“Echter Zauberer der Rezitation”

Schauspielstar Cornelius Obonya beim ersten “Musikalischen Spaziergang” neu der “Pforte”.
Feldkirch “Ich finde dich in allen diesen Dingen” war der Titel des ersten “Musikalischen Spaziergangs” der Musikinitiative “Pforte”, der nicht durch die wegen Hochwasserbaumaßnahmen länger gesperrte Götzner Örfla-Schlucht führte. Unter einem großen Baum vor dem Aufgang zur Schattenburg begrüßte “Pforte”-Mitgründer Klaus Christa ganz herzlich die sehr vielen TeilnehmerInnen und zitierte “ein wunderschönes Sonett von Rainer Maria Rilke”. Darin schreibt der Dichter: “Was sich im Bleiben verschließt, schon ist’s Erstarrung”.

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Klaus und Claudia Christa und ihre Mitstreiterinnen hatten “das Gefühl, dass die musikalischen Spaziergänge jetzt reif dafür sind, aus Götzis in die Welt hinauszugehen”. Mit der Schattenburg und einem Teil ihrer Umgebung fanden sie ein sehr schönes Ambiente. Nicht genießen konnte das der Bratschist Ali Delangiz, der zusammen mit Yashar Noorozi und Leufat Bucuku (beide Violine) sowie Luis Castello (Violoncello) als “Tanin Quartett” spielen sollte. Er zog sich zwei Tage vorher bei einem Elektroscooter-Unfall eine schwere Verletzung zu, für ihn als Teil der “Pforte von morgen” sprang Klaus Christa als “Pforte von gestern” ein.

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Er stellte nach seiner Begrüßung fest, dass es “wahnsinnig schön ist, ein Gedicht zu lesen, es zu hören hat aber noch eine ganz andere Dimension”. Seit mehr als fünfzig Jahren höre er am Sonntagvormittag auf Ö1 die von Gedichten und Musik geprägte Sendung “Du holde Kunst” und habe dabei “einen Hero: Cornelius Obonya”.

“Wir fühlen uns wirklich sehr, sehr beschenkt”, sagte der “Pforte”-Gründer, bevor die Schauspielgröße als Erstes “An Fanny” von Friedrich Gottlieb Klopstock und “Hymne an die Schönheit” von Charles Baudelaire vortrug. Danach gingen etwa 120 Teilnehmerinnen über einen Fußweg zuerst in Richtung Göfis und danach in Richtung des Levner Weihers. Bei der “Elendsbildkapelle”, einem Bildstock mit geschindeltem Dach und einer Statue der Muttergottes, machte die Gesellschaft Halt und Obonya erfreute die Teilnehmer mit weiterer “Liebeslyrik, wie man sie vielleicht nicht kennt” (Christa). Zu den Dichtern aus verschiedenen Epochen und Kulturen gehörte neben Ingeborg Bachmann, Christine Busta, Christine Lavant, Giovanni Boccaccio, John Donne, Eduard Mörike, Reiner Kunze, dem persischen Dichter Hafis, seinem Landsmann und Mystiker Rumi, Marion Novaro, Francesco Petrarca oder Shakespeare auch Michelangelo Buonarroti.

Während bei der Kapelle zwischen Rezitationen Luis Castello das Prélude aus der 1. Bachsuite interpretierte, spielten Klaus Christa bei der dritten Station, einer schönen Waldlichtung, die Sarabande aus der 1. Bachsuite und Yashar Noorozi die Malinconia aus der Solosonate von Eugène Ysaÿe. Bei der Kapelle war aus dem eine Weile dem Regen ausgesetzten Publikum Lachen zu hören, als Obonya als Teil eines Gedichtes rezitierte: “Mit goldnen Worten, die so reich verglühen, kann sich der Regenhimmel schmücken”.

Nach dem Rückweg zur Schattenburg hieß Klaus Christa in deren vollbesetzten Rittersaal auch die nur zum Konzert angemeldeten Teilnehmerinnen willkommen, also rund 150 Personen, dankte den SpaziergängerInnen für ihren Mut und für ihr Vertrauen, den stellenweise etwas steilen Weg mitzugehen. Er nannte die Musik und die Poesie als die zwei Zugänge zur menschlichen Seele und zugleich das Herz von “Musik in der Pforte”. Wenn die Werke der Dichter auf eine unvergleichliche Weise gesprochen würden, “vereinen sich beide Zugangswege und aus Poesie wird Musik”.





