Spannender Ausflug in Bludenzer Frühgeschichte

Archäologe Christoph Walser referierte über prähistorische Funde
Bludenz Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Feierabend im Museum” referierte Christoph Walser, Bereichsleiter der Montafoner Museen, kürzlich im Stadtmuseum Bludenz über die frühe Siedlungsgeschichte der Stadt Bludenz. Zudem stellte er jene Männer vor, die sich archäologisch mit diesen frühen Zeiten auseinandersetzten.

Nachdem schon 1830 erste frühgeschichtliche Funde im Bereich Unterstein entdeckt worden waren, war es Samuel Jenny, der im Jahr 1900 ebendort erste systematische Grabungen durchführte. Der k. k. Konservator forschte außer in Bludenz in vielen Teilen des Landes. Der wichtigste Prähistoriker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Adolf Hild, Direktor des Vorarlberger Landesmuseums. Er erforschte den sogenannten “Kleinen Exerzierplatz” auf der Ebene gegenüber dem Krankenhaus, wo 2006 im Zuge der Bauarbeiten für das “Betreute Wohnen” die bislang letzten archäologischen Grabungen in Bludenz durchgeführt wurden.

Der dritte bedeutende Archäologe war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der gebürtige Bludenzer Elmar Vonbank, der zahlreiche bislang nicht bekannte Fundstellen entdeckte, unter anderem am Montikel, wo schon Jahrzehnte zuvor die Lehrer Andreas Jehly und Alfons Leuprecht als Hobby-Archäologen erste Grabungen vorgenommen hatten.

Die Schwierigkeit bei der Auswertung aller Grabungen ist, dass sich zwar recht stichhaltige Rückschlüsse auf eine wohl durchgehende Besiedlung der Region um den Stadtschrofen machen lassen, dass aber aufgrund der geringen Zahl an Funden kein genaues Bild entsteht. Im Unterstein z. B. wurden an die 200 verschiedenen Gegenstände gefunden, die aber breite Interpretationsmöglichkeiten hinsichtlich der Funktion dieses Gebiets zulassen. Sie reichen von Opferplatz über Warenumschlagplatz bis hin zu einem bloßen Depot.
Auch die Vielzahl an Funden am “Kleinen Exerzierplatz” gibt keine eindeutigen Hinweise auf eine verlässliche Gebäudestruktur, obwohl einige wertvolle Gegenstände zutage gefördert werden konnten. Ebenfalls wenige klare Indizien für Gebäude finden sich im immerhin terrassierten Gelände am Montikel. Vermutungen laufen auf einen Rückzugsort in der Spätantike hinaus, der eventuell im Zuge der alemannischen Einwanderung errichtet wurde. Beim ehemaligen Schützenhaus gibt es auch Hinweise auf Gräber, allerdings ohne jegliche Beigaben. Eine weitere wichtige Fundstelle ist der Bereich um das Kloster St. Peter, wo im Zuge des Baus der Arlbergbahn 1883 beim großen Gleisbogen zwar Gegenstände auftauchten, aber dann keine gezielten archäologischen Untersuchungen erfolgten.
Insgesamt deutet zwar einiges darauf hin, dass es im Stadtgebiet von Bludenz – beginnend in frühbronzezeitlicher Zeit über die Eisenzeit und die römische Epoche bis ins Frühmittelalter – eine Siedlung gegeben hat, deren Bedeutung aus den bisherigen Funden aber nicht zu erschließen ist. So manches könnten zwar weitere Grabungen im unmittelbaren Stadtzentrum ans Licht bringen, aber diese sind aufgrund der derzeitigen Bebauungslage natürlich nicht realisierbar.