„Ich war nicht der Vater, der ich sein wollte“ – Was für einen Dornbirner zum Wendepunkt wurde

Menschen / 12.06.2026 • 16:04 Uhr
„Ich war nicht der Vater, der ich sein wollte“ – Was für einen Dornbirner zum Wendepunkt wurde
Für Robert Mäser ist die Wertschätzung zum Vatertag am Sonntag schön, doch wichtiger sei es, dass die Wertschätzung von innen kommt. Hier mit seinen Kindern (v.l.n.r.) Theodor (7), Ferdinand (5) und Carla (9). privat

Gereizt, harte Grenzen und Flucht ins Büro: Warum und wie Robert Mäser zu einem präsenteren und reflektierteren Vater wurde.

Dornbirn „Vor ein paar Jahren war ich nicht der Vater, der ich für meine Kinder eigentlich sein wollte“, erzählt Robert Mäser (44) aus Dornbirn. Wenn seine Kinder ihn an seine Grenzen brachten, zog er sich teilweise ins Büro zurück oder schrie sie auch mal an. Sein ganzes Leben veränderte sich jedoch, als er vor ein paar Jahren am „ManKind Project“ (MKP) in Deutschland teilnahm. „Meine Familie wurde zu einer klareren Priorität für mich und ich fand einen neuen Zugang zu meinen Kindern.“ Er gründete das MKP Austria und investiert heute als Obmann viele ehrenamtliche Stunden in den gemeinnützigen Verein.

„Ich war nicht der Vater, der ich sein wollte“ – Was für einen Dornbirner zum Wendepunkt wurde
Robert Mäser hat das MKP in Österreich gegründet, da ihn die Erfahrung in Deutschland sehr geprägt hat.VN
„Ich war nicht der Vater, der ich sein wollte“ – Was für einen Dornbirner zum Wendepunkt wurde
Robert Mäser und seine Frau Nadine haben drei Kinder, und das vierte ist auf dem Weg. privat

Viel gelernt

„ManKind“ sei ein englisches Wortspiel für Menschheit und freundlicher Mann. Einerseits will die weltweite Gemeinschaft das persönliche Wachstum fördern und Männer dabei unterstützen, ein verantwortungsvolles, emotional gesundes und authentisches Leben zu führen. „Als sogenanntes ‚Projekt für die Menschheit‘ geht es aber auch über den Einzelnen hinaus. Die Vision von MKP ist es, die Welt Mann für Mann zu einem besseren Ort zu machen“, führt Mäser aus.

„Ich war nicht der Vater, der ich sein wollte“ – Was für einen Dornbirner zum Wendepunkt wurde
Bei einem MKP-Workshop in Basel im Jahr 2024. MKP Austria
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Bei einem Männerkreis in Feldkirch und Dornbirn treffen sich die Teilnehmer regelmäßig, um unter anderem über persönliche Herausforderungen zu sprechen. MKP Austria

Seine Motivation für das damalige MKP in Deutschland waren speziell seine drei Kinder. „Ich habe mich gefragt: Was für ein Vater will ich sein? Was gebe ich weiter?“, schildert der Rechtsanwalt. „Vatersein verbindet man oft noch immer mit Strengsein, Dominanz und Autorität. Aber ein wirklich guter Vater ist präsent, reflektiert und gut in Verbindung mit sich selbst und seinen Kindern.“

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Als Rechtsanwalt nimmt sich Robert Mäser aller Fälle außer Scheidungen an, da diese zu viel Emotionalität mit sich bringen.VN

Der bald vierfache Papa erinnert sich, dass er früher absurde Erwartungshaltungen an seine Kinder hatte. Zum Beispiel reagierte er gereizt, wenn sie manche Dinge nicht schnell genug erledigten. „Früher zog ich harte Grenzen, durch die ich wenig Verständnis zeigte. Jetzt würde ich sagen, dass ich liebevolle Grenzen ziehe, die nachhaltiger sind.“ Wenn seine Kinder heute verzweifelt, traurig oder wütend reagieren, weil ihnen Grenzen gesetzt werden, versucht er, ihren Gefühlen Raum zu geben. Anstatt ihnen Vorwürfe zu machen oder die Emotionen persönlich zu nehmen, möchte er für sie da sein und ihnen Sicherheit vermitteln. „Liebevolle Grenzen zu setzen ist aufwendiger und fordernder. Aber sie machen bei den Kindern weniger kaputt.“

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Robert Mäser mit seinen Kindern in Guatemala im November 2025. privat

Außerdem hat Mäser durch das MKP gelernt, authentischer zu leben und besser in Verbindung mit sich selbst zu stehen, was auch die Verbindung zu seinen Kindern verbessert habe. „Wenn es uns gut geht, profitieren auch die anderen davon“, resümiert er. Diese Authentizität versucht er auch in Form von kindergerechter Transparenz zu leben. „Wenn es mir nicht gut geht oder ich mit meiner Frau streite, muss ich das nicht verheimlichen. Kinder bekommen ohnehin alles mit. Ich denke, es ist besser, wenn wir ihnen die Situation kindgerecht erklären.“ Mäser betont, dass er kein Pädagoge sei, aber durch Selbstreflexion, Erfahrung und seine Kinder viel gelernt habe. „Kinder sind die besten Lehrmeister“, meint er schmunzelnd.

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Robert Mäsers Verbindung zu seiner Familie hat sich seit seinen Erfahrungen durch das MKP drastisch verändert.privat

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Präsent statt perfekt

Auch bei den regelmäßigen Männerkreisen des MKP in Dornbirn und Feldkirch ist das Thema Familie und Kinder sehr präsent. „Getrennte Männer fragen sich oft, wie sie ein guter Papa sein können, auch wenn sie die Kinder nicht jeden Tag sehen. Außerdem gibt es Männer, die sich unter Druck setzen und der allerbeste Papa sein wollen.“ Mäser ist überzeugt: Niemand ist fehlerfrei – und genau das gilt es anzunehmen. „Man muss nicht perfekt, sondern präsent sein.“ Die Begleitung seiner Kinder ist das Lohnendste, was er in seinem Leben bisher tun durfte.

„Ich war nicht der Vater, der ich sein wollte“ – Was für einen Dornbirner zum Wendepunkt wurde
In Dornbirn und Feldkirch finden jeden Monat sogenannte Männerkreise statt. MKP Austria
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Für Robert Mäser ist das ganze Jahr über Vatertag. privat

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