“Fantasy-Hockey können wir uns nicht leisten”

Das finnische Trainerduo Marko Ojanen und Tony Virta zum Pioneers-Kader, der ICE-Liga und dem Saisonziel.
Feldkirch Neues Trainerduo, jüngster Kader der Liga und kleinstes Budget: Die Ausgangslage der Pioneers Vorarlberg könnte einfacher sein. Trotzdem peilt das neue Trainerduo Marko Ojanen und Tony Virta die Pre-Playoffs an. Im VN-Interview sprechen die beiden Finnen über ihre Spielidee, die dünne Personaldecke und warum “Fantasy-Hockey” keine Option ist.

Herr Ojanen, Sie unterschrieben als Co-Trainer und rückten kurzfristig zum Headcoach auf. Verändert diese Rolle Ihre tägliche Arbeit mit den Spielern?
Ojanen Meine Art des Coachings bleibt völlig gleich. Auf dem Eis behandle ich die Spieler so wie zuvor. Natürlich führe ich deutlich mehr Einzelgespräche, leite die Meetings und trage die Gesamtverantwortung.
Herr Virta, Sie spielten und trainierten unter anderem in Schweden, der Schweiz und Russland. Welche Stärken bringt diese internationale Laufbahn nach Feldkirch?
Virta Ich bringe vor allem Ruhe mit. Marko und ich sind über 50 Jahre alt und kennen das Eishockeygeschäft in- und auswendig. Uns überrascht so schnell nichts. Wir wissen, wie wir Spielern in schwierigen Phasen den Druck nehmen und sie auf den richtigen Weg führen.

Gab es vor dem Feldkirch-Engagement schon eine Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?
Virta Wir kannten uns als Kontrahenten auf dem Eis und standen uns in der finnischen Liga auch hinter der Bande gegenüber. Hier arbeiten wir erstmals zusammen und ergänzen uns hervorragend.
Die Pioneers haben den jüngsten Kader der Liga. Wie verhindern Sie gegen Topteams den Absturz?
Ojanen Die jeweiligen Linien müssen als kompakte Einheit auftreten. Nur wenn sich die Mannschaft strikt an die taktischen Vorgaben hält, erarbeiten wir uns eine Siegchance.
Virta Wir dürfen uns auf keinen Fall zu sogenanntem “Fantasy-Hockey” verleiten lassen – also einem wilden Hin und Her ohne defensive Absicherung. Gegen erfahrene Teams verlierst du diesen offenen Schlagabtausch. Wir müssen das Tempo kontrollieren, Scheibenverluste minimieren und kurze Passwege wählen.

Das klappte in der Vorbereitung mal besser, mal schlechter. Wie lange dauert es, bis die Mannschaft Ihr System verinnerlicht hat?
Ojanen Wir starten am Freitag mit einer soliden Basis in die Meisterschaft, müssen unser Spiel aber von Woche zu Woche steigern. Wie schnell uns dieser Entwicklungssprung gelingt, lässt sich jetzt unmöglich vorhersagen.
Virta Entwicklung lässt sich nicht in einen starren Kalender pressen. Manche Spieler begreifen die Vorgaben schneller, andere benötigen etwas mehr Zeit. Wir analysieren täglich Videoszenen, zeigen den Jungs die richtigen Laufwege und drillen die Abläufe auf dem Eis. Das verlangt konsequente Arbeit und Geduld.

Der Kader umfasst nur 20 Feldspieler und zwei Goalies. Ist das ein Problem?
Ojanen Uns erwarten 17 Partien inklusive Busreisen in den ersten sieben Wochen. Wir müssen zwingend vier komplette Linien einsetzen, sonst brennen unsere Spieler schon vor dem November aus. Die Situation ist, wie sie ist – unser Job verlangt, das Beste daraus zu machen.
Virta Diese fehlende Tiefe bringt einen weiteren Wermutstropfen. Es fehlt der Konkurrenzkampf einer fünften Sturmreihe. Jeder gesunde Spieler weiß, dass er am Spieltag aufläuft.
Was passiert, wenn sich eine der Stammkräfte verletzt?
Ojanen Sollten schwerwiegende Verletzungen auftreten, reagieren wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auf dem Transfermarkt.

Den Pioneers fehlt derzeit ein Torwarttrainer. Wie fangen Sie diesen Umstand auf?
Ojanen Wir hoffen auf eine zeitnahe Lösung. Alex Caffi bringt immense Routine mit, benötigt im Trainingsalltag aber genauso spezifisches Goalie-Training wie Leon Sommer. Bei diesem dichten Spielplan teilen wir die Einsätze auf: Caffi kann keine 40 Partien alleine bestreiten, Sommer erhält seine Eiszeit.
Was ist ein realistisches Saisonziel?
Virta Niemand in der Kabine träumt vom Meistertitel, aber wir wollen uns Schritt für Schritt in die Pre-Play-offs vorkämpfen. ABR