Wenig Wasser im Bodensee: “Beim Schwimmen hauen sie sich die Knie an”

Warmes Wasser, niedriger Pegelstand, aber am Rohrspitz sind die Sommergäste aktuell glücklich.
Fußach Hafenmeister Günther Salzmann ist zufrieden. “Für uns ist das momentan ein ideales Wetter. Die Campinggäste und Bootsfahrer sind glücklich, wenn es so schön ist.” Am Rohrspitz zeigt sich der Bodensee derzeit von seiner sommerlichen Seite: Sonne, Wärme und ein See, der zum Abkühlen einlädt. Gemeinsam mit seiner Frau Jasmin betreibt Salzmann den Hafen mit Freizeitanlage und Campingplatz. Von hier aus können Boote in das Rheindelta hinausfahren.
Der niedrige Wasserstand bringt dabei nicht nur Einschränkungen, sondern verändert auch das Erlebnis am See. Der Abschnitt liegt im Naturschutzgebiet, das Flachwasser erwärmt sich besonders schnell. “Wir haben extra ein Stück ausgebaggert, damit die Leute schwimmen können.” Ansonsten ist das Wasser aktuell nur etwa einen Meter tief. “Für Kinder ist das optimal. Aber die Erwachsenen hauen sich beim Schwimmen die Knie an”, sagt Salzmann.

Damit Segel- und Motorboote sicher und komfortabel in den See gelangen, haben die Salzmanns eine eigene Fahrrinne ausbaggern lassen. Die Investition: rund 150.000 Euro. “Man muss aktuell fast einen Kilometer rausfahren, damit man sich mit dem Boot seitlich links oder rechts von der Fahrrinne wegbewegen kann.”
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Fast niedrigster Pegelstand erreicht
Ende Juni liegt die Wassertemperatur bei 26,1 Grad Celsius an der Oberfläche. Innerhalb einer Woche hat sich der Bodensee deutlich aufgeheizt: Am 18. Juni war die Oberflächentemperatur noch fünf Grad niedriger. Auch in 2,5 Metern Tiefe bleibt das Wasser mit 23,9 Grad ungewöhnlich warm.

Gleichzeitig zeigt der Pegel die trockene Seite des Sommers. Der Wasserstand liegt aktuell bei 337 cm. Für den 25. Juni liegt der historische Durchschnitt der Messreihe seit 1864 bei 431 cm – der aktuelle Wert liegt damit knapp einen Meter darunter. Nur zwei Zentimeter fehlen zum niedrigsten jemals gemessenen Wert für diesen Kalendertag: Das Minimum am 25. Juni liegt bei 335 cm. Das historische Tief des Bodensees wurde am 15. Februar 2006 mit 231 cm gemessen.
“Nicht besorgniserregend”
“Der aktuelle Wasserstand ist zwar außergewöhnlich für dieses Datum, aber im Bereich der Schwankungen und für den See insgesamt nicht besorgniserregend”, sagt Landesrat Christian Gantner. Bei der Linienschifffahrt am Bodensee seien keine Einschränkungen bekannt. Noch bis Mitte März des Jahres lag der Pegel sogar über dem Mittelwert. Die unterdurchschnittlichen Niederschläge der letzten Monate und die geringe Schneeschmelze hätten jedoch dazu geführt, dass er nicht stärker gestiegen ist. Insgesamt steht einem abkühlenden Sprung ins Wasser am Wochenende nichts im Wege: Die Badewasserqualität sei ausgezeichnet. “Die Kläranlagen arbeiten hervorragend.” Das Umweltinstitut kontrolliert laufend.
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Klimawandel verändert Wasserstand
Die Tiefe des Bodensees beträgt in der Bregenzer Bucht 60 Meter und an der tiefsten Stelle auf Höhe von Friedrichshafen rund 250 Meter. Deshalb haben die Schwankungen keine große Bedeutung für den Gesamtzustand des Sees, informiert Gantner. Der Klimawandel führe aber dazu, dass die sommerlichen Wasserstände abnehmen: in den letzten 30 Jahren im Mittel um rund 40 cm. Jedoch nehmen die winterlichen Wasserstände tendenziell zu.
Salzmann kennt beide Extreme: Vor zwei Jahren erlebte er das Hochwasser, als die Straße rund zwei Meter überflutet war. Ebenso erinnert er sich an den extrem niedrigen Wasserstand 2006. Heute wünscht er sich vor allem eines: Regen. “Es wäre sicher gut, wenn es jetzt einmal wieder über Nacht regnen würde, damit hier wieder alles feucht wird und aufblüht.” Etwas mehr Wasser würde dem Gebiet guttun. Rund 80 Zentimeter mehr wären aus seiner Sicht ideal. “Aktuell sind wir schon eher an der unteren Kante.”
