Mercedes-Klassen-Los

Mit dem elektrischen VLE definiert Mercedes die bisherige
V-Klasse neu. Diesel- und Benzin-Modelle folgen.
Mercedes Die Stuttgarter arbeiten weiter daran, ihre Baureihen auf Multi-Energy-Plattformen zu bringen. Die bisherigen Solo-Lösungen für batterieelektrische und thermische Antriebe waren nicht nur unwirtschaftlich, sie bescherten den Stromern auch Wettbewerbsnachteile bei Real-Reichweiten und Ladeleistung. Ein neues Modell zunächst nur als Elektro-Variante zu präsentieren, gehört in der Branche mittlerweile zum üblichen PR-Getöse im Dienste der E-Mobilität, so rückt auch Mercedes hier vorerst den VLE ins Rampenlicht. Diesel und Benziner, die weiterhin mindestens 80 Prozent der Verkäufe ausmachen werden, folgen unmittelbar darauf. Offiziell will man aber nicht einmal von einem Nachfolger der V-Klasse sprechen, obwohl es sich natürlich genau darum handelt. Die bisher für die Stern-Stromer gültige Zusatz-Bezeichnung EQ entfällt künftig offenbar, das neue Modell wird auch nicht als Basis für eine kommerzielle Lieferwagen-Ausführung dienen.

In jedem Fall hat der neue V ein beachtliches Längenwachstum vorzuweisen. Die Basis-Ausführung maß bis dato knapp 4,9 Meter, nun setzt sie bei 5,31 Metern an. Der Radstand beträgt 3,34 Meter, die künftige Lang-Version fügt hier noch einmal 17,5 Zentimeter hinzu. Die Heckklappe ist vertikal geteilt, das obere Glas-Segment lässt sich separat öffnen, zwei elektrische Schiebetüren seitlich sind ab jetzt serienmäßig verbaut. Eine feine praktische Neuerung ist, dass die seitlichen Portale endlich über vollwertig versenkbare Scheiben verfügen – die Ära der unkomfortablen Fix- oder Steck/Schiebe-Verglasung sind damit vorüber. Im Look ist der V deutlich bulliger geworden, die Fensterlinie ist von vorne nach hinten verlaufend annähernd symmetrisch, schwingt also mit einem ähnlichen Bogen, wie an der A-Säule beginnend, hinten in einer massiven D-Säule ab. Der Kühlergrillrahmen wird optional, wie heute wohl unvermeidbar, in beleuchteter Ausführung angeboten. Die Rücklichter bilden eine vertikal und horizontal in der Dachkante umlaufende Einheit.

Im Cockpit dominiert ein Triple-Bildschirm in Cinemascope-Dimension mit 10,2 Zoll Instrumenten-Display und zwei 14 Zoll Touchscreens, wem das noch nicht genügt kann noch die Kino-Variante mit ausklappbarem 33 Zoll-Screen für die hinteren Sitzreihen dazu ordern. Für die Bestuhlung sind Varianten mit sechs bis acht Plätzen vorgesehen, die Einzelsitze sollen sich besonders leicht und in jeder Position demontieren lassen, dazu verfügen sie über Rollen und sind nach dem Ausbauen so leichter zu transportieren.
Große Reichweite
In der Elektro-Variante fährt der VLE wie schon sein kleinerer Pkw-Bruder CLA mit 800 Volt-Architektur vor. Zunächst wird er als VLE 300 mit 276 PS, Vorderradantrieb und Nickel-Mangan-Kobalt-Akku zu 115 kWh angeboten, womit der wohl mindestens 2,6 Tonnen schwere Koloss WLTP-Reichweiten von über 700 Kilometern erreichen soll. Für den stärkeren VLE 400 4Matic mit 415 PS und Allrad-Antrieb nennt Mercedes vorerst nur den Sprintwert von 6,5 Sekunden von null auf hundert km/h. Eine günstigere 80 kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie wird später nachgereicht, die Preise in Deutschland dürften dann ab rund 60.000 Euro netto für die Basis-Ausstattung beginnen. Als maximale Gleichstrom-Ladeleistung nennt Mercedes 315 kW womit sich zumindest rechnerisch in rund 15 Minuten Strom für 355 Kilometer aufnehmen lässt. An der Wallbox wird eine Ladekapazität von 22 kW geboten. Die Österreich-Preise des VLE werden zeitgerecht zum Verkaufsstart im Laufe des März bekannt gegeben. Stefan Pabeschitz
Motor/Antrieb E-Antrieb mit 800 Volt Technologie; VLE 300: 276PS, 115 kWh Batterie, Vorderradantrieb; VLE 400: 415 PS, 115 kWh Batterie, Allradantrieb
Fahrleistung/Verbrauch VLE 400: 0-100 km/h: 6,5 sek.,
Reichweite ca. 700 Kilometer