Fünf-Generationen-Familie: So hat sich das Muttersein verändert

Menschen / 08.05.2026 • 16:04 Uhr
Fünf-Generationen-Familie: So hat sich das Muttersein verändert
Marlies Pal, Helene Frener und Alexandra Simic (v. l.) eint die Rolle als Mutter, doch ihre Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Steurer

Zwischen zu wenig Essen am Tisch und aufwendigen Geschenksäckchen: Was Mütter früher leisten mussten und was heute von ihnen erwartet wird.

Dornbirn Die Dornbirnerin Helene Frener (90) musste sechs Wochen nach der Geburt wieder in der Fabrik arbeiten, wobei es keinen Bus gab und sie den Weg dorthin zu Fuß zurücklegen musste. Ihre Urenkelin kann sich das heute kaum vorstellen. Kurz vor Muttertag am Sonntag macht die Fünf-Generationen-Familie sichtbar, wie sich das Muttersein im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Die damalige Zeit

Helene Frener hat zwei Kinder, acht Enkel, 24 Urenkel und drei Ururenkel. Ihr erstes Kind, Marlies Pal, bekam sie mit 20 Jahren. In ihrer eigenen Kindheit genauso wie später in ihrer Zeit als junge Mutter mangelte es oft am Nötigsten, sogar an Essen. „Dadurch wurde ich ein sehr zufriedener Mensch. Mir ist es noch nie so gut gegangen wie heute“, schildert sie.  

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Helene Frener mit ihrer Urenkelin Alexandra Simic und ihren Ururenkeln Jana (1) und Jaro (4). VN

Trotz alledem war es für sie als Mutter am schwierigsten, ihre Kinder wegen der Arbeit allein lassen zu müssen. „Zu Beginn passte meine Stiefmutter auf sie auf. Aber als die gestorben ist, mussten meine Kinder nach der Schule mehrere Stunden allein zurechtkommen – zu dem Zeitpunkt waren sie sechs und zehn Jahre alt.“ Eigentlich hätte Frener gern einen Beruf wie Frisörin ergriffen, musste jedoch aus Geldgründen über 30 Jahre in einer Textilfabrik arbeiten.  

Freners Tochter Marlies Pal (69) bekam mit 18 Jahren ihr erstes Kind. Fünf weitere folgten, wobei sie und ihr Mann nun seit 52 Jahren verheiratet sind. Auch bei ihnen war Essen nicht immer in Hülle und Fülle vorhanden. Aber im Gegensatz zu Frener war Pal nicht berufstätig und konnte ihre Kinder selbst großziehen. „Meine Mutter hat mich dabei unterstützt. Es erfüllte sie auch, weil sie damals nicht selbst auf uns Kinder aufpassen konnte.“ Anders als ihre Mutter hatte Pal damals auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Frisörin zu machen.

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Marlies Pal mit Bildern ihrer heute erwachsenen zwei Kinder. VN

Während Pals Mutter ihr einst mit den Kindern half, haben sich die Rollen inzwischen gewandelt: Heute lebt sie bei ihr und ihrem Mann und wird altersbedingt von ihnen unterstützt und gepflegt. „Ich bin froh, dass ich ihr etwas zurückgeben kann“, sagt die Tochter. „Sie verdient einen schönen Lebensabend.“

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Marlies Pal hilft ihrer Mutter Helene Frener beim Gehen. VN

Das heutige Muttersein

Freners Urenkelin Alexandra Simic (29) absolvierte ebenfalls die Ausbildung zur Frisörin. „Ich habe sie aber eigentlich nicht wegen meiner Oma oder Uroma gemacht“, erklärt sie. „Vielleicht liegt es an den Genen“, fügt sie lachend hinzu. Jetzt ist sie Tagesmutter und hat selbst zwei Kinder.

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Alexandra Simic und Marlies Pal sind beide gelernte Frisörinnen. VN

Zu den größten Herausforderungen heutzutage zählt für Simic die Erwartungshaltung in der Gesellschaft: „Man sollte arbeiten, aber trotzdem viel für die Kinder da sein, gesund kochen, den neuesten Erziehungstrends folgen und bei einer Geburtstagsfeier Geschenksäckchen für alle Kinder haben.“

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Alexandra Simic beim Spielen mit ihren zwei Kindern Jaro (4) und Jana (1). VN

Für die Nüzigerin sind einige Dinge, die ihre Urgroßmutter damals erlebt hat, kaum vorstellbar. Was es damals jedoch nicht gab: unzählige Kinderveranstaltungen, auf denen man erwartet wird; soziale Medien, auf denen man dazu tendiert, sich zu vergleichen oder verglichen wird; und den indirekten Druck, alles richtig machen beziehungsweise den Kindern alles Mögliche bieten zu müssen. „Die hohen Ansprüche sind das Schwerste heutzutage“, bestätigt Pal. „Mittlerweile hat man oft schon mit Wohlstandsverwahrlosung zu tun.“

Das Muttersein in den verschiedenen Generationen ist aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen kaum vergleichbar. Trotzdem bleibt für Frener, Pal und Simic eines ganz gleich: Alle drei sind stolze Mütter, die ihre Kinder sehr lieben.

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