Der erste Schritt in Richtung Los Angeles

Bei der Judo-WM geht es für Lubjana Piovesana um Medaillen und Punkte für das Olympiaticket 2028.
Baku Die Beste macht den Auftakt: Lubjana “Lulu” Piovesana ist am Mittwoch als erste ÖJV-Athletin bei der Judo-WM in Baku gefordert. Für die 29-jährige Wahl-Lochauerin geht es bei den Titelkämpfen nicht nur um eine Medaille, sondern zugleich um wichtige Punkte für den langen Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.

634 Judoka aus 96 Nationen stehen auf der WM-Startliste. Piovesana führt das sechsköpfige ÖJV-Aufgebot an und liegt in der Klasse bis 63 Kilogramm mit 2796 Punkten auf Rang zwölf der Weltrangliste. Für die Austro-Britin ist es seit ihrer Einbürgerung im Oktober 2022 die vierte Weltmeisterschaft.
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Um Medaillen kämpfen
Die bisherige WM-Bilanz ist dabei zweigeteilt. 2023 in Doha erreichte Piovesana Rang fünf, in den Jahren 2024 und 2025 blieb sie ohne Platzierung. Zu ihren größten Erfolgen zählen neben dem fünften Platz bei den Spielen 2024 in Paris zwei Grand-Slam-Siege 2024 in Duschanbe und Baku.
Auch in diesem Jahr sammelte Piovesana bereits Spitzenresultate. Bei den Grand Slams in Duschanbe und Ulaanbaatar wurde sie jeweils Dritte, in Budapest belegte sie Rang fünf. Ihre internationale Kampfbilanz 2026 steht derzeit bei elf Siegen und acht Niederlagen. Nun folgt mit der WM in Baku der nächste große Prüfstein.

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Judo-Austria-Headcoach Yvonne Snir-Bönisch sieht ihr Team nach einem zuletzt schwierigen Abschnitt gefordert. Seit ihrem Amtsantritt 2021 sammelte Österreich je drei Olympia- und WM-Medaillen sowie zwei EM-Medaillen und insgesamt 40 Podiumsplätze auf der IJF-World-Tour. Die letzte WM-Medaille liegt allerdings bereits 1242 Tage zurück: Michaela Polleres holte 2023 in Doha Bronze.
“Unser WM-Anspruch ist der Gewinn zumindest einer Medaille, umso mehr, weil wir bei den letzten zwei Mal leer ausgegangen sind. Diese Schieflage – entstanden durch einen Generationenwechsel – wollen wir möglichst schnell in die Erfolgsspur zurück”, sagt Snir-Bönisch.
Auftakt in der Olympia-Qualifikation
Für Piovesana und Co. beginnt mit der WM zugleich die heiße Phase Richtung Los Angeles. Die Olympia-Qualifikation läuft bis Juni 2028 und damit über gut zweieinhalb Jahre. In jeder Gewichtsklasse werden 17 direkte Olympia-Tickets vergeben.
Der lange Qualifikationsmodus verlangt den Athleten viel ab. Wer nicht zu den absoluten Spitzenleuten im Ranking gehört, muss möglichst viele Turniere der World Tour bestreiten und zusätzlich an EM und WM teilnehmen. Besonders brisant ist die Wertung der WM 2028: Dort gibt es 100 Prozent der Punkte und damit doppelt so viele wie bei den beiden vorherigen Weltmeisterschaften.
Die ÖJV-Cheftrainerin kritisiert deshalb vor allem die Terminplanung des Internationalen Judoverbandes. Für eine optimale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele wäre es aus ihrer Sicht sinnvoll, die WM im Olympiajahr auslassen zu können. Gleichzeitig könnte gerade dieser Verzicht im Ranking erhebliche Nachteile bringen.
26.000 Euro und 2000 Punkte
Neben den Punkten geht es in Baku auch um eine stattliche finanzielle Prämie. Insgesamt werden 800.000 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Gold bringt 26.000 Euro, davon gehen 20.800 Euro an den Athleten und 5200 Euro an den Coach. Für Silber gibt es 15.000 Euro (12.000 bzw. 3000), Bronze ist mit 8000 Euro (6400 bzw. 1600) dotiert.
Auch für die Weltrangliste sind die Medaillen entsprechend wertvoll. Der WM-Titel wird mit 2000 Punkten belohnt, für Rang zwei gibt es 1400 Zähler, für Bronze 1000. Für Piovesana bietet Baku damit gleich mehrere Anreize: Nach den Platzierungen der vergangenen beiden IJF-Titelkämpfe soll wieder ein Topresultat her – und möglichst eine Ausgangsposition, die auch für den langen Weg nach Los Angeles von Bedeutung ist.