Bretter vor dem Kopf

Café Fuerte präsentierte die Premiere „Bretter vor dem Kopf“ am Schilift Hittisberg
hittisau Und da sind sie wieder, das Dreamteam vom Blasenberg: Tobias Fend als Stadtrat Keller, Gregor Weisgerber als Pistenrudi, Stefan Pohl als Zahnarzt Heinz und Simon Labhart als Herr Lampert (teils in Mehrfachbesetzung). Was mit der Produktion „Baden wär mir lieber“ im letzten Jahr begann, findet nun in „Bretter vor dem Kopf“ seine Fortsetzung. Eine Theatersoap im besten Sinne des Wortes: schräg, ausgeflippt, humorvoll, witzig, abdreht, tatsächlich aber nicht weit entfernt von der Realität. Oszillierend zwischen „Pifkesage“ und „Braunschlag“, textlich noch um einiges geschliffener, präziser und pointierter als „Baden wär mir lieber“, wurde mit der Talstation Skilift Hittisberg in Hittisau der ideale Premierenort gefunden.
Vor dem Lifthäuschen bzw. einem Herzhäuschen (Plumsklo) spielt sich die ganze Szenerie ab. Dort treffen die Protagonisten aufeinander, die Gewinner als auch die Verlierer aus dem vorangegangenen Stück. Stadtrat Keller wurde wegen Amtsmissbrauch und Korruption zu Sozialstunden am Blasenberglift verurteilt, herrlich wie er moniert: „Ich muss hier Szlstnd machen. Was? Szlstnd. Gerichtsauflage … Sozialstunden“. Der Pistenrudi ging bankrott, der Zahnarzt Heinz sitzt mittlerweile auf dem wertlosen, leeren Apartmenthaus und Herr Lampert, Besitzer einer Weihnachtsmanncard, will dort Schifahren, wo es nichts zum Schifahren gibt: „Erstaunlich, dass man hier noch Skifahren kann. Bei der Schneelage. Wo ist der eigentlich?“ Pistenrudi: „Wer?“ Lampert: „Der Schnee?“ Pistenrudi: „Jetzt werden Sie nicht frech. Hören Sie auf mit dem Schnee. Hier geht’s um Schifahren, oder?“ Was das Publikum schon von „Baden wär mir lieber“ kennt, der Blasenberg ist instabiler Berg, in seinem Innern rumort es, und es kann sich nur noch um Tage handeln, bis die große Katastrophe über Blasenheim hereinbricht.
Do muas i hi
Aber das kümmert allesamt wenig, denn Tanz auf dem Vulkan ist angesagt: „Wir fahren Ski Ski Ski, Gaudi Ende nie nie nie, am Blasenbergli, Do muas i hi … ins Schneeparadi, Do muas i hi hi hi …“. Köstlich die Gesangs- und Choreografieintermezzi der Protagonisten, wunderbar grotesk präsentiert. Das Team präsentiert sich vor allem in den Slapstickeinlagen (das ganze Stück ist eine Farce, nur zu gerne übersieht man die Bodenhaftung des Stücks) von großer Qualität. Speziell in den Szenen als Stadtrat Keller als „Biolift“ am Blasenberg seine Sozialstunden leisten muss, mit dem signalorangefarbenen Schibügel in der Hand. „Es geht los. Hauen Sie rein, Herr Stadtrat.“ Stadtrat: „Sind Sie verrückt. Ich zieh den doch nicht hoch.“ Pistenrudi: „Sozialstunden. Gerichtsauflagen. Na, klingelts bei Ihnen?“ Wohl oder übel muss sich der Stadtrat dem Verdikt beugen und Schifahrer Lampert den Berg hochziehen. Regisseurin Danielle Fend-Strahm hat ihren Akteuren alle Freiheiten in ihrem Spiel gelassen und führt sie mit großem Gespür durch den Slapstick-Parcours.
Neben der Klimakrise wird aber auch die Immigrationsfrage schräg in den Fokus gerückt. Eine leichte Irritation war zu spüren, als man sich von der Hauptstraße dem Premierenort, dem Lifthäuschen, näherte. Man wurde eines Transparents gewärtig, auf dem ein großes deutsches schwarzes Kreuz prangte. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich dabei um das Kreuz des Kameradschaftsbundes Hittisau handelte, der die Bewirtung vor und nach der Vorstellung dieses kurzweiligen und höchst amüsanten Theaterabends übernahm.
Thomas Schiretz
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