Brücken zwischen Europa und Amerika

Claire Huangci begeistert mit einem ebenso klugen wie fulminanten Klavierabend.
Feldkirch Mit Claire Huangci kehrte am Sonntagabend eine Künstlerin zur Chopin-Gesellschaft Vorarlberg zurück, die dem Feldkircher Publikum seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 2011 bestens vertraut ist. Huangci präsentierte sich in Hochform und gestaltete einen ebenso virtuosen wie gedanklich schlüssigen Klavierabend, der musikalische Brücken zwischen Europa und den USA schlug und dabei Bekanntes ebenso selbstverständlich mit selten zu hörenden Werken verband.

Schon Carl Czernys Fantaisie brillante sur des airs de „Le nozze di Figaro“ machte deutlich, wohin die Reise gehen sollte. Das oft auf seine Klavieretüden reduzierte Bild Czernys erhielt hier eine eindrucksvolle Korrektur. Huangci entfachte ein wahres Feuerwerk pianistischer Brillanz, ließ Mozarts Opernmelodien mit Charme, Eleganz und federnder Leichtigkeit aufblühen und verband technische Souveränität mit feinem musikalischem Humor. Der anschließende Chopin-Block bildete das emotionale Zentrum des ersten Konzertteils. Die Etüde op. 25 Nr. 7 erklang mit innigem Gesangston und großer klanglicher Differenzierung. Im berühmten Fantasie-Impromptu faszinierte Huangci durch ihre scheinbar mühelose Virtuosität, doch nie wurde Technik zum Selbstzweck. Den Höhepunkt setzte sie mit der Polonaise As-Dur op. 53, der sogenannten „Heroischen“. Kraftvoll und majestätisch entwickelte sie deren großen Bogen, ohne jemals den Sinn für Eleganz und Transparenz zu verlieren.

Mit den vier Charakterstücken von Ignacy Jan Paderewski führte Huangci das Publikum zu einem Komponisten, dessen außergewöhnliche Lebensgeschichte als Pianist, Staatsmann und Freiheitskämpfer ebenso beeindruckt wie seine Musik. Das elegante Menuett, das temperamentvolle Caprice à la Scarlatti, das poetische Nocturne und die virtuose Cracovienne fantastique erhielten jeweils ihren eigenen Charakter. Huangci zeigte dabei nicht nur technische Perfektion, sondern auch ein feines Gespür für Stil und Farbenreichtum.
Rhapsody in Blue
Nach der Pause erklang Musik von Fanny Hensel, deren Werke viel zu lange im Schatten ihres Bruders Felix Mendelssohn standen. Huangci machte eindrucksvoll hörbar, welch eigenständige kompositorische Persönlichkeit hier zu entdecken ist. Mit großer Natürlichkeit und feinem Gespür für romantische Klangfarben verlieh sie der Musik Wärme, Leichtigkeit und poetischen Atem.Ebenso überzeugend widmete sie sich den Werken der Komponistin Florence Price. Your Hands in Mine, Waltz of the Spring Maid und besonders die temperamentvolle Fantasie nègre No. 2 verbanden europäische Tradition mit afroamerikanischen Einflüssen. Huangci ließ diese Musik rhythmisch pulsieren, kostete ihre harmonischen Farben aus und machte deutlich, weshalb Florence Price heute endlich jenen Platz im Konzertleben zurückerobert, der ihr lange verwehrt geblieben war.

Mit Percy Graingers virtuosen Bearbeitungen zweier Gershwin-Lieder öffnete sich der Klangraum endgültig nach Amerika. Hier blitzte Huangcis spielerische Lust an brillanten Transkriptionen auf. Sie verband klassische Präzision mit jazzigem Schwung und federnder Leichtigkeit, ohne jemals ins Oberflächliche abzugleiten.
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Den krönenden Abschluss bildete Gershwins Rhapsody in Blue in der Solofassung des Komponisten. Was im Orchester oft vom Farbenreichtum der Instrumentation lebt, entfaltete Huangci allein am Flügel mit verblüffender Klangfülle. Sie ließ den Bösendorfer geradezu orchestral klingen, modellierte die berühmten Themen mit rhythmischer Prägnanz und feinem Gespür für Blues, Jazz und klassische Form. Dabei entstand ein eigenständiges pianistisches Erlebnis von mitreißender Intensität.