Giftige Pflanzen – so schütze ich mein Kind: “Mit Blüten spielen kann gefährlich sein”

Die Natur ist kein Gefahrenraum, aber auch kein Spielplatz ohne Regeln. Wer aufmerksam ist und die Risiken kennt, kann sein Kind schützen.
Darum geht’s:
- Kinder erkunden Pflanzenwelt, Gefahr durch giftige Pflanzen vorhanden.
- Symptome reichen von Hautreizungen bis zu ernsthaften Vergiftungen.
- Wichtig: Ruhe bewahren und Vergiftungsinformationszentrale kontaktieren.
Dornbirn Ein paar bunte Beeren im Garten, eine auffällige Blüte am Wegesrand oder die Zimmerpflanze auf der Fensterbank – für Kinder ist die Pflanzenwelt vor allem eines: spannend. Genau darin liegt aber auch ein Risiko. Denn was harmlos aussieht, kann im Ernstfall gesundheitliche Folgen haben.
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“Kinder entdecken ihre Umgebung oft mit allen Sinnen – und dazu gehört auch der Mund”, erklärt Elisabeth Ritter von der Inatura. Gerade Kleinkinder greifen, zerpflücken und kosten. Dabei können sie auch mit giftigen Pflanzen in Kontakt kommen oder Pflanzenteile verschlucken.
Die gute Nachricht: Schwere Vergiftungen sind selten. Pflanzen rangieren zwar nach Medikamenten und Haushaltschemikalien an dritter Stelle der Vergiftungsursachen bei Kindern, doch meist bleiben die Folgen mild. Häufig sind es kleine Mengen, die aufgenommen werden – und “die Dosis macht das Gift”, so Ritter.

Von Brennen bis Krampfanfälle
Die möglichen Symptome sind vielfältig. Hautkontakt ist in den meisten Fällen harmlos – Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. “So kann etwa der Eisenhut, eine der giftigsten heimischen Pflanzen, schon bei Berührung Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder sogar Lähmungen auslösen”, berichtet die Expertin weiter.

Andere Pflanzen reagieren erst in Kombination mit Sonnenlicht: Der Riesenbärenklau etwa kann zu starken Hautreizungen, Juckreiz und sogar verbrennungsähnlichen Blasen führen.

Gefährlicher wird es beim Verschlucken. Die süßlich schmeckenden Beeren der Tollkirsche können Gleichgewichtsstörungen und Krampfanfälle auslösen. Beim Seidelbast kommt es zu Schwellungen im Mund, Übelkeit und Erbrechen, warnt Elisabeth Ritter. Interessant sei auch, dass viele giftige Pflanzen bitter schmecken und durch den natürlichen Schutzmechanismus von Kindern einfach ausgespuckt werden. Doch Vorsicht – gerade süßliche Früchte wie jene der Tollkirsche machen das Risiko schwer einschätzbar.

Unterschätzte Gefahren im Alltag
Nicht nur Gartenpflanzen bergen Risiken. Auch vermeintlich harmlose Dinge wie Zigarettenstummel können gefährlich werden: “Es kommt immer wieder vor, dass Kinder durch das Lutschen daran eine Nikotinvergiftung erleiden”, räumt die Inatura-Expertin ein.
Auch in Wohnräumen lauern Gefahren. Beliebte Zimmerpflanzen wie Weihnachtsstern, Dieffenbachie oder Ficus-Arten sind giftig – oft, ohne dass es bewusst ist. Gleichzeitig gibt es viele unbedenkliche Alternativen wie Grünlilie, Korbmarante oder die Bergpalme.

Das ist im Ernstfall zu tun
Wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind eine giftige Pflanze aufgenommen hat, gilt vor allem eines: Ruhe bewahren. “Keine Hausmittel wie Milch oder Salzwasser geben und kein Erbrechen auslösen”, rät Ritter.
Stattdessen sollte der Mund ausgespült, Pflanzenreste entfernt und wenn möglich gesichert werden. Bei Hautkontakt hilft gründliches Abspülen mit Wasser. Eine wichtige Anlaufstelle in Österreich ist unbedingt die Vergiftungsinformationszentrale (01 406 4343), die rund um die Uhr erreichbar ist. Treten bereits Symptome wie Schwindel oder Atemnot auf, sollte sofort der Notruf gewählt werden.
Vorbeugen statt reagieren
Ganz vermeiden lässt sich der Kontakt mit Pflanzen nicht – und das ist auch nicht notwendig. Vielmehr geht es um Bewusstsein. “Eltern sollten die giftigsten Pflanzen kennen und Kinder früh darauf aufmerksam machen, nichts Unbekanntes zu essen”, betont Elisabeth Ritter abschließend.
Im Garten können ungiftige heimische Sträucher wie Felsenbirne oder Kornelkirsche eine sichere Alternative sein. Giftige Pflanzen lassen sich oft einfach außerhalb der Reichweite platzieren.