16 Quadratmeter für ein ganzes Tal: Harald Nesensohn eröffnet eine Microbäckerei

Nach der Schließung des Dorfladens blieb die Nachfrage nach seinen Backwaren bestehen. Nun setzt Harald Nesensohn auf ein Konzept, das sich bewusst von einer klassischen Bäckerei unterscheidet.
Laterns Laterns hat zwar keinen Dorfladen mehr, aber künftig eine Microbäckerei. Harald Nesensohn, Geschäftsführer des Regionalmarkts in Sulz, führte bis 2025 den Adeg in Laterns, bevor dieser schloss. Trotz Förderungen war der Dorfladen finanziell nicht mehr tragbar. Seitdem steht das Laternsertal ohne Nahversorger da. Doch die Nachfrage nach seinem selbst gemachten Strudel und Hefegebäck ist ungebrochen, sodass der gelernte Bäckermeister eine Microbäckerei in seinem Wohnhaus eingerichtet hat.

Vor 40 Jahren musste Nesensohn seinen Beruf als Bäcker aufgrund einer Mehlallergie aufgeben und wurde Lebensmittelkaufmann. Nebenbei backte er fleißig weiter, vor allem Apfel- und Topfenstrudel sowie Hefezöpfe, die er im Adeg-Markt anbot. Die Linzerschnitte backt er nach einem „uralten Rezept“ seiner Großmutter. Die Kunden fragten ihn, ob er nicht weiterhin backen könnte, denn im Laternsertal gibt es keinen Bäcker.

Damals konnte er im Adeg seine Backwaren produzieren. Da er das Geschäft jedoch nicht mehr gepachtet hat, fiel diese Möglichkeit weg. Eine neue Backstube musste also her. Deshalb kam ihm die Idee einer Microbäckerei. Er sei zufällig darauf gestoßen, als er im Internet recherchiert habe. Er baute seinen Keller zu einer kleinen Backstube um. Da er in einem Baumischgebiet in Laterns wohnt, musste er keine Umwidmung vornehmen. Das erleichterte die Behördengänge.
Aufwand blieb im Rahmen
„Der Aufwand und die Investitionen halten sich in einem normalen Rahmen“, sagt Nesensohn. Er musste zwar trotzdem Auflagen erfüllen, insbesondere von der Bau- und Lebensmittelaufsicht, aber das sei alles verhältnismäßig gewesen. So reiche beispielsweise ein kleiner Lüfter aus und er müsse keine große Lüftungsanlage installieren. Die rechtlichen Auflagen habe er bereits alle umgesetzt. „Das ist alles viel kleiner als in einer großen Bäckerei.“

Die Microbäckerei ist 16 Quadratmeter groß. Strudel wird es künftig in allen Variationen geben. Außerdem bietet Nesensohn unter anderem Hefezöpfe, Hefestollen, Gugelhupf, Linzerschnitte und selbst gemachte Marmelade an. Er achtet darauf, dass er überwiegend regionale Produkte verarbeitet. „Das ist das Um und Auf.“
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Nur mit Vorbestellung
Der Verkauf erfolgt online auf Vorbestellung. Darüber hinaus hat er bereits zwei Anfragen von Lebensmittelgeschäften, die er beliefern könnte. Der Arbeitsaufwand ist klar definiert, da er weiterhin seinen Hauptberuf als Geschäftsführer des Regionalmarkts ausüben wird. Daher hat er sich den Donnerstagnachmittag reserviert, um die Teige vorzubereiten, und den Freitagnachmittag zum Backen. Am Samstagvormittag können die vorbestellten Backwaren abgeholt werden.

„So kann ich mein Hobby umsetzen. Mein gelernter Beruf hat mich nie losgelassen“, sagt Harald Nesensohn. Die Mehlallergie werde ihn in diesem geringen Ausmaß, in dem er damit in Berührung komme, nicht beeinträchtigen. Brot und Brötchen wie in einer klassischen Bäckerei wird es vorerst aber nicht geben. „Ich habe ja noch andere Hobbys und Enkelkinder“, sagt der 61-Jährige schmunzelnd. Ausschließen will er das jedoch nicht.
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