Veränderung und die Poesie des Scheiterns

Kultur / 06.10.2026 • 10:44 Uhr
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Das Festival beginnt mit einer Produktion des argentischen Tänzers und Choreografs Marcos Arriola.Matias Alfonzo

Das tanz ist festival zeigt von 10. bis 17. Oktober im Spielboden zwei österreichische Erstaufführungen.

Dornbirn Die Herbst-Edition des tanz ist Festivals steht heuer unter dem Motto „Veränderung und die Poesie des Scheiterns“. Von 10. bis 17. Oktober zeigt das Festival im Spielboden Dornbirn zwei Tanzproduktionen, die erstmals in Österreich zu sehen sind, dazu einen Film, der das Thema Verwandlung ins Politische wendet. Auf den ersten Blick haben die beiden Tanzabende wenig gemeinsam: Der eine handelt von Queerness und dem Anderssein in Bezug auf Geschlecht und Sexualität, der andere vom Stolpern, Verfehlen und Misslingen. Doch beide richten den Blick auf das, was gesellschaftliche Normen gerne an den Rand drängen, und wollen es sichtbar machen, statt es zu verdrängen.

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Das Berliner Kollektiv laborgras mit der österreichischen Erstauffühung „Joyful Failure“.Phil Dera

Den Auftakt macht am Samstag, 10. Oktober, der aus Argentinien stammende und in Belgien arbeitende Tänzer und Choreograf Marcos Arriola mit „CRUCE (Transformation)“. Ausgangspunkt ist das Voguing, jener Tanzstil, der in den schwarzen und lateinamerikanischen LGBTQI+-Communitys als Antwort auf Ausgrenzung entstanden ist und von Beginn an auch Protest war. Arriola nimmt die Energie der Tanzfläche ernst und überführt sie in eine Choreografie der körperlichen Mutation, in der Grenzen überschritten und durchquert werden. Gemeinsam mit Célia Coulibaly, Lara Chanel und Lucia Garcia Pulles arbeitet er sich an rassistischen, geschlechtsspezifischen und sexuellen Zuschreibungen ab, die wie ein Gewicht auf den Körpern lasten. Das Festival kündigt den Abend als Aufruf zu einem performativen Akt radikaler Veränderung an.

Renate Graziadei

Am Freitag, 16. Oktober, folgt im Spielboden-Kino „Orlando, My Political Biography“. Virginia Woolf veröffentlichte 1928 mit „Orlando“ den ersten Roman, dessen Hauptfigur mitten in der Geschichte das Geschlecht wechselt. Fast ein Jahrhundert später antwortet der Schriftsteller und Transgender-Aktivist Paul B. Preciado mit einem gefilmten Brief an die Autorin: Ihre Fiktion sei Wirklichkeit geworden. Menschen, die heute wie Orlando eine Metamorphose durchleben, erzählen darin von ihrem Alltag und dessen Herausforderungen.

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Den Schlusspunkt setzt am Samstag, 17. Oktober, das Berliner Kollektiv laborgras mit „Joyful Failure“. Für die gebürtige Altacherin Renate Graziadei, die laborgras gemeinsam mit Arthur Stäldi leitet, ist es eine weitere Rückkehr nach Vorarlberg. Die Produktion wurde zuletzt in Berlin umjubelt und widmet sich einer Erfahrung, die jeder kennt und kaum jemand gerne zugibt: dem Schritt, der zu früh kommt, der Geste, die ins Leere greift, dem Moment, in dem das Gleichgewicht verloren geht. Wir leben, als gäbe es kein Fallen, als wäre Kontrolle ein Versprechen, heißt es im Programmtext. Graziadei und Stäldi fragen dagegen, ob im Scheitern nicht mehr liegt als Misslingen, nämlich eine eigene, fragile und widersprüchliche Poesie. Zwischen Halt und Kontrollverlust entsteht ein choreografisch-musikalischer Raum, die Musik stammt von Liam Byrne. Getanzt wird von Abraham Iglesias Rodriguez, Miguel González Padilla, Rosalind Masson, Djamila Polo und Graziadei selbst.

Die Tanzabende beginnen um 20.30 Uhr, der Film um 19.30 Uhr.