„Das is‘ klassisch!“

Saisonschluss bei Dornbirn Klassik: Freiburger Barockorchester und Nicolas Altstaedt
Dornbirn Stürmisch begann das Saisonfinale bei Dornbirn Klassik am letzten Montag im gutbesetzten Kulturhaus: Der erste Satz der Symphonie Nr. 3 in g-Moll des weitgehend unbekannten böhmischen Komponisten Leopold Koželuh fegte über die Bühne wie ein Wirbelwind; nach einer verträumten Romanze folgte ein ebenso dynamisches Presto mit knallenden Hörnern. Schon hier zeigten sich die Qualitäten des renommierten Freiburger Barockorchesters, das von Gottfried von der Goltz als Konzertmeister geleitet wurde: ein zupackender, frischer Zugriff, effektvolle Steigerungen und sprechende Artikulation. Das Konzert, das auch Teil des Bodenseefestivals war, vereinte Werke von Wiener Klassikern und deren Zeitgenossen: Neben dem Prager Koželuh kamen auch Haydn und Mozart und der in Spanien tätige Boccherini zur Aufführung. „Das is‘ klassisch!“, dieses geflügelte Wort des Hausknechts Melchior aus Nestroys „Jux“ – hier hätte es gepasst.
Star des Abends war der deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt, der in Dornbirn auch schon zu hören war. Wie er Haydns Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur spielte, fesselte von der ersten Note an: Auch optisch eine interessante Erscheinung zwischen Philosoph und wildem Reiter – wirre schwarze Locken, Dreitagebart, exzentrisches schwarzes Outfit – prägte er diesem vielgespielten Werk den unverkennbaren Stempel seiner Künstlerpersönlichkeit auf. Vom majestätischen Beginn an spielte er die Orchestercellostimme mit und brillierte in seinem Solopart dann mit entschiedener Artikulation, klangvollem Ton und einer versponnenen Kadenz mit vielen Flageolettönen. Das Adagio spielte er vergeistigt, wie in Trance, mit meist geschlossenen Augen. Im finalen hochvirtuosen Allegro molto, das wirklich molto gespielt wurde, schwang er sich vom einleitenden Halteton in rasanten Läufen in die Höhe, die er mit seinem Barockbogen besonders knackig artikulierte. Im lebendigen Austausch mit dem höchst präsenten, stehend spielenden Orchester gelang so eine durchdachte und durchfühlte, ganz von der Musik getragene Interpretation.
Reizvoll als Kontrast dazu war das Cellokonzert Nr. 7 in G-Dur des damals berühmten Cellovirtuosen und Komponisten Luigi Boccherini, vom heiteren, verspielten ersten Allegro an (mit viel Daumenspiel in hohen Lagen) über das reizvolle Adagio in Moll, bei dem die mäandernde Cellomelodie nur von den sordinierten Geigen begleitet wurde und das in fast jenseitigem Piano endete, bis zum tänzerischen, kraftvoll akzentuierten Allegro im Dreiertakt, mit einer eigenwilligen Kadenz und einem unspektakulären Schluss. Das begeisterte Publikum erklatschte sich den langsamen Satz aus Haydns D-Dur-Cellokonzert als Zugabe.
Nicht ganz so überzeugend erklang zum Abschluss Mozarts berühmte Prager Symphonie in D-Dur, KV 504. Der Adagio-Beginn gelang majestätisch, im Allegro baute sich über den Synkopen der 1. Violinen das imposante Klanggebäude mit schmetternden Hörnern und richtig knallenden Pauken und Trompeten und beweglichem Holz auf. Und dennoch fehlte etwas, es klang alles sehr präzis, aber etwas bemüht ausbuchstabiert, es gab nichts Abenteuerliches oder Geheimnisvolles. Auch im Andante zeigte sich, dass Mozart das Schwerste ist: Man hörte wenig Schmelz in den Geigen, die Hörner knallten völlig unsensibel hinein, es fehlte die Eleganz. Auch im sehr schnell genommenen Presto war alles sehr korrekt, effektvoll, aber immer im gleichen Tempo, ohne kleine Verzögerungen oder Abschattierungen. Dem Publikum gefiel es trotzdem, als Zugabe gab es noch einmal den dritten Satz der Koželuh-Symphonie.
Ulrike Längle