Zwei Vorarlberger bei der U21: „Das ist schon cool“

Sport / 01.10.2026 • 12:06 Uhr
Yanik Spalt Christopher Olivier U21
Christopher Olivier und Yanik Spalt wollen mit dem U21-Team zur EM im Sommer. Dafür soll gegen Dänemark ein Sieg her. BEER

Christopher Olivier und Yanik Spalt wollen zur U21-EM. Die Ländle-Talente im Doppelinterview.

Frauenkirchen Bei der St. Martins Therme ist am Dienstagmittag wenig los. In der Ferne stehen die Windräder, vor dem Eingang der Mannschaftsbus. Hier, östlich vom Neusiedler See, ist das U21-Nationalteam untergebracht, ehe es nach Wien geht. Um weiter von der EM im Sommer zu träumen, wird es morgen gegen Dänemark (18 Uhr) einen Sieg brauchen – aktuell ist Österreich nur Gruppendritter. Mit dem Auer Christopher Olivier (20/Bröndby IF) und Yanik Spalt aus Nüziders (19/VfB Stuttgart) sind zwei Vorarlberger im Kader. Die VN haben sie in der Lobby des Hotels getroffen, zwischen Mitspielern im Trainingsanzug und Thermengästen in Bademänteln.

Viele Teamspieler kommen aus dem Osten oder waren früher in der Red-Bull-Akademie. Wie exotisch ist man da als Vorarlberger?

Christopher Olivier: In der U21 sind wir drei Spieler aus dem Westen, die nicht in Salzburg waren. Ich habe in der Jugend schon ein bisschen das Gefühl gehabt, dass wir Vorarlberger eher weniger gesehen wurden. Aber jetzt ist es nur mehr leistungsbezogen.
Yanik Spalt: Es ist wahrscheinlich nicht oft vorgekommen, dass bei der U21 zwei Vorarlberger sind. Dass es jetzt so ist, ist cool. Wenn wir anfangen, in unserem Dialekt zu reden, fragen die anderen aber schon: „Was ist los mit euch?“

Christopher hat bereits zwei U21-Spiele gemacht, Yanik ist das erste Mal im Kader. Hakt man sowas zufrieden ab?

Spalt: Dabei zu sein, ist cool. Aber abhaken kann man das erst, wenn man sein Debüt gemacht hat.
Olivier: Es ist einfach eine Bestätigung. Ich habe gerade erst gewechselt, da ist vieles anders. Am U-21-Nationalteam kann man sich festhalten, es ist schön, wieder dabei zu sein.

Sie sind zu Bröndby IF gewechselt. Hatten Sie das Gefühl, dass bei Ihrem bisherigen Klub in Stuttgart das Fenster aktuell nicht aufgeht?

Olivier: Das Fenster war nicht unbedingt offen. Ich war schon vier Jahre beim Verein, und wollte etwas Neues machen. Dass der Wechsel so lange gedauert hat, war ein bisschen blöd, in Dänemark hat die Saison schon angefangen und ich bin etwas zu spät hingekommen. Aber ich bin positiver Dinge, dass es jetzt schnell nach oben geht.

Yanik Spalt Christopher Olivier U21
Christopher Olivier (20) wechselte im Sommer vom VfB Stuttgart zu Bröndby IF. BEER

Wie schwer ist Ihnen die Eingewöhnung gefallen?

Olivier: Die größte Umstellung ist die Sprache. Eigentlich ist es Englisch, es sind aber viele im Team, die Dänisch reden. Und abgesehen von Patrick Pentz waren keine Gesichter da, die ich gekannt habe. Aber man wächst hinein.

Haben Sie schon ein paar Floskeln Dänisch griffbereit?

Olivier: Sehr schwierig.

Und wie schwierig war die wenige Spielzeit bisher? Bisher hatten Sie erst drei Einsätze.

Olivier: Als ich in den ersten Spielen gar nicht zum Einsatz gekommen bin, habe ich es nicht verstanden. Aber manchmal musst du im Fußball geduldig sein – auch wenn ich es nicht bin. Ich muss mir die Zeit geben, dem Trainer vertrauen. Dann werde ich auf Spielzeit kommen. Sonst hätten sie mich ja nicht geholt.

Noch dazu mit einem Vertrag bis 2030.

Olivier: Genau. Deswegen, denke ich, habe ich alle Zeit der Welt. Ich will mich auf meiner Position durchsetzen.

Im Sommer ist Ihr Name bei vielen Klubs kursiert, da waren Namen aus Deutschland dabei – aber auch Rapid und Sturm. Wieso ist es Bröndby geworden?

Olivier: Mein großes Ziel ist die Premier League, dafür habe ich den Schritt nach Bröndby als am sinnvollsten gesehen. Von Bröndby kommst du überall hin – und wenn es nicht die Premier League ist, dann eine andere Top-Fünf-Liga. Wenn du in Deutschland in der 2. Bundesliga spielst, bist du eher auf die Bundesliga limitiert und aus Österreich ist es auch nicht leicht, in eine Topliga zu kommen.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt, Sie kriegen fast wöchentlich Besuch von daheim. Das ist jetzt wahrscheinlich anders.

Olivier: Jetzt ist es auf jeden Fall schwieriger. Wir versuchen trotzdem, dass es jemand schafft, oder ich lenke mich mit den Kollegen ab. Mir ist die Beziehung zu meinen Bezugspersonen wichtig und ich versuche, eine gute Balance zu finden, damit auch jeder immer wieder mal vorbeikommen kann. 

Aber im Endeffekt werden Sie jetzt selbstständiger sein.

Olivier: Auf jeden Fall. Jetzt bin ich auf mich gestellt. Aber ich meistere das gut.

Yanik, Sie schweben in Stuttgart zwischen erster und zweiter Mannschaft. Wie ist das für Sie?

Spalt: Ich trainiere jetzt immer mit den Profis. Je nachdem, wie die Chancen auf einen Einsatz sind, bin ich am Wochenende bei der ersten oder der zweiten Mannschaft. Es ist nicht immer einfach, bei einer anderen Mannschaft voll zu performen. Aber bis jetzt habe ich das relativ gut hinbekommen. Mein Ziel ist es, mich für weitere Einsätze bei den Profis zu empfehlen.

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Yanik Spalt (19) trainiert in dieser Saison fix mit den VfB-Profis und kam bereits zu zwei Bundesliga-Saisoneinsätzen. BEER

Im Jänner haben Sie Ihr Debüt für die Kampfmannschaft gegeben, im Olympiastadion von Rom, vor 65.000 Zuschauern.

Spalt: Ich habe ehrlicherweise nicht damit gerechnet, dass ich in dem Spiel gegen die AS Roma reinkomme. Ich habe erst im Nachhinein realisiert, wie cool das eigentlich war.

Kramt man so ein Erlebnis innerlich hervor, wenn es mal ein bisschen zäh ist?

Spalt: Auf jeden Fall.

Wie steckt ihr den Hype weg? Ihr geltet als mitunter größte Talente Vorarlbergs.

Olivier: Natürlich kriegt man Dinge mit. Aber abseits des Trainings und meinen Verpflichtungen habe ich gar nicht so viel mit Fußball zu tun. Ich muss mir daheim nicht jedes Spiel anschauen, das gerade läuft. Ich habe da eine gute Work-Life-Balance.
Spalt: Manchmal schickt dir auch jemand was, manche Dinge zu lesen, ist schön. Genauso kann es aber sein, dass die Berichte, wenn es mal nicht so läuft, in negativer Form kommen. Es ist wichtig, sich emotional nicht mitreißen zu lassen – im Positiven und im Negativen.

Welche Rolle spielt da das Umfeld?

Spalt: Ich würde behaupten, dass ich sehr bodenständig bin, weil das einfach in meiner Familie so ist. Wenn mein Papa mitkriegen würde, dass ich einen Höhenflug mache, dann würde er mich schon wieder auf den Boden holen.

Christopher, Sie haben schon auf vielen Positionen gespielt. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Olivier: Ich habe eigentlich jede Position gespielt. Früher habe ich als Stürmer und am Flügel Tore gemacht, zu Stuttgart bin ich als Sechser geholt worden, Sebastian Hoeneß hat mich eher auf der rechten Seite gesehen und so kam ich auf die Rechtsverteidigerposition. Ich bin der Meinung, dass ich mehrere Positionen spielen kann. Aktuell fühle ich mich mit meinen Aufgaben auf der rechten Seite im Nationalteam und im Verein wohl und möchte mich mit viel Spielzeit weiterentwickeln.

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Ich würde sagen, ihr seid vergleichbar – nur bei Yanik mit der Tendenz auf die linke Seite.

Spalt: Ich habe ganz früher bei Nüziders am Flügel gespielt (Olivier lacht laut), in der Akademie bin ich Sechser gewesen, bei Stuttgart gab es in der U19 die Idee, mich als Linksverteidiger spielen zu lassen. Im zweiten Jahr war es eine Mischung und jetzt bin ich eigentlich nur mehr im Zentrum. Ich glaube, das passt auch eher zu meinen Stärken.

Ihr seid schon lange in den U-Nationalteams. Wie verändert sich so ein Gefüge, wenn plötzlich nicht mehr alle in der Akademie spielen – sondern teilweise im Europacup und in den Topligen?

Olivier: Das Mannschaftsgefüge war immer schon gut. Der Stamm der Jahrgänge ist ähnlich geblieben, einzelne kommen dazu oder fallen weg – und die nimmt man gut auf. Deswegen fällt das auch gar nicht so auf, wer wo spielt. Wenn man herkommt, ist es eine Mannschaft. Das schätze ich am österreichischen Nationalteam auch so.
Spalt: Ich bin ja zum ersten Mal bei der U21, für mich sind es schon ein paar neue Gesichter. Aber alle sind richtig bodenständig. Die Mannschaft ist einfach gut.

Verfolgt man, was die Teamkollegen in ihren Klubs machen?

Spalt: Man kriegt es mit, schaut immer wieder mal: Hat der ein Tor gemacht? Hat der gespielt?

Wie schnell es gehen kann, zeigen die Beispiele Christian Zawieschitzky und Vasilije Markovic, die gerade beim A-Team debütiert haben.

Spalt: Auf jeden Fall, man freut sich für sie. Es ist gut, dass jungen Spielern die Chance gegeben wird. Aber man hat natürlich den Anspruch, das selbst auch zu schaffen.

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Es geht gegen Dänemark. Haben Sie als Legionär schon Insights liefern können, Christopher?

Olivier: Ein Mitspieler aus Bröndby spielt bei ihnen. Wir schreiben schon, aber Infos kriege ich keine – und das macht man auch nicht.

Mit welchem Ziel geht ihr in die Spiele? Am Dienstag wartet auch noch Wales.

Olivier: Das wichtigere Spiel ist erst mal Dänemark. Gegen die müssen wir fast gewinnen. Aber wir haben super Voraussetzungen, sind eingespielt, haben Qualität. Das Ziel ist, gegen Dänemark die drei Punkte zu holen und gegen Wales dann genauso.

Im Sommer ist die U21-EM in Serbien und Albanien. Yanik war mit der U17 vor zwei Jahren schon bei einer EM. Wie schön wäre es, das wieder zu schaffen?

Spalt: Bei der U17-EM war es schon richtig geil. Du bist ein bisschen länger zusammen als sonst, durch die Turnierform ist das ganz anders. Und bei der U21-EM ist die Aufmerksamkeit, die man bekommt, nochmal größer. Das schadet auch nicht.

Christopher, ein großes Turnier fehlt Ihnen noch.

Olivier: Ja. Als wir mit der U19 in der Eliterunde gespielt haben, habe ich mir den Knöchel gebrochen und war im entscheidenden Spiel um das EM-Ticket nicht dabei. Wir hätten gegen Dänemark Unentschieden spielen müssen, haben in Überzahl aber eine 1:0-Führung aus der Hand gegeben und 1:2 verloren.

Da gibt es also noch eine offene Rechnung.

Olivier: Genau.