Frauenpower und Barbecue-Soße

Die vielerwartete neue „Ted Lasso“-Staffel ist gestartet.
Schwarzach Der Abschied war hart, fühlte sich aber richtig an. Nach drei Staffeln hatte die Geschichte des optimistischen Fußballtrainers Ted Lasso ein rundes Ende gefunden. Rebecca hatte 49 Prozent des AFC Richmond an die Fans verkauft, Coach Beard die Liebe seines Lebens gefunden, Keeley träumte von einem Frauenteam, und Ted kehrte nach Kansas zurück, um bei seinem Sohn zu sein. Nun geht die Erfolgsserie dennoch weiter. Apple TV zeigt bis 7. Oktober jede Woche eine neue Folge. Kann die Fortsetzung den besonderen Zauber bewahren?
Drei Jahre später tauchen Rebecca, Keeley und Verwaltungschef Leslie Higgins in Kansas auf. Sie wollen Ted nach London holen, allerdings nicht als Trainer der Männer. Dort haben inzwischen Roy Kent und Coach Beard das Kommando. Ted soll das neue Frauenteam des AFC Richmond auf Erfolgskurs bringen, gemeinsam mit der wortkargen Trainerin Alice Chilton.
Diese Idee erweist sich nach den ersten vier Folgen als kluger Kunstgriff. Die Staffel wiederholt nicht einfach alte Erfolgsrezepte, sondern richtet den Blick auf einen Bereich des Fußballs, der weiterhin um Anerkennung, Geld und angemessene Bedingungen kämpft. Die Spielerinnen der Lady Greyhounds trainieren in einer schäbigen Kabine mit nur einer Dusche und einer Toilette. „Das ist Mist“, stellt Ted entsetzt fest. Alice antwortet trocken: „Willkommen in der zweiten Liga des Frauenfußballs.“
Trotz des neuen Schwerpunkts bleibt der Ton vertraut. Die Serie setzt auf pointierten Wortwitz, warmherzige Figuren und jene Mischung aus Albernheit und Menschenkenntnis, die „Ted Lasso“ ausgezeichnet hat. Ted verabscheut noch immer Tee, Rebecca entdeckt ihre Liebe zu amerikanischer Barbecue-Soße, Roy Kent trägt Glitzersocken und flucht mit bewährter Inbrunst. Auch die rosa Keksschachtel kehrt zurück, diesmal mit überraschendem Inhalt.
Ein Becher voller Ideen
Die Gegenfigur zu Ted ist Alice Chilton, gespielt von Tanya Reynolds. Alice spricht wenig und verzieht kaum eine Miene. Reynolds beschreibt es als großen Spaß, das genaue Gegenteil von Ted zu verkörpern. Beim Dreh habe sie sich beherrschen müssen, weil sie ständig lachen wollte. Ihre Figur, sagt sie, habe in ihrem Leben vermutlich nur viermal gelacht.
Jason Sudeikis zufolge begann die Fortsetzung mit „einem Becher voller Ideen“, einem sehr großen Becher mit gut einem Liter Fassungsvermögen. Das Motto lautet: „Spring bevor du schaust.“ Ted wagt sich in eine neue Welt, obwohl er an einen vertrauten Ort zurückkehrt.
Dass die Serie den Frauenfußball ins Zentrum rückt, schützt sie vor einem bloßen Aufguss. Skeptiker gibt es dennoch: Manche Fans nehmen das Frauenteam nicht ernst und würden es am liebsten abschaffen. Genau hier findet „Ted Lasso“ sein großes Thema: den Glauben daran, dass Menschen wachsen können, wenn ihnen jemand etwas zutraut.
Nach vier Folgen spricht wenig dafür, dass Staffel vier den alten Zauber zerstört. Vielmehr wirkt sie wie eine behutsame Erweiterung. Frauenpower, Glitzersocken, Barbecue-Soße und ein Trainer, der Freundlichkeit nicht für Schwäche hält: Das ist ja verdammt großartig.