Zwischen Bild und Bewahrung

Positionen von Monika Grabuschnigg und Hubert Schmalix in der Galerie Brugger in Klaus.
Klaus Zwei Ausstellungen, zwei Blicke auf Vergänglichkeit: In der Galerie Brugger in Klaus begegnen sich bis zum 21. November Hubert Schmalix’ Malerei und Monika Grabuschniggs Arbeiten. „An Old Story“ ist in der Galerie zu sehen, „Cellophane“ im studio.

Hubert Schmalix zeigt eine Auswahl späterer Arbeiten. Figurative Bilder treffen auf Landschaften und Stillleben. Die Figuren stehen in reduzierten Bildräumen; große Farbflächen halten markante Konturen zusammen. Die Malerei wirkt zugänglich und bleibt mehrdeutig. Ihre Bildsprache nimmt Anleihen bei Comics und historischer Malerei, ohne die Figuren einer eindeutigen Erzählung zu unterwerfen. Gesten lassen Situationen erahnen, legen sie aber nicht fest.
Auch die Identität der Figuren bleibt offen.

Ein älterer Mann mit weißem Bart erinnert an Schmalix selbst, oszilliert aber zwischen Selbstbild und kulturellem Typus. Der monumentale langhaarige junge Mann im titelgebenden Bild trägt den abgetrennten Kopf seines älteren Selbst. Jugend und Alter, früheres und späteres Ich, stehen einander gegenüber. Darin liegt eine vorweggenommene Trauer: das Wissen um das Altern und die Entfernung zum früheren Leben. Landschaften und Blumenbilder arbeiten mit flächigen Ebenen und klar begrenzten Farben.

Sie zeigen keine bestimmbaren Orte, sondern greifen Konventionen der Naturdarstellung auf. Landschaft wird bei Schmalix weniger zum Abbild eines Schauplatzes als zu einer Form, in der Empfindung sichtbar wird. Seine Malerei bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion. Die Erzählung tritt zurück, Farbe und Oberfläche rücken vor. Motive schweben zwischen persönlicher Erfahrung und kollektivem Bildgedächtnis.

Monika Grabuschniggs „Cellophane“ setzt bei einem alltäglichen Anblick an: Weiße Tulpen in Plastikfolie stehen für Schutz und Bewahrung, zugleich für Vergänglichkeit. Solche Blumen werden auch an Friedhöfen neben Grabkerzen verkauft. Die Folie wird zum Bild des Wunsches, den Spuren der Zeit zu entkommen, obwohl ihr Fortschreiten nicht aufzuhalten ist.

Grabuschnigg versammelt Gegenstände, in denen Fürsorge und Kontrolle, Konservieren und Verdrängen ineinandergreifen: Minibars, Kühlschränke und Taschentuchboxen. Keramikreliefs nach Minibartüren und Kühlschränken tragen Fotografien aus ihrem persönlichen Archiv. Auf den Oberflächen bleiben Zeichen menschlicher Anwesenheit: getrocknete Rosen, eine Kette mit „Love“-Schriftzug, Tulpen in Folie. In „Single Fridge (Stockpile)“ verschwimmen Trost und Kommerz zwischen aufgereihten Gedenkkerzen.

Mit Platinlüster glasierte Taschentuchboxen werden zum Sinnbild für Linderung und kleine Gesten der Empathie. „Cold Storage (Reserve)“ zeigt eine Prepper-Box mit Jodtabletten, Lippenpflegestift, Mundspülung und abgepacktem Nutella. Die Vorräte wirken wie Vorsorge für den Weltuntergang im Miniaturformat. Vor dem Hintergrund vielfacher Krisen erscheint diese Mischung aus Alltagshedonismus und Notfallplanung zugleich absurd und nachvollziehbar.

Grabuschnigg legt eine kollektive Melancholie frei: die Trauer um eine Zukunft, die versprochen wurde und deren Ankunft ausbleibt.