Rankweil startet größten Sparkurs der Gemeindegeschichte

1,27 Millionen Euro Sparpotenzial, 44 Reformen und klare Entscheidungen bis Herbst 2026.
Rankweil Die Marktgemeinde Rankweil arbeitet mit Hochdruck an der Sanierung ihrer Gemeindefinanzen. Nach dem Budgetminus von 8,7 Millionen Euro und der Sperre von 70 Prozent des Haushalts wurde ein umfassender Konsolidierungsprozess gestartet, der in den kommenden Jahren die finanzielle Zukunft der Gemeinde prägen soll. In der achten öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung präsentierte die für Finanzen zuständige VP-Obfrau Simone Sturn den aktuellen Stand der Arbeiten. Das bisher erarbeitete Sparpotenzial beläuft sich auf 1.273.800 Euro. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass damit die finanzielle Schieflage noch lange nicht beseitigt ist. Trotz der bisherigen Einsparungen weist das Budget 2026 weiterhin ein Minus von rund 7,5 Millionen Euro auf. Die Haushaltskonsolidierung werde deshalb über mehrere Jahre fortgesetzt und laufend weiterentwickelt.

Grundlage des Reformprozesses ist eine umfassende Analyse des gesamten Gemeindehaushalts. Insgesamt wurden 176 Budgetansätze und 1095 Haushaltspositionen systematisch durchleuchtet. Sämtliche Bereiche der Gemeindeverwaltung wurden auf Einsparungsmöglichkeiten, Effizienzsteigerungen und zusätzliche Einnahmen untersucht. Die Budgetpositionen wurden in verschiedene Handlungsfelder gegliedert und nach einheitlichen Kriterien bewertet. Dadurch soll ersichtlich werden, wo kurzfristig gehandelt werden kann und welche Maßnahmen langfristig strukturelle Verbesserungen bringen.

Von den ursprünglich 38 Konsolidierungsmaßnahmen sind 33 Maßnahmen – das entspricht rund 87 Prozent – ausgearbeitet und kategorisiert. Parallel dazu wurde der Maßnahmenkatalog laufend erweitert und umfasst inzwischen bereits 44 Maßnahmen. Die Vorschläge werden in eigens eingerichteten Steuerungsgruppen bearbeitet.

Bis Herbst 2026 soll über sämtliche Maßnahmen Klarheit herrschen. Dann soll feststehen, welche Vorschläge rasch umgesetzt werden, welche mittelfristig folgen und welche aufgrund der finanziellen Situation vorerst zurückgestellt werden. Simone Sturn bezeichnete den gesamten Reformprozess als laufenden Entwicklungsprozess. Es handle sich ausdrücklich nicht um ein einmaliges Sparpaket, sondern um einen dauerhaften Veränderungsprozess.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Investitionen. Künftig soll jede größere Ausgabe noch kritischer hinterfragt werden. Als konkretes Beispiel nannte Sturn die geplante Sanierung der Küche im Haus Klosterreben. Dieses Projekt wird heuer nicht umgesetzt. Stattdessen wird geprüft, ob eine wirtschaftlich sinnvollere Lösung oder eine angepasste Neugestaltung möglich ist. Bei weiteren Bau- und Sanierungsprojekten soll künftig genau geprüft werden, ob eine sofortige Umsetzung notwendig ist oder ob zunächst Erhaltungs- und Ausbesserungsarbeiten ausreichen.
Laut Sturn entfallen bereits heute rund 7,74 Millionen Euro und damit mehr als die Hälfte der Ausgaben auf Pflichtaufgaben, die von der Gemeinde erfüllt werden müssen und kaum beeinflussbar sind. Umso wichtiger sei es, in den verbleibenden Bereichen verantwortungsvoll zu handeln.
Für Simone Sturn zeigt die Zwischenbilanz, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Das bereits erarbeitete Sparpotenzial von mehr als 1,27 Millionen Euro sei ein erster Erfolg. Gleichzeitig sei allen Beteiligten bewusst, dass die finanzielle Sanierung der Gemeinde nur gelingen könne, wenn Verwaltung und Politik den Weg konsequent gemeinsam weitergehen. “Gemeinsam kann man etwas verändern”, lautet deshalb die zentrale Botschaft des laufenden Konsolidierungsprozesses. VN-TK