“Academy” untersucht mangelnde Frauen-Präsenz

Kultur / 10.08.2026 • 13:15 Uhr
AUSTRIA-FRANCE-LITERATURE-JELINEK
Nur 2,3 Prozent der aufgeführten Werke stammen von Frauen. Eine Tagung fragt nun nach den Gründen. Joe Klamar / AFP

Das Elfriede Jelinek-Forschungszentrum nimmt Kanon, Macht und Programmpolitik in den Blick.

Salzburg Im August 2026 wird bei den Salzburger Festspielen, in Koproduktion mit dem Wiener Burgtheater, Elfriede Jelineks neues Stück «Unter Tieren» in der Regie von Nicolas Stemann uraufgeführt. Darin wird die Geschichte der Menschheit aus der Perspektive von Tieren erzählt. Rund um die Produktion setzt auch das Elfriede Jelinek-Forschungszentrum einen Schwerpunkt. Bei einer «Festspiel Academy» am 15. und 16. August geht es unter dem Titel “Frauen*.Festspiel.Präsenz. Autorinnen und Komponistinnen” um den auffallend geringen Anteil von Frauen in den bisherigen Festspielprogrammen.

Nach Angaben des Interuniversitären Forschungsnetzwerks Elfriede Jelinek stammen lediglich 2,3 Prozent der von 1920 bis 2026 bei den Salzburger Festspielen aufgeführten Werke von Frauen. Den Ursachen für dieses Missverhältnis widmet sich die interdisziplinäre Veranstaltung des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums, der Universität Salzburg und der Universität Mozarteum Salzburg. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Kanonbildung, der Programmpolitik, der Machtstrukturen und der kulturpolitischen Rahmenbedingungen.

In den Gesprächsrunden am Samstag geht es zunächst unter anderem mit dem Komponisten Johannes Maria Staud und der Regisseurin Amélie Niermeyer um Grundsätzliches und Historisches. Am Nachmittag steht «Elfriede Jelinek und die Salzburger Festspiele» im Zentrum. Brigitte Landes und Jossi Wieler melden sich per Video zu Wort, Christa Gürtler, Margarete Lamb-Faffelberger und die langjährige Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler erinnern an Konflikte, Kontroversen und Skandale.

Am Sonntag richtet sich der Blick auf die Zukunft. Festwochen-Intendant Milo Rau, per Video zugeschaltet, Galerist Thaddaeus Ropac und Christian Kircher, ehemaliger Geschäftsführer der Bundestheater-Holding und Mitglied der Findungskommission für die künftige Festspielspitze, diskutieren Perspektiven, Ideen und mögliche Veränderungen für das Festival. Am Nachmittag folgt in Hallein ein «Prolog» zur Uraufführung. Regisseur Nicolas Stemann spricht über seine Annäherung an Jelinek, anschließend diskutieren Margarete Affenzeller, Alexandra Althoff und Julya Rabinowich über «Festspielprogrammatik und Frauen*Präsenz». Moderiert wird die Veranstaltung von Forschungsnetzwerk-Leiterin Pia Janke.