Wechseljahre im Beruf als unterschätztes Fachkräftethema

Politik / 03.08.2026 • 13:18 Uhr
ABD0002_20250829 – DRESDEN – DEUTSCHLAND: ILLUSTRATION – 19.08.2011, Sachsen, Dresden: Starke Schmerzen kennzeichnen einen MigrŠne-Anfall. (zu dpa: ÇMigrŠne und Wechseljahre – das kann eine ungute Kombi seinÈ) Foto: Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++. – FOTO: APA/dpa-Zentralbild/Oliver Killig
Für viele Frauen verlaufen die Wechseljahre ohne größere Einschränkungen. Treten Beschwerden auf, können sie sich jedoch vorübergehend auf den Berufsalltag auswirken. APA/Oliver Killig

Vorarlberg ringt um Personal in Bildung, Pflege, Gesundheit und Verwaltung. Ein Thema bleibt bislang wenig beachtet: die Wechseljahre.

Bregenz Vorarlberg sucht händeringend Fachkräfte – besonders in Pflege, Gesundheit, Bildung und Verwaltung. Die Wechseljahre beginnen für viele Frauen ausgerechnet in einer Phase, in der sie über langjährige Berufserfahrung in diesen Bereichen verfügen. Obwohl rund eine Million Frauen in Österreich betroffen sind, bleibt das Thema in der Arbeitswelt vielfach ein Tabu. Mit einer Anfrage wollten die Neos deshalb wissen, wie das Land Frauen, die Beschwerden verspüren, in dieser Lebensphase unterstützt und welche Rolle das Thema bei Erwerbsfähigkeit und Fachkräftesicherung spielt.

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Die Antwort der Landesregierung zeigt: Das Thema wird als Teil der Frauengesundheit anerkannt, eine eigene Strategie zu Wechseljahren in der Arbeitswelt gibt es aber noch nicht. Auch belastbare Vorarlberger Daten dazu, welche Auswirkungen die Wechseljahre auf Krankenstände, Arbeitszeit oder Berufsausstiege haben, liegen derzeit nicht vor. Das Land greift auf allgemeine Gesundheitsberichte sowie Daten von Sozialversicherung, AMS und Statistik Austria zurück. Spezifische Auswertungen für Vorarlberg müssten eigens beauftragt und finanziert werden, informiert Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP). Eine Sonderauswertung zur Erwerbsunfähigkeit von Frauen und Männern zwischen 45 und 60 Jahren sei aber mittlerweile angefordert worden.

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Wenige Studien

Landesweit liegen bislang nur wenige Detailauswertungen zu diesem Thema vor. Wie relevant die Frage sein könnte, zeigt eine österreichweite Erhebung von Ende 2024: Für die Studie “MenoSupportAustria” wurden 1720 Arbeitnehmerinnen in den Wechseljahren befragt. Mehr als zwei Drittel gaben an, sich durch Beschwerden der Menopause am Arbeitsplatz beeinträchtigt zu fühlen. 23,1 Prozent waren deshalb bereits im Krankenstand, 20,8 Prozent reduzierten ihre Arbeitszeit, 12,5 Prozent wechselten den Arbeitsplatz und 8,3 Prozent gingen früher in Pension. Gleichzeitig spielte das Thema in der betriebsärztlichen Betreuung nur für 6,5 Prozent der Befragten eine Rolle.

Wechseljahre und Beruf : Umfrage unter 1720 Betroffenen

Mehr als 2 von 3 Frauen fühlen sich im Job beeinträchtigt.

23,1 % waren bereits im Krankenstand.

20,8 % reduzierten ihre Arbeitszeit.

15,2 % nahmen eine berufliche Auszeit.

12,5 % wechselten den Arbeitsplatz.

8,3 % gingen früher in Pension.

Nur 6,5 % berichten von Unterstützung durch die betriebsärztliche Betreuung.

Bund arbeitet an Strategie

Wie reagiert das Land auf diese Herausforderung? Die Landesregierung verweist auf bestehende Angebote zur Frauengesundheit. Seit mehr als 30 Jahren fördert das Land den Verein femail, in dem seit 2008 auch die Fachstelle Frauengesundheit angesiedelt ist. Vorarlberg arbeitet zudem im nationalen Aktionsplan Frauengesundheit mit und bringt sich in die neue Frauengesundheitsstrategie des Bundes ein, in der Wechseljahre künftig stärker berücksichtigt werden sollen.

Eine eigene Landesstrategie oder spezielle Programme für Frauen in den Wechseljahren gibt es nicht. Auch die Gesundheitsförderungsstrategie 2024 bis 2030 führt Frauengesundheit als Querschnittsthema, sieht aber keine verbindlichen wechseljahresspezifischen Maßnahmen für landesnahe Einrichtungen oder Betriebe vor. Als Arbeitgeberin bietet die Landesverwaltung Mitarbeiterinnen arbeitsmedizinische Sprechstunden, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und psychologische Beratung an.

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Feuerfrauen eingebunden

Positiv hebt die Landesregierung die Zusammenarbeit mit der Initiative Feuerfrauen Vorarlberg hervor. Die Selbsthilfeinitiative war zuletzt bei Vernetzungstreffen von femail vertreten und gestaltete Vorträge sowie Informationsveranstaltungen mit. Auch im AMS-Projekt “MIA” wurden gemeinsame Angebote umgesetzt.

Gerade weil Frauen in der Lebensmitte einen wichtigen Teil der Belegschaften ausmachen, geht es aus Sicht der Neos aber längst nicht nur um Gesundheit, sondern auch um die Frage, wie Erfahrung und Arbeitskraft erhalten werden können. In Zeiten des Fachkräftemangels sei diese Frage zu wichtig, um sie dem Zufall zu überlassen.

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