Vorarlberg auf und hinter großer Bühne

Jodelpionierin Evelyn Fink-Mennel mit Musikverein Langen zu Gast im Wiener Konzerthaus.
Wien Vom Langener Dorfsaal auf eine der größten Bühnen des Landes. Wie sich das anfühlt? „Einfach unglaublich“, schwärmte Hobby-Jodlerin Bettina Lässer (39) kurz nach ihrem Auftritt im ausverkauften Wiener Konzerthaus. Vor 2000 Gästen geben hier normalerweise die Wiener Symphoniker den Ton an.
Am vergangenen Freitagabend wich das Stammorchester der Bregenzer Festspiele aber den 300 Musikerinnen und Musikern der „ZAM Abschlussgala“. Aus vier Bundesländern versammelten sich mehr und minder erfahrene Musikbegeisterte, um „zam, zaum, z’samm und zem“ zu musizieren. Vorarlberg war mit insgesamt 40 Mitgliedern durch den Musikverein und die von Evelyn Fink-Mennel angeleitete Jodelgruppe aus Langen bei Bregenz vertreten.
Vereinend und befreiend
Als die Anfrage aus Wien kam, einen Beitrag aus Vorarlberg zu liefern, musste die Schwarzenberger Jodelpionierin und Volksmusikforscherin nicht lange überlegen. Denn der Grundgedanke von „ZAM” entspricht Fink-Mennels eigenem Ansatz, „die Menschen durch das Musizieren wieder zusammenzubringen.“ Das Jodeln, frei von jeglicher Textkritik, politischer oder historischer Konnotation, eignet sich der selbsternannten „analogen Influencerin“ zufolge dafür besonders gut.
Auch die Langenerin Bettina Lässer, Mitglied der nach Wien gereisten zehnköpfigen Jodelgruppe, meint: „Ab und zu einen ‚Juuz‘ zu tun, ist total befreiend. Jeder kann und jeder sollte jodeln.“ Den Anfang nahm das Projekt bereits im Vorjahr, als Fink-Mennel gemeinsam mit Musikverein, 25 Neo-Jodlerinnen und -Jodlern und der innovativen Blaskapelle Federspiel ein Konzert in Langen auf die Beine stellte. In Kärnten, Nieder- und Oberösterreich taten es ihr ebenso renommierte Kolleginnen und Kollegen gleich, sodass nun Ende Mai alle Gruppen in Wien erstmals aufeinander trafen.

Doch auch abseits der Bühne war mit Werner Bachstein ein weiterer Vorarlberger die treibende Kraft des Projekts. Der gebürtige Altacher und Geschäftsführer der Wiener Niederlassung der international tätigen Porticus Stiftung gebar gemeinsam mit dem ehemaligen Star-Schlagzeuger und Projektpaten Martin Grubinger die Idee für „ZAM“. Das Duo überzeugte Intendant Matthias Naske davon, klingende Namen aus dem Umfeld des Konzerthauses mit Hobby-Musikerinnen und -Musikern vom Land zusammenzubringen.
Unterhaltung am laufenden Band
Die Idee scheint aufgegangen zu sein. Die Begeisterung der zahlreichen Mitwirkenden infizierte das Publikum in Windeseile – ob stimmungsvolle Jodelmelodien, fetzige Blasmusik, andächtige Klassik oder klingende Samba- und Boogietöne. Zeitgenössische Kompositionen dominierten das zweistündige Programm und luden das Publikum mitunter zum Mitsingen und Mitsummen ein. Mit einer Pausenglocke der anderen Art, Fink-Mennels Eigenkomposition „Hololouo“, hatte die Jodelgruppe keine Mühe, die Gäste zur Rückkehr in den Großen Saal zu bewegen. Der leidenschaftliche Auftritt wurde mit tosendem Schlussapplaus und Standing Ovations belohnt.
Durch den Abend führte unter anderem Trompeter und Entertainer Thomas Gansch, der im September mit seiner Blasmusik Supergroup auch in Götzis auf der Kulturbühne Ambach zu erleben sein wird. In Wien gab er mit Percussionsvirtuosin Vivi Vassileva und der Feuerwehrkapelle Langwies aus dem Salzkammergut ein bulgarisches Hochzeitslied zum Besten und feixte: „Wie man sich trennt, das wissen alle. Aber wie man ‚zam‘ bleibt, das ist das Schwierige.“
Laura Schatz