Hitze im Klassenzimmer: “Die Schulen sind nicht dafür ausgerichtet”

Politik / 02.07.2026 • 16:00 Uhr
Yvonne Stroppa
Direktorin Yvonne Stroppa kann davon berichten, wie wichtig eine Modernisierung von Schulgebäuden ist, um die Hitzewellen besser auszuhalten. VN

Während die Politik über Hitzefrei debattiert, fordern Schulleitungen langfristige Lösungen statt kurzfristiger Maßnahmen.

Schwarzach “Es ist belastend, es ist heiß. Die Schulen sind nicht dafür ausgerichtet und konzipiert. Aber nicht nur die Schulen, ich denke, wir als Gesellschaft sind nicht dafür ausgerüstet”, sagt Gabriela Germ-Mathis, Direktorin der Volksschule Bregenz Stadt. Die jüngste Hitzewelle hat den Schulalltag vielerorts an seine Grenzen gebracht. Überhitzte Klassenräume, erschöpfte Kinder und Lehrkräfte sowie improvisierte Maßnahmen zeigen: Viele Schulgebäude sind auf immer häufigere Hitzetage nicht vorbereitet.

Ob Schulen adaptiert werden, es punktuell Hitzefrei geben wird oder sogar die Sommerferien vorverlegt werden: Langfristig werde es wohl Maßnahmen brauchen, damit Schule auch künftig gut funktionieren könne, sagt Germ-Mathis.

Wie unterschiedlich die Situation sein kann, zeigt sich am BRG und Borg Dornbirn Schoren. “Die schlimmsten Räume sind jene ohne moderne Lüftungsanlage, unter anderem mein Büro”, sagt Direktor Reinhard Sepp. Dort wurden vergangene Woche Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius gemessen. Deutlich angenehmer war es in jenen Räumen mit Be- und Entlüftung, die im Zuge von Aufstockung und Zubau entstanden sind. Im restlichen Gebäude behalf man sich mit offenen Klassentüren, Querlüften über die Gangfenster und den Trinkbrunnen auf jedem Stockwerk. Sepps Fazit fällt dennoch eindeutig aus: “Fein war’s nicht.”

Hitze im Klassenzimmer: "Die Schulen sind nicht dafür ausgerichtet"
Direktor Reinhard Sepp hatte in seinem Büro punktuell 36 Grad. Von Schnellaktionen der Politik hält er aber nichts. VN

Welchen Unterschied moderne Gebäudetechnik machen kann, zeigt auch die Mittelschule und Sportmittelschule Nüziders. Das Schulgebäude wurde vor 15 Jahren mit einer Be- und Entlüftung ausgestattet. Direktorin Yvonne Stroppa hat selbst gemessen: Die Höchsttemperaturen lagen in den zwei Lehrerzimmern bei 25 beziehungsweise 28 Grad Celsius. “Geschwitzt wurde trotzdem, aber nicht so stark wie an vielen anderen Schulen”, sagt sie. Ganz ohne Hitze gehe es aber nicht: “Wenn man 25 Kinder in einer Klasse hat, wird es auch dort warm.”

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Hitzefrei als schulautonomes Thema

Während an den Schulen nach pragmatischen Lösungen gesucht wird, kündigt Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) einen Vorschlag für eine “hitzefrei”-Regelung an. Derzeit gibt es in Österreich keine rechtliche Grundlage für allgemeines “hitzefrei”. Das Schulzeitgesetz stammt aus einer Zeit, in der lang anhaltende Hitzeperioden im Juni kaum Thema waren. Hitzefrei solle allerdings laut Wiederkehr die Ausnahme bleiben. Denkbar seien schulautonome Lösungen wegen regionaler Temperaturunterschiede.

Aufgrund der jüngsten Hitzewelle kam auch die Idee auf, die Sommerferien in den Juni vorzuverlegen. Das komme für Wiederkehr nur infrage, wenn alle Bundesländer mitziehen. Die Diskussion über eine Vorverlegung der Sommerferien sehen die Schulleitungen skeptisch. “Wegen einer Hitzewelle muss man nicht gleich alles umkrempeln. Das will gut durchdacht sein – schon im Vorfeld”, sagt Direktorin Stroppa. Auch Sepp hält wenig von kurzfristigen Reaktionen: “Ich halte eigentlich nichts von anlassbezogenen Schnellaktionen. Viel wichtiger ist es, die Gebäude entsprechend zu verbessern. In unseren neuen Räumen sieht man ja, dass es geht.”

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Sommerferienlänge als Placebo-Diskussion

Auch eine grundsätzliche Debatte über die Verkürzung der Sommerferien überzeugt die beiden nicht. Stroppa ist seit 38 Jahren im Schuldienst. “Ich habe sämtliche Ferienverordnungen miterlebt.” Lehrpersonal und Schülerinnen und Schüler würden die neun Wochen brauchen. “Die Herausforderungen nehmen zu.” Sepp geht noch einen Schritt weiter: “Ich halte das für Placebo-Diskussionen, damit man nicht über andere Fragen diskutiert.” Aus seiner Sicht gebe es deutlich dringendere Baustellen im Schulsystem als die seit Jahrzehnten geführte Diskussion über die Ferienordnung.

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