2000 Jahre Bergbau im Montafon

Als bedeutendes Kulturdenkmal steht die Bergbaulandschaft im Denkmalbuch Österreichs.
Schruns Weit tiefer als bisher angenommen reicht die Bergbaugeschichte des Montafons zurück in die Vergangenheit. Die Goethe-Universität Frankfurt führte dort archäologische und naturwissenschaftliche Forschungen durch. Auf eine außergewöhnliche Nutzungsgeschichte blickt insbesondere die Bergbaulandschaft am Bartholomäberg zurück.

Eine rund 2000-jährige Bergbautradition – von der keltischen und römischen Zeit über das Früh- und Hochmittelalter bis in die frühe Neuzeit – lässt sich dort rekonstruieren. “Im Zentrum der Untersuchungen steht die Knappagruaba am “Bärg”. Auf nur rund 2,4 Hektar Fläche sind mindestens 50 kleinere und größere Halden sowie mehr als 30 verstürzte Stollenmundlöcher erhalten”, teilt der emeritierte Universitätsprofessor Rüdiger Krause mit. Seit dem Jahr 2000 werde die frühe Besiedlungs- und Bergbaugeschichte des Montafons intensiv interdisziplinär erforscht. Besonders bemerkenswert seien die Nachweise des keltischen Bergbaues. Bei Grabungen habe man etwa den „Eisernen Hut“ untersucht – die oberflächennahe Oxidationszone eines Erzkörpers mit Eisenoxiden und Quarzgängen, in dem auch Kupfererze vorkommen. Neue Befunde aus den Grabungen aus dem Jahr 2024 reichten sogar bis in die Frühbronzezeit und in das dritte Jahrtausend v. Chr. zurück.

Die Untersuchungen zum römischen Bergbau hätten eine weitere Überraschung mit sich gebracht. In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bergbauareal seien 15 kleine Keramikscherben aus römischer Zeit gewonnen worden. Ein Hinweis auf bergmännische Erzgewinnung in römischer Zeit. Die chronologische Abfolge setze sich im Frühmittelalter fort. Zahlreiche Datierungen wiesen insbesondere in das 8. und 9. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang sei das Churrätische Reichsgutsurbar von 843/44; darin würden acht Eisenschmelzöfen erwähnt. Die archäologischen Daten aus der Knappagruaba passten in diesen Zeithorizont.

Zur Montangeschichte gehörten auch die Weiterverarbeitung der Erze. Im Silbertal fanden neue Untersuchungen statt, die hierzu wichtige Erkenntnisse liefern. Am sogenannten Schmelzhof habe man Kupferschlacken mit Holzkohleeinschlüssen geborgen; sie werden in das 11. bis 13. Jahrhundert datiert. Noch aufschlussreicher sei die vor acht Jahren entdeckte Schmelzhütte bei der Unteren Dürrwaldalpe im hinteren Silbertal. “An der Litz wurden Schlacken, Holzkohle, Holzspäne, ein unvollständiger Kupferschmelzkuchen sowie Reste verhütteter Erze entdeckt. Seit 2022/23 wird der Platz systematisch untersucht.

Radiokarbondatierungen an Holzkohlen aus Schlacken wiesen in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Unter Mitwirkung von Peter Prestel entsteht aktuell eine rund 45-minütige Dokumentation „2000 Jahre Bergbau im Montafon“. Ausgangspunkt seien die langjährigen Forschungen und Grabungen der Universität. Der Film verbinde aktuelle und archivierte Grabungsaufnahmen mit Bildern der Bergbaulandschaft. Der Film führe zunächst in die römische Kaiserzeit zurück und greife danach die Frage nach dem noch älteren keltischen Bergbau auf. Dazu würden die Befunde vom Bartholomäberg mit Funden aus Bludenz-Unterstein und anderen Zeugnissen der Eisenzeit in Beziehung gesetzt.

Unlängst sprach Rüdiger Krause zu diesem Thema im Montafoner Heimatmuseum in Schruns. Physiker Bertram Batlogg meinte begeistert: “Es war ein toller Abend mit ihm. Seine Kompetenz und seine Begeisterung sind unübertroffen. Wenn jemand in die Pension geht und mit solcher Begeisterung über seine Arbeit reden kann, dann ist das großartig.” SCO









