Aussicht auf neue Lernräume gefeiert

Symbolischer Baubeginn und Blicke zurück beim “Schulh)ausfest” an der VS Götzis Markt.
Götzis “Dieses Haus ist alt und klapprig und es knarrt bei jedem Tritt, denn seit mehr als hundert Jahren gehen Kinder ihren Schritt”, beginnt das an der und für die Volksschule Götzis nach der Melodie “Das alte Haus von Rocky Docky” getextete Lied. “Diese Wände haben Ohren, ja, sie hören jedes Wort und jedes Lachen hier an diesem schönen Ort. Das alte Schulhaus Markt hat vieles schon erlebt”, hörten die Besucherinnen und Besucher des Festes, bei dem sich Kinder und Lehrer in die Zeit des Ausweichquartiers verabschiedeten und Offizielle den Spatenstich vornahmen.

Nach der Begrüßung und Würdigung der auf 34 Millionen veranschlagten Erweiterung und Neugestaltung der Schule durch Bgm. Manfred Böhmwalder und LR Martina Rüscher sorgte der Gemeindearchivar Thomas Kirisits für einen interessanten Rückblick auf die Geschichte von Götzner Volksschulen. “Schulerhaltung ist für die Gemeinde schon immer eine herausfordernde Aufgabe gewesen und allzeit ein Politikum.” Als es in den 1940er-Jahren um den Bau einer Hauptschule gegangen sei, kam jemand mit dem Rat, stattdessen einen Omnibus zu kaufen und die Schüler:innen zur Hauptschule Hohenems zu bringen. Platzsorgen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Götzner Schulgeschichte.

Schon die erste, seit 1782 im früheren “Freihof” untergebrachte Volksschule musste nach kürzester Zeit wegen ihrer Baufälligkeit erweitert und saniert werden. Finanziert wurde das durch den Verkauf von 50 Tannen aus dem Gemeindewald und 542 Gulden an Rücklagen. Im Jahr 1864 übersiedelte im Zuge der Ortszentrumsverlegung vom Unter- ins Oberdorf die Schule in das damals erst 20 Jahre alte Armenhaus. In dem waren aber auch die Gemeindekanzlei, der Arrest und zeitweise auch Soldaten untergebracht.

Anno 1884 urgierte die Schulbehörde nach drei Jahre lang festgestellten Missständen wie feuchte Wände, lärmende Gefangene und unmögliche Lichtverhältnisse einen Neubau durch “die reiche Gemeinde Götzis”. Bald nach Baubeginn im selben Jahr wurde ein interessanter Zwischenfall vermerkt: “Ein Knabe von zehn Jahren” war vom Dachboden bis in den Keller gestürzt und kam dabei so glimpflich davon, dass er schon am folgenden Tag wieder dabei helfen konnte, den Dachdeckern die Ziegel zu bringen. “Kinderarbeit wäre auch ein Sparmodell”, scherzte Kirisits.

In dem Moment, als er von dem zur Eröffnung zelebrierten Hochamt mit Pfarrer Rudigier, Kasinermusik, Liederhort Harmonie, Schützenverein, Jünglingskongregation sowie Lehrer:innen und Schüler:innen zur Eröffnung im November 1887 berichtete, erklang die Glocke der Pfarrkirche St. Ulrich. Zur Finanzierung des Baus verkaufte die Gemeinde 5000 Baumstämme und bekam von der Hoteliersfamilie Baur ihr Götzner Haus zur Versteigerung geschenkt.

Es dauerte nicht lange, da mussten erst die Lehrer-, dann die Schulwartwohnung in Räume für die Klassen mit jeweils 80 Kindern umgewandelt werden, schließlich auch der Turnsaal. Der Turnunterricht fand in der Jahrhalle statt. Darüber hinaus war die Auslagerung von Klassen ins “Josefsheim”, wo die Gemeindekanzlei auszog und das zuvor von der Gemeindemusik als Probelokal genutzte “Zeughaus” nötig.
Im Zuge der Erweiterung 1950 meinte GR Kopf, dass damit für 100 bis 120 Jahre genügend Platz geschaffen worden sei. Immerhin gab es drei neue Klassen und einen Turnsaal, nicht zuletzt aber Spülklosetts anstatt Plumpsklos. Wegen des bald darauf einsetzenden Babybooms mussten drei Klassen in die Hauptschule ausweichen, weitere in die Expositur Blattur und den Kindergarten Moos. AME











