Nachwort zum Vorläufer

Toni Innauer über die Abwahl von FIS-Präsident Johan Eliasch.
Johan Eliasch und Peter Schröcksnadel traten an, um gemeinsam den Skisport zu revolutionieren. Aber jedem ist dabei zumindest eine grobe Fehleinschätzung unterlaufen.
Meinem Ex-Chef Peter, indem er hoffte, als graue Eminenz im Hintergrund mit Eliasch eine unschlagbare Allianz bilden zu können. Er hatte nicht geahnt, dass er nach seiner wetterwendigen Rolle als Königsmacher bald ausgedient haben würde. Er gab seine Fehleinschätzung und Enttäuschung zerknirscht und sogar gegenüber den brüskierten Schweizern zu.
Eliaschs größter Fehler war, nicht erkannt zu haben, dass ihm ausgerechnet Schröcksnadels Erfahrung, Intuition, Netzwerk, Gestaltungswut und Insiderwissen abgehen. Im Gegensatz zum Tiroler Alphatier fehlte es dem Schweden zu offensichtlich am Fingerspitzen- und Taktgefühl in der Wintersportwelt.
Verbände sind keine Konzerne, sie funktionieren anders und – da staunt der Schwede – aus gewachsener Tradition und demokratienahen Strukturen heraus. Beim Kongress in Belgrad musste Eliasch das zur Kenntnis nehmen. Eine Stimme hat entschieden. Eine Stimme, die ihm von seinen Heimatländern Schweden und England vorenthalten wurde. Das lässt tief blicken.
In der internationalen Finanzwelt sind die oben genannten Kategorien vermutlich “primär”, um den WM-bedingt omnipräsenten Goleador von Cordoba zu zitieren. In der ränkeschmiedenden Skiwelt aber spielbestimmend.
Peter Schröcksnadel kenne ich als ausgezeichneten und ehrgeizigen Masters-Rennläufer und auch seinen Respekt vor dem Sport und den aktuellen Stars und Legenden. Im Gegensatz zum FIS-Expräsidenten wäre er nie auf die narzisstische Idee verfallen, sich als Vorläufer bei Weltcuprennen zu inszenieren. Was im Golf gut funktioniert, hat im Skisport zumindest befremdlich gewirkt.
Anfänglich war ich gespannt, ob Eliasch als HEAD-Boss einen “Johan-Sprungski” zur Stabilisierung der bedenklich schmalen Ausrüstersituation in die Anlaufspuren bringen wird. Bald aber war klar, dass dem Skispringen in seinen Plänen keine tragende Rolle zukommen würde. Die Einschätzung von FIS-Sprunglauf-Racedirektor Pertile, dass man unter Eliaschs Desinteresse “in Ruhe arbeiten könne”, war als Positionierung eindeutig zu defensiv. Da gibt es in Zukunft Luft nach oben.
Von 140 auf 43 Millionen Euro sollen die finanziellen Rücklagen der FIS in der vergangenen Präsidentschaft geschmolzen sein. Der Skisport darf gespannt sein, wie der gewaltige Euro-Schwund vom ruhigen Liechtensteiner Nachfolger Alexander Ospelt und womöglich vom neuen/alten FIS-Geschäftsführer Urs Lehmann aufgearbeitet und erklärt werden wird. Am Klimawandel allein kann es nicht gelegen sein.
Anton „Toni“ Innauer ist Skisprung-Olympiasieger, war Skisprungtrainer und ÖSV-Sportdirektor. Heute ist er als Buchautor und Vortragender tätig.