Versilberter Doppelpack und große Emotionen

Radballduos Sarah Kraller/Frieda Rümmele und Timo Lampert/Max Schallert bei Heim-EM mit Silbermedaillen.
Höchst Als die letzten Bälle über das Spielfeld rollten und die Musik in der Sporthalle der Mittelschule Höchst langsam verstummte, blieb vor allem eines zurück: das Gefühl, Zeuge eines außergewöhnlichen Wochenendes geworden zu sein. Zwei Tage lang war Höchst das Zentrum des europäischen Nachwuchs-Hallenradsports – ein Ort voller Spannung, Präzision, Enttäuschung und großer Emotionen.


Rund 120 Athletinnen und Athleten aus zehn Nationen kämpften bei der UEC-Europameisterschaft der Junioren (U19) um Medaillen in den Disziplinen Kunstradfahren und Radball. Für Vorarlberg war es bereits die vierte Austragung einer Hallenradsport-EM nach Feldkirch 1997, Lustenau 2004 und zuletzt Höchst im Jahr 2011. Dass die Titelkämpfe erneut ins Ländle vergeben wurden, erwies sich als Glücksfall – sportlich wie organisatorisch.

Fest des Nachwuchssports
Der RC Mazda Hagspiel Höchst rund um Obmann Marco Schallert präsentierte sich gemeinsam mit den Vorarlberger Hallenradvereinen als Gastgeber mit Leidenschaft und Präzision. Die Halle war an beiden Tagen bis auf den letzten Platz gefüllt, Trommeln hallten durch die Tribünen, Fahnen wurden geschwenkt, jede Parade und jede gelungene Kür frenetisch gefeiert. Die Europameisterschaft entwickelte sich zu einem Fest des Nachwuchssports – und zu einer Bühne für heimische Erfolgsgeschichten.



Besonders im Fokus standen die Titelverteidiger Timo Lampert und Max Schallert. Das Höchster Duo zeigte bereits in der Gruppenphase seine Klasse, zog mit vier Siegen und nur einer Niederlage souverän ins Halbfinale ein. Dort gelang gegen die Schweiz mit einem klaren 5:1-Erfolg die eindrucksvolle Revanche für die einzige Niederlage im Turnierverlauf. Im Finale wartete mit den Deutschen Mika Röttel und Bjarne Diehl allerdings ein Gegner, der den Gastgebern alles abverlangte.

Es wurde ein Endspiel, das die Zuschauer von den Sitzen riss. Jeder Angriff, jede Abwehraktion wurde lautstark begleitet. Am Ende fehlte nur wenig: Mit 2:3 mussten sich Lampert und Schallert geschlagen geben. Die Enttäuschung unmittelbar nach dem Schlusspfiff war sichtbar, doch wenig später überwog der Stolz. Nach Silber 2023, Bronze 2024 und Gold im Vorjahr war es bereits die vierte EM-Medaille in Folge – eine Serie, die die außergewöhnliche Konstanz des Vorarlberger Duos unterstreicht.

Couragierte Premiere belohnt
Für den emotionalsten Moment des Wochenendes sorgten allerdings Sarah Kraller und Frieda Rümmele. Der erst zum zweiten Mal ausgetragene Mädchenbewerb im Radball brachte eine Premiere für Vorarlberg. Das Duo der SPG Höchst/Dornbirn spielte sich mit couragierten Auftritten bis ins Halbfinale und bezwang dort die Schweiz mit 3:1. Im Finale gegen die Deutschen Ariane Fink und Jule Gerlach setzte es zwar eine 1:3-Niederlage, doch die Silbermedaille fühlte sich wie Gold an. Es war die erste Medaille eines Vorarlberger Teams in der jüngsten Sparte des Radballsports – entsprechend groß war der Jubel auf den Rängen.

Auch wenn die Kunstradfahrer diesmal ohne Edelmetall blieben, machten die Leistungen Hoffnung für die Zukunft. Rebecca Habelsberger und Sophia Kühne belegten im Einer der Mädchen unter 17 Starterinnen die Plätze acht und neun. Bei den Burschen zeigte der erst elfjährige Emil Güfel als Achter ebenso auf wie Theo Kühne auf Rang zehn.


Nur hauchdünn an einer Medaille vorbeischrammten die Vorarlberger in den weiteren Bewerben. Sophia Kühne und Magdalena Grafenauer sowie Theo Kühne und Emil Güfel belegten in den Zweierbewerben jeweils Rang vier. Auch der Vierer mit Emilian und Lina Fritsch, Lilly Wagner und Emma Toplak verpasste als Vierter nur knapp das Podest. Besonders bitter: Auf Bronze fehlten lediglich wenige Punkte.

So blieb am Ende zwar mancher verpasste Traum, aber vor allem die Gewissheit, dass der Hallenradsport in Vorarlberg lebt. Höchst hat am Wochenende nicht nur Medaillen gewonnen, sondern Werbung für eine Sportart gemacht, die von Präzision, Vertrauen und Leidenschaft lebt. Und vielleicht war genau das der größte Erfolg dieser Europameisterschaft.