„Ich bin jemand, der Veränderung liebt“: Vorarlbergerin Juliane Hefel ist Top-Managerin in Detroit

Die Feldkircherin verantwortet bei PPG Industries mehr als 50 Produktions- und Forschungsstandorte weltweit.
Schwarzach, Detroit Es sind Produkte, mit denen fast jeder schon einmal in Berührung gekommen ist – etwa im Flugzeug, beim Blick durch selbsttönende Brillengläser, beim Öffnen einer Getränkedose oder beim Halten eines iPhones. Auch wer seiner Wand einen neuen Anstrich verpasst hat oder ein Auto fährt, kommt mit den Produkten von PPG Industries in Berührung.
Das weltweit führende US-Industrieunternehmen mit 43.000 Mitarbeitenden ist in all jenen Branchen tätig, wo Farben, Beschichtungen, Lacke und Spezialmaterialien benötigt werden – von Automobil und Luftfahrt über Architektur und Verpackungen bis hin zu Schifffahrt, Optik und Verkehrslösungen.

Verantwortung für 50 Standorte
Eine wichtige Rolle im US-Konzern spielt die Vorarlbergerin Juliane Hefel. Die gebürtige Feldkircherin ist Senior Vice President für Industrielacke und Spezialprodukte und verantwortet in dieser Funktion mehr als 50 Produktions- und Forschungsstandorte weltweit.

Hefels Arbeitsplatz ist in Detroit (Michigan), einer Stadt, die viele noch immer mit dem Niedergang der Automobilindustrie verbinden. Doch das sei längst Vergangenheit. “Detroit hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man sich völlig neu erfinden kann. Es wurde viel investiert und revitalisiert. Die großen drei Automarken Ford, Stellantis und General Motors haben nach wie vor ihren Hauptsitz hier. Dazu kommen zahlreiche Start-ups und Zulieferer, die Flugzeugindustrie sowie Tech-Konzerne wie Google oder Amazon.” Die ansässigen Branchen seien mittlerweile sehr diversifiziert – ähnlich wie bei PPG.

Von Düsseldorf nach Detroit
Nach Detroit zog Hefel 2017, damals noch in ihrer Funktion als Leiterin der Automobil-Klebstoffsparte beim Konsumgüterkonzern Henkel. Dass sie fünf Jahre später zum Beschichtungsspezialisten wechselte, lag vor allem an ihrem Wunsch nach Veränderung. “Ich war zuvor für Henkel in Düsseldorf und in Shanghai tätig. Ich bin jemand, der Veränderung liebt”, sagt Hefel, die in Wien ein Übersetzer- und Dolmetscherstudium für Englisch und Spanisch mit BWL-Schwerpunkt absolvierte.

Ein großer Fokus ihrer Tätigkeit liegt auf der Effizienz in der Produktanwendung. “Wir haben zum Beispiel gerade eine Aushärtungsmethode entwickelt, die nicht über einen Ofen, sondern über einen Infrarotlaser funktioniert. Das spart Energie und ist zudem deutlich schneller.”
KI als großes Thema
Auch Künstliche Intelligenz spielt bei PPG Industries eine immer wichtigere Rolle. “Ich bin davon überzeugt, dass man den Anschluss verliert, wenn man sich nicht damit beschäftigt.” Eingesetzt wird KI etwa in der Entwicklung. “Wir haben Produkte, deren Formulierung mithilfe von Künstlicher Intelligenz entstanden ist. Unsere Daten zu Formulierungen sind über die Jahrzehnte enorm gewachsen. Dank KI können wir diesen Schatz für neue Anwendungen aktiv nutzen. Außerdem können wir unsere klugen Köpfe stärker auf andere kreative Themen konzentrieren.”

Was unterscheidet die amerikanische von der europäischen Führungskultur? “In den USA ist es weniger hierarchisch. Man hat mehr Freiraum für eigene Entscheidungen und eine höhere Risikobereitschaft, Dinge auszuprobieren. Dafür ist Europa stärker prozessorientiert und insgesamt strukturierter”, betont die Managerin. Auch die Teams seien deutlich diverser. “Das ist in den USA schon viel länger ein Thema. Man weiß, dass gemischte Teams erfolgreicher sind und auch, dass unterschiedliche Mitarbeitergruppen – seien es Frauen, Veteranen oder African Americans – Themen jeweils anders antizipieren.”

Schritt nie bereut
Auch wenn Heimatbesuche regelmäßig auf dem Terminkalender stehen – den Schritt zur globalen Karriere hat Juliane Hefel nie bereut. “Man muss offen sein. Aber ich kann es jedem empfehlen. Es ist eine persönliche und berufliche Bereicherung.”
