Ein Kämpferherz ist aus dem Takt

Menschen / 10.05.2026 • 15:04 Uhr
Rudi Längle widmet sein Leben Tieren, die niemand mehr haben will. HRJ
Rudi Längle widmet sein Leben Tieren, die niemand mehr haben will. HRJ

Rudi Längle kämpft mit schwerer Krankheit und um die Zukunft seiner Tiere.

Sulzberg Schon lange spürt er, dass etwas nicht stimmt: zu schnell außer Atem, Engegefühl in der Brust. Und nachts die Angstattacken. Als Rudi Längle die Diagnose erhält, gilt seine größte Sorge nicht ihm selbst, sondern seinen Tieren.

“Egal, wie die OP ausgeht, die Tiere sollen bis zu ihrem Lebensende ein Zuhause haben.”

Rudi Längle, Tierschützer

Ein kühler Nachmittag. Der Hof in Sulzberg, abgelegen in der Parzelle Hompmann, dient als Seniorenheim für ein Dutzend betagter Nutztiere. Rudi Längle führt in die Stube, lässt sich auf einen Stuhl fallen. Die wenigen Schritte strengen ihn bereits an. Er muss erst einmal Luft holen.

Noch ist der Hof in der Sulzberger Parzelle Hompmann das Zuhause von Rudi Längle. HRJ
Noch ist der Hof in der Sulzberger Parzelle Hompmann das Zuhause von Rudi Längle. HRJ

“Das könnte mein Nachruf werden”, sagt er. “Oder ich beginne ein neues Leben.”
Der Mann ist schwer krank. “Herzmuskelentzündung. Ich muss sehr bald operiert werden.” Pumperlgsund war er immer, hat nie geraucht, nie Alkohol getrunken. Dennoch ist sein Herz aus dem Takt geraten. Und beide Knie sind kaputt. Doch darüber macht sich der 65-jährige Pensionist weniger Gedanken.

Schwerer Schock

Herzkrankheiten sind keine Seltenheit in Rudis Familie. Eine Familie, mit der er nur die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte. Geboren am 15. Dezember 1960 in Götzis, verlor er früh den Halt. 1965 ließen sich seine Eltern scheiden, und er wurde gemeinsam mit vier Geschwistern im Kinderdorf Au-Rehmen abgegeben. “Das war ein schwerer Schock für mich. Ich hing sehr an meinen Eltern.”
In den ersten fünf Jahren litt er unter einer “bösen Mutter”, wie er sagt. Dann bekam er eine liebevolle Mutter: “Wir konnten uns ihr anvertrauen. Sie hörte zu und setzte sich für uns ein.”

Nach dem Hauptschulabschluss wechselte Rudi ins Gymnasium, zog aus dem Kinderdorf aus und ins Kolpinghaus Dornbirn ein. Mit 18 Jahren begann er Jura zu studieren. 1985 schloss er mit dem Magistertitel ab. Getrieben von einem starken Gerechtigkeitssinn wollte er Richter werden. Er begann sein Gerichtsjahr am Oberlandesgericht Innsbruck, ließ sich jedoch bald ans Bezirksgericht Bregenz versetzen, “weil meine jüngeren Geschwister meine Unterstützung brauchten”.

Der Tierretter als Eselflüsterer: Was die beiden wohl zu besprechen haben?
Der Tierretter als Eselflüsterer: Was die beiden wohl zu besprechen haben? HRJ

Nach dem Gerichtsjahr folgte der Zivildienst bei der Lebenshilfe – und aus zwölf Monaten wurden 15 Jahre. Anfangs betreute er Menschen mit Behinderungen, später wurde er Betriebsratsobmann. Im Jahr 2000 wechselte Rudi in die Politik. Die SPÖ Vorarlberg machte ihn zum Geschäftsführer. Doch schon nach einem Jahr hörte er auf: “Ich hatte genug von den internen Querelen.”

Tierfamilie wächst

Von da an konzentrierte er sich 100-prozentig auf die Tiere. Sein Engagement für Nutztiere, die niemand mehr haben will, begann 1995. Den Verein “Tierhilfe Vorarlberg”, dessen Obmann er bis heute ist, gründete er 2006.

Seine ersten Schützlinge waren zwei Haflinger, die er vor der Schlachtung rettete. Damals lebte Rudi noch in Alberschwende. Seine Tierfamilie wuchs stetig – und mit ihr der Platzbedarf. Es folgten Stationen in Hittisau und Riefensberg, bevor er 2011 das Gut Bozenau in Doren pachtete. 2022 bezog er den Hof in Sulzberg, kümmert sich nun um acht Pferde, vier Esel sowie das Hundebrüderpaar Jimmy und Louis. Sein Alltag besteht aus Hofarbeit und Vereinsarbeit. Allein ist das nicht zu schaffen. Über die “Tierhilfe Vorarlberg” hat er deshalb einen Mitarbeiter angestellt.

Rudi und die Hunde Jimmy und Luis verbindet eine tiefe Freundschaft. HRJ
Rudi und die Hunde Jimmy und Louis verbindet eine tiefe Freundschaft. HRJ

Nun steht erneut ein Umzug bevor. “Wegen der hohen behördlichen Auflagen will der Verpächter den Hof lieber leer stehen lassen”, erklärt Rudi. Bis zum 27. Mai sollte der Hof geräumt sein, doch das ist aufgrund der bevorstehenden Herzoperation nicht möglich. “Aktuell steht die Chance gut, dass wir doch noch bleiben dürfen.” Vorerst zumindest.

Sein größter Wunsch bleibt: “Dass meine Tiere bis zum Ende ihres Lebens ein Zuhause haben. Hier oder anderswo.”