betont zugleich, dass sie nicht auf Partnersuche sei. Für Opietstnik gehört ein gewisser persönlicher Abstand auch im Gottesdienst dazu. Gemeinschaft sei wichtig, dennoch brauche es genügend Raum für jeden Einzelnen.