Ein Konzert voll Energie und Freude

Kultur / 05.08.2026 • 10:45 Uhr
Bildstein_Barockkonzert2026_2_©privat.jpg
In diesme Jahr stand der venezianische Komponist Tomaso Albinoni im Zentrum des Konzerts in Bildstein.privat

Das Barockensemble der Wiener Symphoniker in der Basilika Bildstein.

bildstein Alle Jahre wieder, und das seit 1989, kommt das Barockensemble der Wiener Symphoniker für ein Konzert nach Bildstein, und immer ist es ein Höhepunkt für die Mitwirkenden wie für das Publikum. Das stellte der künstlerische Leiter und Moderator Christian Birnbaum in seiner Begrüßung fest, bei der auch vier neue Sponsoren und eine neue Organisatorin bedankt wurden.

Bildstein_Barockkonzert2026_5_©privat.jpg

Im Mittelpunkt stand der venezianische Komponist Tomaso Albinoni, der heuer seinen 275. Todestag feiert. Von seinen Qualitäten konnte man sich gleich in einer schwungvollen, plastisch artikulierten Streichersinfonia überzeugen. Dann erfuhr das Publikum, was es mit seinem berühmtesten Werk, dem Adagio in g-moll für Streicher und Orgel, auf sich hat: Es ist eine Fälschung, die der Musikwissenschaftler Remo Giazotto komponiert hat. Dieses Stück spielte das Ensemble sehr schwelgerisch, ganz im spätromantischen Stil Giazottos. Wirklich ein Höhepunkt von Albinonis Kompositionskunst ist aber das Konzert Nr. 2 für Oboe, Streicher und Basso continuo in d-moll, vom Solooboisten der Symphoniker Paul Kaiser mit wunderschönem Klang und lebendiger Phrasierung geblasen. Besonders berührend war das Adagio, wo über Streicherarpeggien die Oboe nach einem anschwellenden langen Eingangston eine süß schwebende Melodie spielte, die wie ein Gebet vor der Gnadenmadonna wirkte, die im Hintergrund in ihrem goldenen Strahlenkranz thronte.        

Bildstein_Barockkonzert2026_4_©privat.jpg

Vom „Caro Sassone“, wie Händel in seiner Italienzeit genannt wurde, stammte das nächste Werk, sein bekanntes Concerto grosso op.6/Nr. 6 in g-moll. Hochdramatisch war der erste Satz „Largo affetuoso“, dann folgten unter anderen eine Musette, eine an Weihnachten erinnernde Dudelsackmelodie, die aber nicht die von Birnbaum versprochene Abkühlung brachte, es wurde einem vielmehr warm ums Herz. Im Concertino lösten sich der neue Cellist des Ensembles, Michael Vogt, und die beiden Geiger Alexander Burggasser und Helmut Lackinger immer wieder aus dem Gesamtensemble heraus. Alles war quicklebendig, farbig und voll Energie musiziert, mit brillanten Solopartien von Konzertmeister Burggasser, der mit einem Barockbogen spielte.

Rarität der Bläserliteratur

Wie beim Fußball wurde heuer erstmals wegen der Hitze eine Hydration break eingeschoben, dann erklang eine Rarität der Bläserliteratur, das virtuose Klarinettenkonzert Nr. 1 in A-Dur von Johann Melchior Molter. Klanglich ganz besonders wurde dieses Werk dadurch, dass der Klarinettist Manuel Gangl es mit Bravour auf einer D-Klarinette spielte, einem hohen Instrument der Klarinettenfamilie mit durchdringendem, manchmal geradezu scharfem Klang, das nicht leicht zu spielen ist.

Bildstein_Barockkonzert2026_3_©privat.jpg

Den krönenden Abschluss bildete Telemanns lautmalerische „Wassermusik“ mit dem Untertitel „Hamburger Ebb‘ und Flut“ von 1723. Nun war das Ensemble mit zwei Flöten, zwei Oboen, Streichern und Continuo groß besetzt. In der Ouvertüre bestachen die Bläser, in der Sarabande die Flöten, in der Bourrée knackige Streicher und Flöte und Fagott im Trio. Köstlich die „Harlequinade“ mit Cello und Bass über Streicherpizzicato im Mittelteil, mitreißend in seiner Treppendynamik „Der stürmende Äolus“. Im Menuett freute man sich über Piccoloflöten und den gefühlvoll gestrichenen Kontrabass. Christian Lebar im Continuo wechselte, wie bei allen Stücken des Abends, je nach Klangfarbe in den einzelnen Sätzen zwischen Cembalo und Orgel. Das Ganze war erquickend wie frisches Wasser, das Publikum klatschte stehend, als Zugabe erklang Händels „Einzug der Königin von Saba“.

Ulrike Längle