Kooperation statt Fusion – reicht das für die Gemeinden?

Politik / 06.04.2026 • 14:06 Uhr
Kooperation statt Fusion – reicht das für die Gemeinden?
Im Großen Walsertal setzen die Gemeinden auf zahlreiche Kooperationen, dazu zählt ein Finanzdienstleistungszentrum in Thüringen. Hartinger

Gemeinden bündeln immer öfter ihre Ressourcen. Was dadurch eingespart wird, bleibt auch in Vorarlberg unbeziffert.

Schwarzach Gemeindekooperation als Zukunftsmodell? Alwin Müller, Bürgermeister der 400-Einwohner-Gemeinde St. Gerold, berichtet aus dem Alltag kleinerer Gemeinden: “Wo es geht, wird der Hebel angesetzt.” Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zu den Gemeinde- und Länderfinanzen der Statistik Austria zeigt: Die finanzielle Lage bleibt österreichweit angespannt. Der Ruf nach strukturellen Reformen wird lauter. Die Neos wollen freiwillige Gemeindefusionen forcieren. Kooperationen erscheinen als weniger einschneidende Alternative. Doch was bringen sie tatsächlich?

Genau das wollten die Neos in Vorarlberg jüngst von Landeshauptmann Markus Wallner wissen: Was leisten Regionalgemeinschaften (Regios) und Gemeindekooperationen konkret – und was kosten sie? Hintergrund ist ein dicht gewachsenes Netz an Kooperationen, das zwar vielfach als Erfolgsmodell gilt und in das auch Förderungen fließen, dessen Effekte jedoch nur schwierig zu beziffern sind.

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Kooperation im Großen Walsertal wächst

Nun liegt die Anfragebeantwortung vor. Ein Beispiel aus der Auflistung an Kooperationsförderungen ist ein Finanzdienstleistungszentrum Blumenegg, in dem auch St. Gerold Mitglied ist. “Ende 2018 nahm es im alten Gasthaus Hirschen in Thüringen seinen Betrieb auf”, berichtet Müller. Sechs Gemeinden – Blons, Bludesch, Ludesch, St. Gerold, Thüringen und Thüringerberg – bündeln seitdem ihre Ressourcen: Voranschlag, Rechnungsabschluss, Buchhaltung, Lohnverrechnung, Vorschreibung von Gebühren und Abgaben sowie Förderabwicklung und Finanzierungen werden gemeinsam erledigt. Personelle Engpässe durch Pensionierungen oder Abgänge werden so abgefedert.

Auch gemeindenahe Organisationen wie DLZ Blumenegg, ARA Walgau oder der Mittelschulverband Großes Walsertal werden mittlerweile betreut. Seit 2020 ist Dalaas Vollmitglied, seit 2024 auch Fontanella, Sonntag, Raggal und mit Nüziders erstmals eine größere Gemeinde. “Es ist gewaltig gewachsen”, sagt Müller. Finanzielle Effekte zeigen sich ebenfalls: Die Kooperationsförderungen sanken laut Anfragebeantwortung von knapp 121.000 Euro 2021 auf rund 16.200 Euro 2025.

Für Müller ist das Finanzdienstleistungszentrum nur ein Baustein im größeren Kooperationsgefüge, zu dem auch das Dienstleistungszentrum für Bauagenden, der Abwasserverband Walgau oder die Musikschule Blumenegg zählen.

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Administrative Entlastung

Eine konkrete monetäre Bewertung solcher großen Kooperationen fehlt – sie wäre zu aufwendig, informiert Landesrat Marco Tittler: “Dafür müssten mit einem hohen Verwaltungsaufwand laufend fiktive Vergleichskosten berechnet werden. Der Aufbau eines solchen Monitorings widerspricht dem Ziel des neuen Fördermodells, wonach Gemeinden und Regios ab 2026 administrativ entlastet werden sollen.”

Experten sehen aber auch ohne konkrete Zahlen Vorteile: Effizienz, weniger Doppelgleisigkeiten, Qualitätsverbesserung und Rechtssicherheit, zählt Alexander Maimer vom Zentrum für Verwaltungsforschung (KDZ) auf. Im Baurecht etwa könne Spezialisierung die Qualität heben. Reicht die Förderung, um Kooperationen auszuweiten? “Anreize sind sicher zielführend, damit sie ins Laufen kommen. Aber der wesentliche Vorteil muss in der Kooperation selbst liegen”, sagt Maimer.

96 Gemeinden gibt es in Vorarlberg – so wenige wie in keinem Bundesland. Österreichweit sind es 2092 mit durchschnittlich rund 4300 Einwohnern, während der EU-Durchschnitt bei rund 22.455 Einwohnern pro Gemeinde liegt. Zwar konnten Gemeinden ihr Defizit 2025 ohne Wien insgesamt reduzieren, doch der Spardruck bleibt hoch. Reichen Kooperationen noch? Der KDZ-Experte formuliert es diplomatisch: “Es ist auf jeden Fall ein sinnvoller Weg. In manchen Fällen wird es auch sinnvoll sein, perspektivisch den Schritt weiter zu gehen.”

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