Der Kampf um das Zeitlimit

Das Tour-of-the-Alps-Tagebuch von Team-Vorarlberg-Fahrer Kilian Feurstein (22).
Während die TV-Kameras an der Spitze des Feldes das Rennen um den Etappensieg einfangen, findet im hinteren Teil des Pelotons ein Rennen im Rennen statt: der Kampf gegen das Zeitlimit. Besonders heute, auf einer Etappe mit zwei extrem schweren Schlussanstiegen, war dieser Kampf für mich als Sprinter realer denn je.
Sobald meine Aufgabe für das Team – das Positionieren unserer Bergfahrer und ein letztes Mal Flaschenholen vom Begleitauto – erledigt ist, geht es für mich nur noch darum, das Ziel innerhalb der Karenzzeit zu erreichen. Zu Beginn des letzten Anstiegs formierte sich schnell eine Gruppe von etwa 20 Fahrern, die im Radsport als „Gruppetto“ bezeichnet wird. Wir alle hatten das gleiche Ziel: nicht aus der Wertung zu fallen. Oft kämpfen wir dort hinten genauso hart gegen die Erschöpfung wie die Spitze, nur eben mit dem Ziel, das Zeitlimit zu schaffen.
Per Funk erhalten wir ständig Informationen über den aktuellen Zeitrückstand von der sportlichen Leitung aus dem Begleitauto. Das Zeitlimit wird auf Basis der Siegerzeit und des Schwierigkeitsgrads der Etappe berechnet. Das Tempo im Gruppetto wird meist von erfahrenen Fahrern der World-Tour-Teams vorgegeben, die genau einschätzen können, welche Geschwindigkeit nötig ist. Heute wurde es zum Ende hin noch einmal ziemlich knapp, und wir mussten auf den letzten Kilometern das Tempo noch einmal erhöhen.
Am Ende haben die Fahrer unserer Gruppe das Zeitlimit eingehalten, doch für einige andere wurde die Karenzzeit zum Verhängnis – sie wurden aus dem Ergebnis gestrichen. Damit beende ich meine erste Tour of the Alps: sichtlich erschöpft, aber dennoch sehr zufrieden.