Mehr Schwung für Österreichs Wirtschaft

Die Nationalbank erwartet in ihrer jüngsten Prognose auch einen Rückgang der Teuerung.
Wien Es ist ein leichter Aufwind zu spüren. “Wir sehen seit langer Zeit wieder mehr Fahrt im Industriebereich”, sagte OeNB-Gouverneur Martin Kocher bei der Präsentation der Wirtschaftsprognose der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Zwar hat die Wirtschaft im zweiten Quartal unter den hohen Ölpreisen infolge des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten sowie unter der Dürre im Sommer gelitten. Für heuer erwartet die OeNB deshalb nur ein Wachstum von 0,5 Prozent. Für das kommende Jahr zeigt sich Kocher hingegen optimistischer.
Damit liegt die OeNB derzeit unter den Prognosen von Wifo und IHS, die im Juni für heuer 0,9 bzw. 0,8 Prozent Wachstum erwartet hatten. Im zweiten Halbjahr dürfte die Wirtschaft aber wieder an Dynamik gewinnen. Positive Impulse werden vom stärkeren Welthandel erwartet, von dem insbesondere die heimische Exportwirtschaft profitieren könnte. Auch die Auftragslage in der Industrie habe sich zuletzt deutlich verbessert.
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Vorsichtiger Optimismus
“Es überwiegen die positiven Nachrichten”, sagte Kocher. Die positive Dynamik sei bereits seit Jahresbeginn spürbar. Das stärkere Wachstum im zweiten Halbjahr sollte auch Schwung für das kommende Jahr bringen. Für 2027 erwartet die OeNB ein BIP-Plus von 1,3 Prozent, für 2028 von 1,2 Prozent. Die Unsicherheit bleibt allerdings hoch. “Es hängt davon ab, wie sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten entwickelt und wie sich geopolitische Entwicklungen darstellen”, sagte der OeNB-Gouverneur.
Bei der Inflation gibt es Grund zum Optimismus. Für Österreich erwartet die OeNB heuer eine Teuerungsrate von 3,0 Prozent, 2027 sollen es 2,3 und 2028 noch 2,2 Prozent sein. Damit liegt Österreich laut Kocher inzwischen im Euroraum-Durchschnitt. Das sei positiv, nachdem die heimische Inflation in der Vergangenheit häufig deutlich über dem Eurozonen-Schnitt gelegen war.
Vor allem bei Gütern und Nahrungsmitteln fiel die Teuerung im Sommer geringer aus als erwartet. Auch die Anfang Juli eingeführte Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Lebensmittel habe sich positiv ausgewirkt und sei nahezu vollständig an die Kunden weitergegeben worden. Die Folgen von Hitze und Dürre blieben bisher überschaubar. In einem jüngsten Policy Brief der OeNB wurde ein wetterbedingter Aufwärtsbeitrag von insgesamt rund 0,1 Prozentpunkten zur Gesamtinflation für 2026 errechnet.
Risiken bleiben
Hohe Energiepreise bleiben dagegen ein Risiko. Die OeNB erwartet für heuer eine Energieinflation von 6,5 Prozent. Ab dem zweiten Quartal 2027 sollte der Basiseffekt des durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks auslaufen und den Preisauftrieb dämpfen. Die Energieinflation könnte dadurch auf 1,0 Prozent sinken.
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Wie groß die Unsicherheit ist, zeigen alternative Szenarien der OeNB. Bei deutlich höheren Öl-, Gas- und Nahrungsmittelpreisen käme Österreich einer Stagflation nahe. Das Wachstum würde 2027 dann nur 0,3 Prozent betragen, während die Inflation auf 5,6 Prozent steigen könnte. In einem günstigeren Szenario mit sinkenden Rohstoffpreisen wären dagegen 1,4 Prozent Wachstum und eine Inflation von 1,7 Prozent möglich.
Ähnlicher Trend im Euroraum
Auch im Euroraum bleibt die Inflation vorerst erhöht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, die Teuerung werde zunächst noch steigen, bevor sie wieder sinke. Die Europäische Zentralbank erwartet für 2026 eine Inflation von 3,0 Prozent, 2027 von 2,5 und 2028 von 2,1 Prozent. Damit bleibt sie vorerst über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Der Einlagenzins wurde zuletzt auf 2,5 Prozent angehoben.